Shake your Style.

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04.07.2010

Ruft die Feuerwehr

Der folgenden Geschichte ist das Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien vorangegangen. Ich hatte also schon ein zwei – ach lass es drei sein – Biere getrunken. Aus purem Überwange hat sich ein Feuerwehreinsatz ergeben. Der Erste den ich miterlebt habe. Das Spiel schauten Ralf und ich in der Chemnitzer Theaterkneipe namens Exil, ein toller Schuppen, gute Stimmung und ein noch besseres Spiel.

Auf dem Rückweg hat sich nun folgendes zugetragen: Dieses Jahr sind die Pollen (und nicht die Polen) überall in Chemnitz zu sehen. Diese weißen federleichten Schwebeteilchen trägt der Wind weit über die Stadt. Mitunter wirkt es als fallen Schneeflocken mitten im Sommer von Himmel. Am windschattigen Orten sammelt sich dieses verfluchte Zeug zu ganzen Teppichen, einer geschlossenen Schneedecke nicht unähnlich. Auf dem Heimweg liefen wir an genau so einem Ort vorbei. Früher als Kind hatte ich immer unheimlichen Spaß daran dieses Zeug zur Zündschnüren zusammen zu kehren und mit Hilfe von Streichhölzern oder Feuerzeug etwas zu kokeln. Das war ein Gaudie damals. Heute kann das ganz schnell zu brenzligen – im doppelten Sinne des Wortes – Situationen führen. Ohne nachzudenken nahm ich mein Feuerzeug zur Hand um wollte, dieses tolle Gefühl in Erinnerung, ein paar Pollen verbrennen. Rassant gewann das Feuer an Fahrt, dem Bordstein folgend fraß es einige Meter Pollen auf bis es sich ein paar Garagen nähernd außer Kontrolle gerieb. Aus der kleinen Kokelei entstand schnell ein Flächenbrand von einen Quadratmetern, den wir zu zweit nicht Herr wurden. Ratz patz verschwand das Feuer im Unterholz einer Forsythie. Wild trampelt konnten niemand den gefräßigen Flammen folgen. Panik kroch meine Rücken hoch. Das trockene Laub im Unterholz brannte schon als ich meine Machtlosigkeit einsah. Also Handy gezückt und die Feuerwehr gerufen.
„Straßenname?“ - „ähhhh Rudolfstraße“ - „Hausnummer?“ - „Keine Ahnung, hier brennt es. Ich glaube die Nummer zwei.“ Nur war es nicht die Zwei und die Straße ist mit derart vielen (Achtung, genau lesen) Pollern unterbrochen, dass die Feuerwehr dann am falschen Ende der Straße landete. Nach geschätzen zwanzig Minuten kam sie dann an, zwei Helden wie sie im Buche stehen. Einer schien etwas betrunken – wohl dem Deutschlandspiel geschuldet -, der andere am Steuer. Ganz professionell haben sich um das gekümmert was noch dampfte und qualmte, ganz so als ob sie den ganzen Tag nichts anderes tun.
Während der Wartezeit haben angrenzende Nachbarn vom Feuer Kenntnis genommen. Von ihren Balkons haben sie geschimpft und geflucht: Dieser Gestank und der Rauch... Ich habe mich höflich entschuldigt, habe gesagt dass die Feuerwehr alarmiert und unterwegs ist. Meinem Einfall sie sollten mit einem Eimer Wasser herunterkommen ist nur eine alte Dame nachgekommen. Im Nachhinein betrachtet wirklich erbärmlich und irgendwie typisch deutsch.
Jedenfalls hat mich jene alte Dame noch dafür gelobt dass ich nicht weggerannt bin und ich habe ihr für ihren Einsatz gedankt. Die Feuerwehr ist nach getaner Arbeit kommentarlos von Dannen gezogen und wir sind noch pünktlich zum Anstoß Spanien gegen Paraguay bei Ralf angekommen. Ich habe meine Lektion gelernt, auch wenn sie ohne Konsequenzen bleibt. Niemand ist zu schaden gekommen und die Forsythie wird wohl noch im nächsten Jahr blühen.

29.05.2010

mon vélo course

Meiner viertägigen Toulouseabstinenz ging ein etwa dreiwöchiges Partycelibat voraus. Das Celibat hielt ich in dem Maße ein wie es sich für meine Religion gebührt, also nicht so strikt. Trotzdem kam ich mir gestern Abend in dem ganzen Getümmel etwas verloren vor und dachte mir so, dass ich mich hier erstmal wieder einleben muss. Die Pisse war es nicht die mich in den Alltag zurück holte, die Pisse mit der hier die Franzosen selbstbewusst jede Ecke markiern, deren ausgetrocknete Pfützen den Bürgersteig in ein quirliges Camouflage tauchen, die der Indikator für den Gewöhnungsgrad an Toulouse sind denn deren Geruch vernahm ich noch. Nein, ein anderes Ereignis verhalf mir zur mentalen Rückkehr in die Straßen von Toulouse, es geht dabei um mein Fahrrad. So wurde ich aufgeweckt durch das Geräusch das unsere Gittertür zum Hof beim öffnen verursacht. Als wäre mein Hirn nicht gerade erst von einer fünfstündigen Funktionsunterbrechung, die am eben besagten Vorabend durch reichlich Alkoholgenuss und Joints eingeleitet wurde, zurück gekehrt, oder gerade deswegen, eröffnete sich mir schnell, dass sich des Aufstehens Notwendigkeit sehr gut aus der dem Aufstehen gleich folgenden Handlung ergeben könnte. Ich verlies also mein Bett, blickte in den Hof und tatsächlich, mein Fahrrad war im begriff geklaut zu werden denn es war schon nicht mehr da. Jedoch bestand noch die Chance es zurückerobern zu können. Ich hatte mir früher schon so einige male ausgemalt was ich machen würde, würde ich einen Dieb frischer Tat beim klauen meines Rads ertappend zu gegenüberlisten versuchen. Ihn auf meinem Rad fahrend einfach so stark zu stoßen dass er sich hinlegt erschien mir am plausibelsten. So kam ich dann genau zur richtigen Zeit in seine Reichweite. Nach nem kleinen Sprint gelangte ich an die Stufe der grauen Tür die aus unserem Hausflur führt, an der sich die Straße anschließt. In Hasst sattelte der Dieb auf, etwa 20 Jahre, viel zu klein für ein so großen Rennradrahmen wie ich ihn hab, er kam mit dem Rad nicht klar, ich griff ins Geschähen ein.
Auf der Skizze markiert der Stern die Stelle auf der der Dieb in etwa mit seinem Kopf auf das geparkte Auto aufschlug. Meinem Stoß folgend zog er die Vorderbremse, überschlug sich. Da er in den wenigen Sekunden die ihm auf meinem Fahrrad blieben noch nicht die Zeit hatte gen Flucht der Straße zu lenken gab es keinen Körper der die Wucht des Aufpralls des Kopfes von Oben auf die Motorhaube abpuffern konnte. Benommen lag er auf der Straße, ich entwirrte mein Fahrrad seinen Gliedmaßen, benommen Stand er auf, das Gesicht vom Aufprall gezeichnet. An der Seite hatte er eine schöne Schmarre vom Auge bis fast an den Wangenknochen hinunter, so drei Zentimeter breit, die noch nicht zu bluten angefangen hatte doch in den nächsten Tagen sicher einen süffigen Grindteppich ausbilden wird. Krasser war das Loch, dass sich in der Partie zwischen Unterlippe und Kinn gebildet hatte. Seine Zähne müssen wohl in direkten Kontakt mit der Karosserie des Wagens gekommen sein, nahmen dabei aber nicht den üblichen Weg aus dem Mund sondern bohrten sich einen neuen durch die Haut. Wie ein Piercing an der Stelle, nur ein Zentimeter breit. Ein erster Tropfen Blutes ergoss sich bereits aus der Wunde, viele weitere haben noch gefolgt haben. An die anderen Wunden kann ich mich nicht mehr klar erinnern, viel zu erschlagend war die Situation am frühen Samstag Morgen (gen 8 Uhr), ich im Schlafanzug barfuß auf der Straße, ein Auto wollte passiern. Er sagte mich noch anblickend laut was er dachte "ich habe aua", ich sagte "ist dein Ding", wir trennten uns und nach alldem ist es mir als wäre ich nie weg gewesen.

12.04.2010

ein stiller ort zum gedenken


frisch eingezogen in meine neue Wg hier in Toulouse drehte sich das MitbewohnerRoulette weiter, ich suchte nun kein Wg-zimmer mehr, sondern einen dritten Mitbewohner. weil ich vorher schon beim Zimmersuchen unendlich viele Stunden vorm Rechner hockend verbracht hab, hatte ich keine Lust mehr das gleiche im Internet von der anderen Seite her aufzurollen und so entschloss ich mich mal auf die altmodische Art mein Anliegen auf dem Papier unter die Leute zu bringen, machte also Schnipslanzeigen. dachte mir es wäre ne gute Gelegenheit sich von Laternenmast zu Laternenmast hangelnd nebenbei die Stadt zu erschließen, die Mädels vom CopyShop gegenüber kennenzulernen. auch dachte ich mir, muss man doch nen netten Kerl dahinter vermuten der solches auf der Straße anzeigt, die Motivation mich anzurufen sollte gerade hoch sein, ein sympathischer dritter Mitbewohner wahrscheinlich. wenn man die Anzeigen dann nicht noch einfach wahllos in der Stadt verteilt sondern gezielt an Uni's, in angenehmen Vierteln, Parks oder noch besser vor der Punk-Kneipe um die Ecke(führt zu Freibier und netten Gesprächen), dann spart man sich etwas Zeit, die einem beim Abwimmeln von Cyberyuppies sonst abhanden gekommen wäre. Selektion also, die möglichst früh und sogar ziemlich gut, wie sich herausstellte, denn an Interessenten der unliebsamen Kategorie gab sich keiner ein Stelldichein in unseren vier Wänden. leider auch kein Anderer, die ersten 1 1/2 Wochen vergingen ohne Reaktion auf die Anzeige, der neue Mitbewohner wurde danach mittels Internet gefunden. wie traurig, ich hätte es nicht vermutet, Annoncen auf der Straße sind mehr als nur ``out'' und funktionieren nicht mehr. aus dieser Tragik heraus muss wohl das Projekt der gelben Seiten hier in Toulouse entstanden sein. so denke ich es mir zumindest und fand bei meinen Streifzügen durch die Stadt ein Büro/Museum jener mit eigentümlichem Konzept. in diesem werden aktuelle Anzeigen des Internets zu rekonstruieren versucht, auf Papier umgemünzt und ausgestellt. wenn man in diesen Räumen dann umherstreift, das Resultat betrachtend, ist es als würde man sich die Gräber von Lebenden anschaun. und auch das blaue Licht hebt die Stimmung nicht.


p.s.: hab auch noch ne MöbelsuchAnzeige in unseren Straßen gemacht. Bilanz: 1 Anruf

05.03.2010

"erscht wors marx, dann wors murks"

Ende Jenner, wie die österreichischen EU- Mitbürger so schön zu sagen pflegen, begab es sich, das sich meine Bildhauerklasse und ich, wir uns, könnte man sagen, ins Nachbarland Östereich begaben. ......Ich hör grad Ratatat, das lenkt ein wenig ab beim Schreiben.
Vielleicht sollte ich’s ausmachen, wobei dies schade um die schöne Musik wär. Nun ja, is
nie einfach manchmal. Ich wart einfach bis es alle is...... Auf jeden Fall sind wir genauer gesagt nach Seefeld, den Langlauf- touri-ort, mag ihn jemand kennen oder nicht, dies spielt für den weiteren Verlauf der Ausführung keine Rolle, genauer gesagt nach Leutasch, einen Rentnertouri-Ort neben dem Langlauftouri-Ort, gefahren. Um was dort zu tun?
Wer weiß das schon...
Ich zufällig: Des Schneeskulpturenbauens, oder –schöpfens oder wie immer man es nennen mag wegen. Man spricht hier von einem Kost-und Logieauftrag, da wir kostenfrei in Hotels wohnten und aßen und diesen Instituten, im Gegenzug könnte man sagen, ein Schneegebilde vor bewohntes Objekt schufen, bzw. abtrugen, man spricht hier und im allgemeinen von einer Skulptur, da Material abgetragen wird, sei es Holz, Stein, oder aber besagter Schnee. Gegensätzlich verhält es sich beim Begriff der Plastik. Ich werde jenen Begriff in diesem Falle vermeiden, da eine Plastik sich charakteristisch von einer Skulptur klar durch „auftragende“ Arbeitsweise, namentlich das Auftragen von Ton, Schamotte oder Knete, unterscheidet. Natürlich bestehen auch fließende Übergänge, ferner ist jedes Ding diesem fließenden Übergang unterworfen. Doch dies ist Teil einer alleinstehenden Betrachtung phliosophischer Art.
Das Fertigen von Schneeskulpturen ist in Seefeld und Umgebung nicht im Geringsten ein einmaliges Ereignis, sondern erfreut sich einer langjährigen Tradition.
Um die Arbeitsweise näher zu beleuchten bedarf es gewisser Vorkenntnisse. Schnee besteht
Zu einem ganz überwältigenden Teil aus Schneeflocken. Schneeflocken, das sind gefrorene
Eiskristalle in ihrem äußeren vielfältigster Natur. In unserem Falle waren die Schneeflocken
zu einem Cubus der Maße 2,50m auf 2,50m auf 2,50 m aufgehäuft, will heißen aufgetürmt und, und jener Fakt ist von größter Wichtigkeit –zusammengepresst-. Eine folgliche Zerstörung massenweiser Schneeflocken ist anzunehmen und rein rechtlich nicht auszuschließen. Dies tut hochgradig interessanterweise jedoch rein gar nichts zur Sache.
Die Form des Cubus ergibt sich aus der Stellung der vier Schalungswände aus Metall zueinander. Schalungswände werden üblicherweise im Tiefbau verwendet.

Das Bearbeiten des Blockes nun erfolgte durch stoßweises Abtragen des Materials durch
vornehmlich Spaten und Äxte. Ferner ist es möglich größere Brocken Schnees mit einer Kettensäge vom Block zu lösen. Hierbei sei Vorsicht geboten!
Weitere Arbeitsmittel sind Leiter, Eimer, Meterstab und Farbe. Wenn vorhanden, sei eine Schneereibe zu verwenden.
Vor Beginn wurden durch jeden Schüler Modelle aus Gips hergestellt, zum frei interpretierbaren Thema: Olympische Jugendolympiade. Die Fachlehrerschaft wählte aus allen fünf Modelle aus, welche später ihre Verwirklichung in Schnee finden durften. Die Schöpfer der nichtgekürten Modelle fristeten ihr Dasein in Seefeld als Handlanger und hatten ihre Meister gefunden.


Am Rande bemerkt sei, dass eine jener Sklupturen Schlagzeilen machte, aber lest selbt:

http://tirol.orf.at/stories/421508/
http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Aus-aller-Welt/Artikel,-Junge-von-Schneeskulptur-verschuettet-_arid,2069244_regid,2_puid,2_pageid,4293.html

und selbst in england und autralien:

http://www.mirror.co.uk/news/top-stories/2010/02/09/boy-3-left-in-coma-by-falling-snowman-115875-22028910/
http://www.dailymail.co.uk/news/worldnews/article-1249360/British-toddler-coma-crushed-giant-snowman-skiing-holiday.html

und und und...wen es interessiert, einfach mal schneeskulpturen leutasch eingeben...


Mein Handlanger P.G. und ich orientierten uns am Nüschel aus Chemnitz, mit der Intension, dass Österreich schon lange mal wieder nen Marx nötig hätte und dieser bei der Jugendolympiade den moralischen hintergrund bilde. Dazu sei vermerkt: er war ne wahre „Ossi-bremse“ und die Leute schmückten ihn die 4 Tage mit den allerfeinsten Kommentaren....auch kritische stimmen gab es zwei. ein alter mann ging schnell vorbei und konnte sich den kommentar: schade um die schöne arbeit nicht unterdrücken, und in einer nacht und nebelaktion wurde herrn marx die unterlippe zwischenzeitlich abgepullert.

Doch trotz dessen entstanden fünf famose Arbeiten gänzlich unterschiedlichen Charakters:

Schlittenhunde


























Olympia mit Feuer

















Sumoringer



























Ute und der Schlittschuh



























Porträt eines Skifahrers


























marx vs. reiffeisenbank:





























15.11.2009

Vom Bleiben und Reisen und der Zeit

Es ist kein Zeitsprung, nicht im strengen Sinne, ob dieser nun unmöglich oder nur undenkbar ist. Lediglich und immerhin ein Transatlantikflug, und der bekannte Raum und mein Gefühl für Zeit und Epoche waren einfach weg. Was alles natürlich nicht schlimmer, sondern nur anders machte.

"Hier scheint die Zeit ja still gestanden zu haben...". Jeder wird diesen mächtig verwunderlichen Spruch schon einmal gehört haben, wenn's um polnische oder brandenburgische Dörfer ging. Er bedingt eine geradezu narzisstische Weltsicht, im Glauben an den Fortschritt und den gewohnten Standard. Auch mir geht es ab und an und hier in Mexiko besonders oft so oder ähnlich. Der gewohnte Rahmen fällt weg, an den Tankstellen gibt's noch den Tankwart und die mexikanischen Philosophen wissen so gar nicht, wohin. Aber als ob Selbstbedienung und Neoliberalismus, euro- oder zumindest westzentristische Perspektiven keine Bretter vor den Dingen hätten.

Weshalb ich mehr und mehr zu dem Schluss komme, dass zumindest für mich persönlich Bleiben gut und Reisen auch gut ist. Übers Land genauso wie in Gedanken. Und weil ich grad in der wundervollen Situation mich befinde, beides zu gleich, an einem mir vor kurzem erschreckend unbekannten Ort, zu haben, wird Zeitreisen möglich, auf die einfachste denkbare Art. Es wird neben Geld nur Mut gebraucht, um selbst im Rahmen dieser merkwürdig schönen grausamen Welt die Zeit zu vergessen und sie doch zu haben und Epochen spielend zu durchqueren, welche keine Grenzen kennen; sich dabei stets im Auge behaltend. Es verändert sich die Perspektive und es geht nun darum, ihr kein Unten und Oben, und noch weniger ein Früher oder Später zuzugestehen. Dann nämlich ist Anders einfach Anders und ob ich dieses oder jenes gut oder schlecht finde, fortschrittlich oder rückständig, oder, viel wahrscheinlicher, irgendwo dazwischen und weit darüber hinaus verorte, es bleibt mir überlassen und ist doch keine Freikarte für die alte Laissez-faire Schwarte.

Ich liebe es desto mehr, je länger ich hier bin und freu mich dennoch auf später. Bei allem Verrückten und Schönen, vor allem aber bei allem Hässlichen und Traurigen, das mir hier, Welten und Zeiten entfernt von dem, was ich kenne, begegnet, kann ich dies nun sagen.

14.10.2009

Istanbul ist nicht Gelsenkirchen

Pünklich zum Wahlsonntag sind Antje und ich in ein Flugzeug gestiegen, haben die mulmige Ruhe vor dem schwarz-gelben Sturm in Deutschland gelassen und sind eine Woche in Istanbul rumgeirrt.

Eine total schöne Woche voller Zeug. Armut, Stolz, Bruch und Liason zwischen muslimischer Tradition und westlichem Selbstbewusstsein. Marktgeschrei, Großstadt. Schnurbärte, Ataturk. Kalligrafie statt Heiligenbildern. Kitsch. Wasserpfeifen, Tee, Ruf des Muezzins aus kratzenden Lautsprechern übertönt hupende Taxis in engen Gassen. Zu wenig Mülltonnen für zu viel Müll bedeutet wilde Katzen an allen Ecken. Militärstützpunkte an belebten Straßen. Eine Frau im schwarzen Hijab trägt den knallbunten Popeye-Rucksack ihres Sohnes auf ihrer Schulter. Das europäischste Arabische ist immernoch so undeutsch. Überall wird verkauft. In einer Stadt mit 10 Millionen macht immer einer Krach.




13.10.2009

Przystanek Woodstock

Seit 15 Jahren findet im deutsch-polnischen Grenzgebiet das Musik.Kultur.Festival "Haltestelle Woodstock" statt. Dieses Jahr im August besuchte/n wir/ich es zum zum wiederholten Mal.
Dies ist Anlaß genug, um hier kurz einige Eindrücke zu vermitteln.

Das wohl als Nachruf an das Woodstock der 60er und 70er geplante Freilufterlebnis hat viele Eindrücke in mir hinterlassen und ist in seinem Charakter sehr markant.
Das Gelände befindet sich in der Nähe von Küstrin, doch für die meisten Besucher befindet es sich wohl schon auf der Hinreise, so zumindest für mich. Spätestens ab dem Bahnhof Berlin-Lichtenberg, von wo aus der Küstrin-Express abfährt, ist man in illustrer Gesellschaft sehr verschiedener Leute, welche jedoch dasselbe Ziel haben. Durch die komplett überfüllten Züge am Freitag und Samstag, kommt man sich, ob man will oder nicht, schon ein Stück näher und wird durch Schweißgeruch, Gitarrenklang und Biergenuß sanft auf das Kommende eingestellt. In der Grenzstadt angkommen befindet man sich gefühlt, mitten im Herzen Polens. Der Bahnhof scheint ebenso skuril zu sein, wie die nicht enden wollende Schar an jungen Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen.Das Klischee bedienend zählen dazu Punks, Hippies, sich in Armeekleidung tarnende Polen, Asoziale, Unauffällige, Plontz und Pöbel, Rocker, Undefinierbare. Vorbei an den Tauschbörsen und Wurstverkäufern, besteht eine der größten Hürden des Tages sich in ebenso überfüllte wie ausgediente Ostzeitenschulbusse hineinzudrängeln, vorbei an genannten Bevölkerungsschichten und mit ca. 10mal10cm² Platz sowie einem Liter Luft für die halbstündige Fahrt auszukommen.
Spätenstens beim Öffnen der Bustüre vorm Eingang, hat man sein bisheriges Leben, was durch Ruhe, Ordnung und Sauberkeit geprägt war, vergessen und den Umständen angepasst. So warscheinlich die Taktik der Veranstalter.

Das Haltestellte Woodstock bedeutet für mich Sommer, Hitze, Schweiß, Staub, Wüste und Dreck, Musik von Metall bis Melodika, Tanz unter strahlend blauem Himmel, wenig Auswahl, Anarchie gepaart mit Krischnakult, Menschenmassen, preiswertes leckeres Essen und Bier, aber für viele viele ist es vor allen Dingen ein Alkoholxzess.
Man kann es nicht verhehlen, dieses Fest ist komplett schizophren.
Nicht zu verschweigen sei auch der chaotisch-trashig sowie verkommene Beigeschmack. Nein, schön ist es auf keinen Fall und lieblich schon gar nicht. Das Motto: "Stopp Drogen-Stopp Gewalt-Liebe,Freundschaft und Musik! wirkt angesichts der Biermeile etwas albern...wobei es auffallend friedlich ist.
Jedoch zeichnet sich echt und ungeschminkt ein tief zielloses Menschenbild unserer Zeit ab.
Haltestelle Woodstock bildet wohl das krasseste Gegenstück zur Fusion.

Mit ca. 300000 Tausend Besuchern und der größten Festivalbühne Europas(wobei sie neben einer kleinen Folklore-Bühne auch schon die einzige ist) kann die Umsonst&Draußen-Veranstaltung nicht zu den kleineren Festivals zählen. Im Dorf der Künste und in den zahllosen Verkaufsständen verteibt man sich die Zeit, wenn man nicht beim Food for Peace in der Schlange steht, oder sich an diversen Hare Krishna- Misionierungsveranstaltungen belustigt.

Es wird wohl vorerst mein Letztes Woodstock gewesen sein, da es wirklich immer dasselbe ist, aber darauf kann man sich verlassen.

Ich meine, man sollte diesen Trip mal erlebt haben.



















29.09.2009

Mexico und Querverweis

Hj Freunde,

bin angekommen in einer wahrhaft spektakulären Stadt in einem mir noch völlig unbekannten Land. Mexico City drückt und presst und ist absolut abgefahren. Aber viel habe ich noch nich gesehen, jedenfalls bin ich gespannt und will mehr, jaja.

Da ich vorhabe, über dieses und jenes von da zu berichten, habe ich 'nen blog eingerichtet. Ohne jedweden Anspruch, diesen oft oder gar regelmäßig zu pflegen.

In diesem oder irgendwelchem Sinne, bis später!

07.09.2009

[Leb um zu lernen | Lern um zu leben]

Um meiner euphorischen Erleichterung über mündliche Prüfung Ausdruck zu verleihen und zur Unterstützung derjenigen unter Euch, denen in diesen Wochen noch ähnliches bevorstehen sollte und außerdem weil es überhaupt ein cooler Leitspruch und ein schöner Tag ist, spielen wir heute YOU MUST LEARN ALL NIGHT LONG von FANTASTIC PLASTIC MACHINE.

02.05.2009

Fahrrad, Wald und Musik

Vor drei Stunden entschied ich mich kurzentschlossen zu einer Fahrradtour. Das Wetter versprach gut zu bleiben und der Drang Raus zu kommen tat sein Übriges.

Aber weder wollte ich den blauen Himmel, noch die frische Brise genießen, nein, ich dachte eher an Frust raus und verbissen nach vorn. So richtig bescheuert auspowern halt. Jaja, als ich dann aber im Chemnitzer Zeisigwald war und an super einsamen und noch ungekannten Stellen vorbeikam, da musste ich über mich selber lächeln. Nein, so viele glitzernde Wiesen, reflektiertes Licht in den Baumkronen, verschlungene Pfade und ein absolut abgefahren deftiges Grün um mich herum waren der Melanche haushoch überlegen.

So wurde es dann auch eine zwar gut anstrengende, nichts desto Trotz schöne Fahrt in seliger Zufriedenheit. Unterlegt mit wundervollem Sound (Danke dem Herren Weierstrass!) kam ich wieder ein bisschen zu mir und musste erneut feststellen, dass es manchmal nicht viel bedarf, das Leben zu feiern.



Emancipator - First Snow



Emancipator - Maps

30.04.2009

In memory of KARTOFFEL

Kapitel. Offene Fragen. Eine Show für sich, brachiale Palaver sondergleichen, nichts für den Trott. „Die nächsten Termine: […] in der üblichen Dreckskneipe“.

Kartoffel, als knufflige Kurzform der abenteuerlichen Konstruktion Kapitel. Offene Fragen, gründete sich Ende 2004 auf Initiative einiger komischer Zivis, denen die Welt und das Universum und die Frage nach Allem ein Rätsel oder zumindest äußerst spannend erschien. Einige von diesen Halunken haben es bis heute nicht lassen können und warten gespannt auf die Dinge, die da kommen oder nicht.

„Um ideell produktiv zu sein, wollen wir uns dem Prinzip des Respekts bedienen (auch als das Gegenteil von Sabine Christiansen bekannt), durch das wir uns ausreden lassen und (besonders wenn wir jemanden ausreden lassen) immer aufmerksam zuhören.“ Unser Ziel war der Austausch, die Methode das Gespräch, der Ort ein manchmal wechselnder oder die beste Bautzner Kneipe, die Basis unsere Freundschaften, der Kick die Erkenntnis.
Zwischen Ende 2004 und Mitte 2005 fanden zahlreiche Treffen statt (etwas spärlicher dann auch bis Anfang 2006), die nur selten Antworten zu Tage förderten, aber da es sowieso um die Fragen ging, stets und immer wundervolle Diskussionen und Unterhaltungen über eine Vielzahl von Dingen beinhalteten.

Jede neue Runde begann mit einem Referat oder zumindest einer kritischen These von einem aus dem Kreis. Wir sprachen über Kindererziehung, philosophische Ideen von Kindern („Das Denken ist scheinbar das einzige virtuelle Gut, was in allen Ebenen wertvoll ist“), die Evolution von Sprache („Bei der Frage, welche Schwachstellen Sprache habe und wie sie behoben werden könnten, verzweifelten wir, aber erkannten glücklicherweise, dass das daran lag, dass wir auf ebendiese fehlerhafte Sprache angewiesen waren“), die Verbindung zwischen Weltanschauung und Wissenschaft („Hokus-Pokus Physikus“), den Einsatz für das Gute, Glück („und bezogen unsere Gedanken auf weltumspannende historische Prozesse wie Geschichte oder Fortschritt“, jaja), das System Börse (mit Gastreferent Dr. Tümmler), Kapitalismus, Drogen und Freundschaft, um nur einiges zu nennen.

Mir persönlich hat Kartoffel ne ganze Menge bedeutet und mich enorm geprägt. Ja ich sage sogar: War eine verdammt gute Sache das Ganze.

Danke an: Johannes, Clemens (aus dessen Protokollmails ich mir einmal feist fidel die Zitate hier geklaut habe), Martin, Mattes, Christoph, Friedemann, Vincenc, Kathleen, Julian und Gilbert.

„Es gibt viel zu rauchen, zünden wir’s an.“

02.04.2009

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Damals, als ich anfing, kann ich mich noch gut dran erinnern, hab ich mit ziemlich viel Respekt auf die Leute geschaut, die sagen konnten sie studieren im 7, 9 oder höherem Semester. Man, das warn Ikonen. Mit der Zeit wurde ich dann auch einer von ihnen, doch die Zahlen hatten ihre Bedeutung verloren.
Heute nun, als ich von der Sonne beschienen vor der Mensa lümmelte und laut vor mir hinbrabbelnd in Gedanken die Vergangenheit erörterte, bemerkte eine Freundin, unsere Zahl sei zweistellig. Das hat jetzt doch wieder was eigenes. Kein Status in sich, aber ne Menge Erfahrung, einige sehr sehr angenehme Jahre.

02.03.2009

so ein Theater

Mein einziger Vorsatz für das neue Jahr war mehr Kultur. Einen Schritt in diese Richtung habe ich jetzt getan. Das letzte Wochenende war ich in Bautzen und hatte Freitag noch nichts weiter vor. Also kurz in die Zeitung geschaut und dort war eine Pemiere des Steinhaustheaters angekündigt. Das Stück heißt der Selbstmörder und ist von Nikolai Robertowitsch Erdman (1902-1970), einem russischem Autor der für seine Werke 20 Jahre Arbeitslager als Lohn bekam.
Auf gut Glück begab ich mich zum Steinhaus, wohl wissend dass jede Premiere ausverkauft ist. Aber da es das Steinhaus ist wird sich mir schon ein Weg aufzeigen wie ich dennoch in den Saal komme. Es ist mir gelungen. Die gezeigte Komödie spielte in einem russischem Dorf kurz vor der Revolution und wie überall in Russland herrste auch dort Elend und Verzweiflung. Von der Handlung möchte ich euch jetzt nichts weiter verraten, da ich hoffe der ein oder andere wird sich das Stück ansehen. Es ist ausgezeichnet inszeniert und alle Schauspieler überzeugen in ihren Rollen.
Für mich war es der erste Theaterbesuch seit etlichen Jahren und nachher fragte ich mich wieso ich so lange darauf verzichtet habe. Die unmittelbaren Bewegungen bei denen man den Schweiss der Schauspieler sieht, die Echtheit Worte im Raum und das direkte Erleben der Inszenierung vor dem Auge des Publikums, hat in mir die Lust am Theater geweckt. Ein Theaterbesuch lohnt sich.

13.02.2009

Formale Sprachen sind cool.


Ich möchte heute mal ein Thema anschneiden, das mich schon lange begeistert: Formale Sprachen.

Im Informatikunterricht der 7. Klasse lernten wir QBASIC kennen, eine einfache Programmiersprache. Damit konnte man einen Ablaufplan schreiben, den der Computer dann zeilenweise abarbeitet. So konnte man den Computer mit dem Nutzer kommunizieren lassen, indem er auf Eingaben wartet und auf diese je nach Inhalt reagiert. Das hatte Magie. Wir schrieben in QBASIC „Quiz-Programme“. Sie haben dem Nutzer eine Frage gestellt, drei Antworten angeboten und eine Eingabe ("1", "2" oder "3") verlangt. Je nach Eingabe hat das Programm geantwortet „richtig“ oder „falsch“. Wenn man dieses selbstgeschriebene Programm dann mit 13 Jahren ausführt und zum ersten Mal auf dem Bildschirm des eigenen Computers sieht, wie es funktioniert, dann ist das ein Quantensprung, die Geburt eines kleinen Wunders. Etwas funktioniert nach selbstgemachten Regeln.

Von da an war Programmieren eine Art Hobby geworden. Später gab Gregor (Name aus rechtlichen Gründen geändert) mir aus Vatis Firma eine Kopie der Windows-Sprache DELPHI. Die Einarbeitung mit entsprechender Literatur aus der städtischen Bibliothek ging langsam aber sicher voran und plötzlich war es möglich, Windows-Anwendungen zu schreiben. Mit Stephan lieferte ich mir kleine Duelle im Programmieren. Zunächst waren es meistens Scherzprogramme, deren Sinn darin bestand, dass man sie nur mit viel Geschick beenden konnte oder erst nachdem man eine lange Folge merkwürdiger Meldungen mit „OK“ bestätigt hatte. Diese Nervtöter versteckten wir dann in den Autostart-Verzeichnissen der PCs von Erwachsenen oder der Schule. Später wurden auch kleine Spiele geschrieben.

Nicht lange darauf hat sich die Existenz des Internets herumgesprochen, und damit wurde HTML interessant, denn mal ehrlich, was gibt es denn cooleres, als eine eigene Internetseite? Mit entsprechenden Sonderausgaben von Computerzeitschriften war HTML leicht zu erlernen, da es keine richtige Programmiersprache, sondern nur eine Auszeichnungssprache ist. Die heute unumstrittene Standartreferenz SELFHTML hatten wir damals noch von irgendwelchen Heft-CDs geladen, um die Internetkosten zu sparen.
Als wir im Informatikunterricht 2 Jahre später mal etwas mit DELPHI und HTML „herumprobieren“ sollten, waren wir natürlich maßlos unterfordert und haben nur Unsinn gemacht. (Stephan hat in der Klausur zu DELPHI eine 4 gekriegt obwohl er es besser beherrschte als der Lehrer, was ich hier mal nebenbei als Diss an den schulischen Bewertungsmechanismus und natürlich den Lehrer festhalten muss.)

In der Klassenstufe 10/11 wurde die Analytische Geometrie durch den Unterricht von Herrn Riedel (positives Gegenbeispiel) zu einem neuen Erlebnis. Geometrische Objekte im Raum wie Geraden, Ebenen, Ellipsen und Kugeln konnten parametrisiert oder durch Vektorgleichungen formuliert werden. Plötzlich war es im Gegensatz zur „alten Schulgeometrie“ möglich, mit diesen Objekten tatsächlich rechnerisch zu hantieren und altbekannte Formeln (z. B. über die Seitenlängen von Dreiecken) richtig zu beweisen, statt sie einfach zu benutzen. Die Geometrie wurde durchschaubarer, dank Vektoralgebra.

Knapp drei Jahre später, am Anfang des Studiums (genau die erste Vorlesung) kam dann aber der Hammer, von dem ich mich immernoch nicht erholt habe: die Prädikatenlogik. Drei Eigenschaften machen diese Sprache faszinierend: 1. ihr äußerst allgemeiner Gegenstand (Aussagen), 2. ihre augenscheinliche Übereinstimmung mit unserer intuitiven Vorstellung von „Logik“ und 3. ihre Einfachheit. Meine 2 Blätter Mitschriften zu diesem Thema habe ich noch bildlich vor Augen. Sie sind die zerfleddertsten und mit Bemerkungen zugekritzeltsten Seiten, die ich noch nicht entsorgt habe.

Um den Computer praktisch zu nutzen, war es irgendwann nötig, bessere Programmiersprachen zu lernen und mit PYTHON, FORTRAN und C sind ein paar neue Spielzeuge bei mir zuhause. Schließlich durfte ich im Nebenfach Informatik einen Einblick in die Theorie der formalen Sprachen bekommen.

Wenn man eine formale Sprache definieren will, benötigt man wiederum eine Sprache, in der diese Definition erfolgt (sog. Metaprache). Das hielt ich immer für sowas wie den logischen Knackpunkt der Unmöglichkeit, formale Sprachen korrekt zu definieren. Allerdings wurde ich (scheinbar) eines besseren belehrt. Die sogenannte EBNF (Extended-Backus-Naur-Form) ist eine sehr einfache Metasprache, mit der man andere Sprachen eindeutig beschreiben kann. In einer kleinen Übungsaufgabe konnten wir sogar die EBNF-Sprache benutzen, um sich selbst zu definieren.

Das Unfassbare an formalen Sprachen ist, dass sie Dinge fassbar machen. Manchmal sogar sich selbst.

Ich bin dankbar, dass ich staunen kann.

08.02.2009

SB

Seit geraumer Zeit wasche ich meine Wäsche im Waschsalon. Meist gehe ich freitags am späten Nachmittag, oder samstags Vormittags vor elf, da kostet eine Maschine nur 1,90 statt 2,40. Es ist nie viel los. Die herrschende Gelassenheit zeugt von der Alltäglichkeit dieser Prozedur. Besonderheiten gibt es nicht, Unterschiede der anwesenden Personen sind maximal vom gelesenen Buch abzuleiten, doch selbst die sind marginal. Jeder könnte jeder sein. Ob man nun dasitzt, grübelt, den Blick auf die rotierende Trommel gerichtet, sich unterhält, Lebenserfahrung berichtet bekommt, einer Beschäftigung nachgeht, oder den wirbelnden Kleidungsstücken im Trockner zuschaut. Alle Personen könnten gegeneinander ausgetauscht werden, man würde keine Veränderung feststellen. Was einen sonst auszeichnet, wird vor der Tür gelassen. Hier dreht es sich nur um eines, die Aufrechterhaltung des Grundlegensten, das bei jedem gleich ausschaut. Der modernen Menschen wird unter anderem über sein Auftreten bestimmt. Ein Neandertaler grunzt, wir machen uns chic. Es ist doch stets das gleiche, nur die Ausdrucksform verändert sich, über Jahrtausende hinweg. In ähnlicher Blöße, wie man das blanke Entsetzten sieht, wenn es einen durchfährt, oder man es mit der nackten Angst zu tun hat, offenbart sich dieser Sachverhalt beim Einführen der Münze in den Automat. Es ist schon eigenartig das unsere Zeit solche Orte noch zulässt. Ungeschönt, ohne jeden Versuch der Leugnung, wo doch sonst alles so facettenreich ist.

Vällkommen till Stockholm!

Mit Sigur Rós im Ohr, wunderbaren Bildern vor den Augen und Lebensträumen im Sinn, habe ich mich für diesen Februar auf nach Stockholm gemacht. Ich versuche während eines Praktikums im Karolinska Institutet das Alltagsleben der Hauptstadt Schwedens zu erkunden. Dabei stellt sich am Ende hoffentlich heraus, ob es lohnenswert ist, ein paar Jährchen in diesem nordischen und landschaftlich sehr faszinierenden Land zu verbringen. Da ich erfuhr, dass es einige Personen interessieren könnte, wie Stockholm tatsächlich "tickt", dachte ich, ein paar Eindrücke zu schildern, ohne dabei mit dem doch durchaus langen Einstiegsbericht schocken zu wollen.

Es war der 31. Januar 2009, als früh um 4:00 Uhr noch eine Tasse Tee bzw. Kaffee ihren Zweck erfüllte und ohne lange zu atmen, ging es auf nach Berlin. Die Erinnerungen an den einjährigen Englandaufenthalt waren stark. Man fühlt sich nach solch einer Zeit doch schon wie daheim in Schönefeld.
Der Flug war angenehm, zwischendurch einige Turbulenzen, sonst angenehm ruhig. Plötzlich ertönte es laut aus den Lautsprechern: "Become a millionaire with Ryanair. Take part in our game. MILLIONAIRE WITH RYANAIR" Ich konnte nur lachen, und bemerkte, dass sich auch der Stewardess sehr beherrschen musste. Süß! Einfach nur niedlich, wie sich Ryanair eben auch mit etwas Werbung etwas „Taschengeld“ dazu verdient. Vor allem wenn dann wirklich einige Frauen sofort zum Portemonnaie greifen und hoffnungsvoll und vorsichtig um sich blickend das entsprechende Feld auf der Karte freirubbeln... Tsts.

Hoch über den Wolken strahlte nun die Sonne, wie sie nur konnte. Es war traumhaft. Eine Zuckerwattenschicht, eine schneeweißes Bett, was mit den Strahlen der Sonne erwärmt wird. Fasziniert von dem doch eigentlich simplen Naturereignis setzten wir bald zum ruhigen Landeanflug an. Der Weg führte durch die Wolkendecke und man wurde unsanft durch die Realität geweckt. Unterhalb der weißen Pracht erschien alles in einem eintönigen Grau.
Weit und breit waren grau bezuckerte Felder, dazwischen schlecht und langweilig aufgeforstete Fichtenwälder. Es war enttäuschend, endlos, öde. Das ist also Schweden?! Ich glaubte es nicht und wollte dem doch so hoch gelobten Land bezüglich seiner Natur eine Chance geben. Zwischendrin entdeckte man hin und wieder kleine Gehöfte. Rote, niedrig gehaltene Häuser mit weißen dicken Fensterrahmen. Alles in einem sehr ordentlichen Zustand. Pferde sprangen auf den Weiden umher... Also doch!

Rums! Und nochmal rums! Aufgesetzt. Angekommen. Auf der grauen Landebahn inmitten eines grauen Feldes. An einem grauen Tag.
Der Bus für die Fahrt ins 100 km entfernte Stockholm wartete schon. Von der Innenseite konnte ich sehr gut den Busfahrer beobachten, wie er außen die letzten Gäste freundlich einwies. Und alles mit einem wirklich guten Englisch. Freundlich lächelte ich eine Chinesin an, die sich auch gleich neben mich setzte. Und so unterhielten wir uns nett und ich bekam ein Angebot, bei meinem nächsten Chinabesuch, sie doch einfach mal zu besuchen. Hmmm, ok, dann mal los zum nächsten Flughafen... ;)
Bald darauf ging es zur Autobahn. Man hat sofort den Eindruck, dass in Schweden alles einen Tick langsamer abläuft als in Deutschland. Na gut, ist unser Land eigentlich in Sachen Geschwindigkeit noch zu übertreffen?? Vielleicht liegt die Ruhe Schwedens auch an den Maximalgeschwindigkeiten von 90-110 km/h auf Autobahnen.
Diese übertrug sich auf mich, ich versuchte nun etwas, meinen versäumten Schlaf von letzter Nacht aufzuholen.
Ein Auge tat ich nach eine halben Stunde wieder auf: Plattenbauten. OK, wir sind scheinbar noch im Vorort. Oh nein, doch nicht: Dort ist der Zentralbahnhof. Hmmm, und was ist mit den Plattenbauten?
Die waren schnell vergessen, als ich aus dem Bus ausstieg und mitsamt meinem Gepäck in den Bahnhof lief und dort von seiner prächtigen Bauweise erschlagen war. Das waren doch sehr starke Gegensätze. Ein sauberer Ort, wo es an jeder Ecke funkelte und glitzerte, wie man es bis in die 80er mit dem „Goldenen Westen“ beschrieben hatte.
Ich genoss die Rolltreppen, da mein Gepäck mit 23 kg doch etwas auf meinen Schultern lastete...
Erst einmal sollte es zur Information gehen. Hah, und da waren sie: die Nummerautomaten, ohne denen die Schweden angeblich nicht mehr auskommen… Ich konnte nur noch breit grinsen. Im Reiseführer stand beschrieben, dass man sich doch unbedingt eine Nummer ziehen muss und ja nicht verpassen sollte, wann man dran ist. Sonst beginnt die ganze Prozedur von vorn. Hihi, und so musste ich tatsächlich zum Schalter rennen, ja rennen(!), als meine Nummer gezogen wurde.
Das Ticket in der Hand, die Hinweise des Inders, welcher mich gut und mit liebenswürdigem Humor beraten hatte, im Kopf, ging es auf zur Tunnelbanna. Es dauert nicht lange und ich fühlte mich wie in London. Oder doch wie in St. Petersburg? Der goldene Bahnhof ist weg und die einzelnen Bahnsteige sind schlicht und einfach rot gefliest und sauber. Es scheint, als ob die Schweden einfach alles in Ordnung halten und nicht ständig neues produzieren. Sie perfektionieren nicht wie wir Deutsche. Das fiel mir, eben als Deutsche, besonders beim Durchlaufen der Straßen in Bergshamra, meinem neuen Heimatort, auf. Keine Bierbüchsen liegen herum, keine Taschentücher oder Zigarettenschachteln. Nur sehr viel Streusand. Rechts sieht man eine Apotek, dahinter einen Blumenladen. Alles wirkt sehr dörflich, wobei man sich zwischen den hohen Häusern eingepfercht fühlt. Da drüben schiebt eine (im Gegensatz zu England) bereits ca. 30 jährige Frau einen Kinderwagen der 60er Jahre über die rot asphaltierte Straße.
(Zu dem Zusatz in Klammern möchte ich nur kurz anmerken, dass in England geschätzt die Hälfte der dort geborenen Kinder jugendliche Eltern haben.)
Nun stand ich in einer Plattenbausiedlung, die mich doch sehr an Russland erinnerte. Sagen wir: an eine gepflegte Version Russlands, ohne dies abwertend zu beurteilen, sondern einfach als Tatsache fest zu halten. Die Wohnungstüren sind auch hier zwei- bis dreifach verriegelt. Auch nachts. Trotz, dass es hier eine sichere Gegend sei...
Den Weg hierhin hatte ich also gut gefunden. Um nicht zu sagen: zu gut. Irgendwann muss doch eine Schwierigkeit auftreten, fragte ich mich. Und da war sie schon. Ich stand vor der Tür, wo ein Code einzugeben war, damit man in das Haus eintreten kann. ...Oje, ist es vielleicht Nr. 5, weil Frau Ehert in Wohnung Nr. 5 lebt? Oder 2, weil sie in der 2. Etage wohnt? Zum Glück kam schon bald ein Schwede heraus, der mir etwas erzählte, ich konnte jedoch nur mit einem "Tack" (Danke) antworten und nett lächeln. Schnell begab ich mich in die 2. Etage, voller Vorfreude, nun endlich nach 8 Stunden angekommen zu sein. Und was sehe ich an der Tür?
"Sara Ehert. Varning för Hunde" Huch, da schluckte ich erst einmal. Und blieb stehen. Ich bereitete mich gut auf die Situation vor. Gewiss hat sie einen Boxer, der mich jetzt anspringt. Wuaaahh! In der Zwischenzeit hat meine Hand die Initiative ergriffen und bereits geklingelt.
Und vor mir stand eine ca. 50jährige hoch gewachsene, schlanke Frau, die grinste und meinte, dass sie es so erwartet hatte: Deutsche kleiden sich immer wie Schildkröten. Im gewissen Sinne hatte sie Recht. (Es waren 0°C.) Die Wahrheit ist ja aber, dass ich alles, was nicht mehr in den exakt 15 kg schweren Wanderrucksack passte, anziehen musste. Nicht mit dem Ergebnis eine beleibte Frau, sondern scheinbar eine Schildkröte darzustellen...
Wo sind die Hunde?? Tjaaa, das war eine der ersten Fragen, die ich stellte. Ich bekam zur Antwort, dass ihr Sohn einen hätte, und das deshalb dran stünde. Außerdem flöße es Respekt ein. Das kann ich nur bestätigen… ;)

Es tauchte bald darauf noch ein Mädchen auf, die 28-Jährige Ukrainerin, welche in dieser Wohnung für ½ Jahr bleiben wird. Und mit ihr befand ich mich nach einem "tea" mit meiner wirklich netten und sehr englisch erscheinenden Vermieterin im Bus zur nächsten Kaufhalle. Die Wolken rissen nun endlich auf, und die Sonne, strahlte mich zum 2. Mal heute an. Sie blitzte durch die schwedischen Plattenbauten durch. Der Busfahrer wirkte auch diesmal sehr entspannt. Vielleicht geht das Leben hier nicht einen Tick langsamer, sondern einfach gelassener und angenehm unperfekt voran. Im Supermarkt holte ich mir dann die lang ersehnten Branflakes, die es scheinbar nicht nur England gibt!!! :) Dabei möchte ich unglücklich erwähnen, dass dieser Supermarket ein Lidl war und ich doch eigentlich sehr die Produkte des jeweiligen Landes bevorzuge, um nicht zuletzt die nationale Produktion zu unterstützen. Aber das kommt noch.
Daheim ließ ich mir dann, nachdem die Finanzen bezüglich der wirklich schmerzhaft hohen Miete in Stockholm nun auch geklärt waren, endlich meine erste richtige Mahlzeit am Tag schmecken - Spaghetti. Sehr Schwedisch! ;)
Meine Gastmutter aß Fish`n`Ships.
???
Sie vor 35 Jahren hierher gezogen und gebürtige Engländerin...
Aha!

Nun sitze ich hier vor meinem Computer und erfreue mich an dem Geschrieben, an meinen neuen Eindrücken, und bin immer noch seltsam angetan von der Stadt, deren Aussehen in meinen Träumen doch so anders (ja: schöner) erschien, wo aber der Lebensstil auf den ersten Blick meine Hoffnungen erfüllt...

Ich bin gespannt auf morgen!

Anmerkung der „Redaktion“: Personennamen geändert.

19.01.2009

scheitern deluxe

Ow man, war das ein Wochenende, geprägt von Verzweiflung, Konfrontation und letztendlich auch Erkenntnis. Samstags früh wollte ich vollkommen desillusioniert nicht aufstehen, keine Minute des Tages mit mir selbst verbringen, weil ich wirklich nicht wusste was mir der Tag bringen soll, außer dass alles nur noch schlimmer wird, Lösungen nicht möglich sind. Sämtlichen Mut hatte ich verloren.
Eingeleitet wurde der Zustand durch Scheitern an der Uni. Hatte ein unerkannten Fehler in meinem Programm, dass ich für meine Diplomarbeit schreibe, und habe bereits Tage der Woche zuvor erfolglos damit verbracht den Fehler zu finden, genauso wie die gesamte letzte Woche. Es hat einfach kein Spaß mehr gemacht, mich vor meinen PC zu setzten, jede Minute war ein Qual, stets den gleichen Vorgang wiederholend, der zahlreiche Male davor bereits erfolglos blieb. Habe ich mir die Situation vor Augen geführt in der ich mich befand; in einem neutralen Arbeitszimmer, als Arbeitsmittel ein Rechner mit Tastatur zur Verwirklichung des Gedachten, wobei ich mich vor den Gedanken ekelte denn es ist egal ob ich's mir denke oder nicht, weiße Blätter um mich verteilt, mit Inhalten beschriftet die mir in dem Moment absolut nichts bedeuteten und trotzdem benutzt werden mussten, denn ich hänge vom Erfolg das Projekts auf Gedeih und Verderben ab; konnte ich nur die Hände vor meinem Kopf zusammenschlagen. Diese Frustration im Zusammenhang mit dem Fakt, dass diese Arbeit es ist die in meinem Leben die meiste Zeit in Anspruch nimmt, einen Großteil meines Hirnschmalzes verbraucht, zur Gestaltung des übrigen Tages mich lähmt, hat mich in eine tiefgehende Sinnkrise gestürzt, mir vor Augen geführt wie mir ein langfristiges Ziel, von dem Erfüllung zu erwarten ist, das gegebenenfalls solche schwere Phasen kompensieren kann, fehlt. Die Frage nach dem hohen Ziel kommt der Frage nach dem Sinn des Lebens gleich, und jeder wies, dass diese nicht zu beantworten ist. Trotzdem hat es dieses aufgeworfene Fragezeichen geschafft, mir die übrigen Freuden meines Daseins, die größtenteils kurzweilig sind doch dennoch den Rest des Tages füllen, zu verleiden, mir die Nichtigkeit der Tätigkeiten in Bezug auf das was einem wirklich etwas gibt, auf das man am Ende seines Lebens mit Genugtuung zurückblicken kann, klar gemacht.
Alle Vernunft hat nicht geholfen, dieses dermaßen betrübende Gefühl von Abscheu gegenüber sich selbst und seinem Schaffen zu überwinden. Am Freitag ging ich nicht an die Uni, konnte im üblichen Alltag der sich bei freier Zeit ergibt nichts finden was über die Bredouille hinwegzukommen mir half, was mich noch mehr deprimierte, denn nun lief es nachgewiesenermaßen nicht nur an der Uni sondern auch Zuhause nicht. Ich sah nicht nur, dass ich kein hohes Ziel habe, sondern auch, das was ich mache es nicht ist, was mich in diesem Punkt glücklich macht, einen eigentlich eher davon abhält sein wahres Glück zu finden. Musik hören war scheiße, ein Buch zu lesen war scheiße, sich Gedanken über abgefahrenes Zeug zu machen war scheiße, und, und, und. Sich an Ort und Stelle hinlegen, das wollte ich, liegen bleiben und zu warten, bis irgendwer kommt der einen von allem erlöst. So vollständig keine Kraft mehr. Glücklicherweise hatte ich am Nachmittag bereits eine Verabredung, die mich über den verbleibenden Tag brachte, angenehm ablenkte von mir, einer Phantom. Am Samstag gab ich mich nach diesem tottraurigem Aufwachen resignierend meinem Schicksal hin, nahm etwas Nahrung zu mir, denn mehr war es für mich nicht, ging mechanisch Wäsche waschen, einkaufen. Vollkommen Dumm, im Wissen das auch alles höhere einem nicht mehr geben kann, doch auch trübselig über das Fehlende. Zu schauen ob die Wäsche bereits trocken war damit ich sie zusammenlegen kann, gab mir was für was es sich weiterzumachen lohnte. In der Zeit die noch blieb floh ich vor mir, ging in die Stadt paar Rohlinge besorgen, glücklich darüber denn Bus verpasst zu haben, denn das waren 10 Minuten weniger Daheim mit mir selbst, nur nicht wieder ins Grübeln geraten.
Und dennoch, trotz dieser depressiven Phase, in der ich im Laufe einer Woche allen Wert dessen dem ich nachgehe in unzählige Stücke zerspringen sah, hab ich es doch irgendwie geschafft aus diesem Loch zu kommen. Denn, jetzt kommt der wichtige teil, es gibt eben einen Unterschied zwischen Einkaufen, und einer CD die man für einen einem nahestehenden Menschen brennt; Wäschewaschen, und einem Telefonat mit Mattes; dem Elektronikgeschäft, und Freunden die sich nach einem Erkundigen, zu denen man gehen kann; einer Schüssel Kornflakes und seinen Eltern, mit denen ich nach einmonatiger Funkstille heut zum ersten mal wieder gesprochen hab; zwischen Busfahren, Müll Rausbringen, Abwaschen und Musik, Büchern, Denken; ja, sogar zwischen liegen bleiben und Arbeiten gehen. Diesen Unterschied habe ich ohne an ihn zu glauben in den letzten zwei Tagen zu spüren bekommen, indem ich einfach handelte, mich mir gestellt hab, und nach jedem Stück ging es mir besser, bis zur Perfektion im jetzigen Augenblick. Vertrauen in sich selber, auch wenn es anders scheint macht sich bezahlt. Absoluten Stillstand gegen pure Lebensfreude eingetauscht, durchs Machen. Einfach aus dem Arsch komm lautet die Devise, und es lohnt sich. Selbstkritik, Reflektion, sich in frage Stellen, sind Vorgänge die einem den Boden unter den Füßen entziehen können, ziemlich brutal sogar. Manchmal verstellt das Denken einem die wahre Sicht auf die Dinge, doch es ermöglicht einem auch Erkenntnis, die Analyse eines Problems, was es zwar nicht beseitigt, eher noch näher an einen heranträgt, doch man kann lernen damit umzugehen, und dadurch mit sich ins reine kommen, ein gründlicheres Leben führen als zuvor. Depression muss sein, denn daran wächst man. Die Frage nach dem höheren Sinn erscheint mir neben Unbeantwotbarkeit mittlerweile wieder Irrelevant.
Was ich erfahren hab, ist das Scheitern durchs Denken, aber auch das Aufstehen, durch intuitives Handeln, das zu großen Teilen, aber nicht nur, im Denken gründet. Zu Denken ist nicht alles, genauso wie stupides vor sich hin Vegetiern nicht alles ist.

Naja, und bevor ich mich hier noch in weiteren Phrasendrescherein verliere mach ich jetzt Schluss, auch wenn ein abschließend kluger Satz mir nicht einfällt. Wir machen schon was Richtiges!

03.01.2009

Ich lasse mir jetzt selber die ehre zuteil werden und den ersten post im neuen jahr schreiben. ihr hatte alle schlieslich genug zeit. auf diesem weg wünsche ich noch allen denen, die ich bis jetzt noch nicht sah, ein frohes neues jahr 2009 und das sich all eure vorsätze erfüllen.
ich möchte euch dennoch von den letzten minuten 2008 berichten. sie waren nämlich ohne tamtam oder trara ganz entspannt und irgendwie auch zeitlos. Jakub, Thomas und ich waren die einzigen die nicht zu den elbwiesen gingen und eine ruhige kugel in der rothenburger schoben. wir höhrten gute musik und unterhielten und bis der erste feststellte das es ja schon nach null uhr war, was den countdown überflüssig machte. im kühlstrank fanden wir noch eine flasche sekt, die wir uns schmecken liesen. im anschluss gings in die groovestation, aber das war dann nicht mehr 2008. so einen jahreswechsel möchte ich kommendes jahr wieder erleben. sollen die anderen machen was sie wollen, ich weiß jetzt dass der jährliche zeitpunkt an dem sich die meisten ziffern auf der digitaluhr ändern auch ohne mein zutun vergeht. eine beruhigenden tatsache die ich da erfahren habe.
das war es erst mal von mir und bleibt sauber

13.12.2008

Auch ein Verriss

Gestern am späten Nachmittag, es war bereits Dunkel, schlenderten wir im Schneematsch und gemütlicher Feierabendstimmung durch die Neustadt. Jennie brauchte Rohlinge, Micha und ich begleiteten sie in den Rossmann. Geblendet durch das gleißende Licht der gefühlten 1000Watt Neonröhren und betäubt durch den Duft eines BigBand Seifenvarietees, taten wir das was jeder normale Mensch in dieser Situation tun würde, wir hielten Ausschau nach Kitsch als auch Träsch. Findig wurden wir am Ständer für Medien in digitaler Form.
Bevor wir zum eigentlichen Höhepunkt gelangten, stellten wir die Anwesenheit einer 4erCD-Box Captain Cook's fest, was mir Gelegenheit erbrachte eine kleine Anekdote zur Anwesenheit Captain Cook's bei der Silberhochzeit meiner Eltern anzubringen (man siehe hier und hier) und den idealen Einstieg für die weitere Expedition bildete.
Es zog nun eine DVD mit schwarzer Hülle, auf der ein Kaminfeuer abgebildet war, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Zu sehen waren Worte wie 'Lounge' und 'Musik' auf dem Cover, sowie die Namen einiger Interpreten, woraus wir schlossen es handle sich um atmosphärisch akustische Untermalung für einen langen Abend am Kamin. Doch das Format einer DVD machte uns stutzig. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis wir den vollen Sinn dessen in unseren Händen erkannten. Für das Auge wurde im Einklang mit dem Hörerlebnis ein Feuer auf den Bildschirm der Heimkinoanlage gezaubert!
Eine Groteske fast, deren Gipfel man erreicht, erinnert man sich daran, dass die DVD ernsthaft zum verkauf angeboten wurde, der abstruse Gedanke dahinter ernst gemeint ist. Man stelle sich die fröstelnde Gemahlin vor, derer letztes Erlebnis mit der Winterkälte ein Klacken des Schlossen gerade in der Vergangenheit liegt, die die Hände über die Schulter streifend zu ihrem Liebling sagt: "Och Schatz, ist mir kalt. Machst du bitte den Kamin an." Er sagt:"Ja, klar." und drückt auf Play. Wow, boom, klatsch, piechou! Zu der perfekten, evtl. romantisch überzeichneten Situation vor dem realen Kamin verhält sich die DVD wohl etwa wie die Welt zu einem Vergnügungspark, oder der Lachsschwarm in der Barentssee zur in Vakuum verpackten Konserve. Immer und überall bereit, und für jede Schandtat zu haben.

Also haltet die Ohren steif Leute!

10.12.2008

Hype, ohne Phänomen!



DejaVu!

Habe es ein zweites Mal versucht und dem Hype, den unzähligen verehrten Blogs und dem Italodisco gehuldigt. Konkret: Ich fuhr gestern zum neu eröffneten Live@Dot in Berlin, ein Club konzipiert um Livemitschnitte zu produzieren. Dem zu Folge waren gefühlte 4 Toningenieure ständig am justieren was mir den glasklaren und sattesten Sound bescherte!
Der Laden liegt zwischen Fhain und Krzbg, besteht seit dem 1. Dezember und konnte demzufolge bisher weder von Hipstars noch einer Jugendsubkultur vereinnahmt werden, was sich aber spätesten bei DeLaSoul's und GrandMasterFlash's Visite im Januar ändern sollte.


Glass Candy (Ida No & Johnny Jewel) sind eine zweiköpfige Italodisco-Formation aus Portland (USA) und in Amerika wohl bekannt. Seit 2007 sorgt das Label ItaliansDoItBetter für Furore in Europa, da es sich dem, meiner Meinung nach besseren Begriff, DiscoNoir verschrieben hat und mit noch einigen empfehlenswerten Acts punkten kann; Farah, Mirage, Chromatics (ebenfalls mit Johny Jewel als Produzenten, wärmstens ans Herz zu legen!).



Glass Candy - Life After Sundown , hört euch unbeding auch das Belle Epoque Cover "Miss Broadway" an

Boom Tschak!

18:30 Dresden; besten Freund überredet
19:04 ins Auto eingestiegen
19:10 auf der Autobahnauffahrt geblitzt worden
20:50 Auto im Parkverbot untergebracht
21:05 Vorverkaufskarte gegen Stempel getauscht
21:06 passierte folgendes...

Disco wurde befreit von Schnörkeligkeiten wie Streichern und Trompeten, statt dessen wabert Giorgo Moroders Synthesizer im unteren Frequenzbereich, der Groove wird stark vereinfacht, die Melodiespuren auf eine beschränkt, Der Beat unter die 100bpm Marke gedrückt. Ida No eine verführerischen Sängerin, die über eine eben solche Stimme verfügt, versprengt erregte und lazsive Vocals genau dann wenn man dem elektronischen Stepptanz verfällt. Trotz weniger als 100 bpm legte es mir den Schalter um wie beim Techno, geradezu explosionsartig setzten die Melodien ein und mein Hirn aus, ich verliebte mich in die barfüßig, sich balettartig bewegende Frontfrau im Catsuite. Schweiß tränkte mein Shirt und hedonistischer BlackDiscoNebel den Raum.
Gefühlte fünf Minuten nach dem letzten Track war der Saal wieder leer; Berlin scheiterte diesmal nicht an Tanzverweigerung und Weltstadtanspruch, sondern ganz einfach an der afterhour, die wir mit 15 Italofetischisten bestritten ... besser so, denn Disco ist kein Pogo!

Zwei Plattenunterhalter, Emil Doesnt Drive & Robin Van Der Kaa, die keiner kannte und die auch Sachen spielten, die wohl sonst keiner kennt, waren mir sofort sympathisch, und konnten durch einige Perlen aus dem eigenen Plattenschrank punkten – der Aufenthalt verlängerte sich bis 3:30 ... Uni fiel aus...

hier ein Beispiel um die Phantasie anzuregen: HI NRG auf ItaloDisco, eine Bobby Orland Produktion



Ein durch und durch tanzbares Konzerterlebnis!

Verneigt Euch vor der Discokugel!