Ruft die Feuerwehr
Der folgenden Geschichte ist das Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien vorangegangen. Ich hatte also schon ein zwei – ach lass es drei sein – Biere getrunken. Aus purem Überwange hat sich ein Feuerwehreinsatz ergeben. Der Erste den ich miterlebt habe. Das Spiel schauten Ralf und ich in der Chemnitzer Theaterkneipe namens Exil, ein toller Schuppen, gute Stimmung und ein noch besseres Spiel.
Auf dem Rückweg hat sich nun folgendes zugetragen: Dieses Jahr sind die Pollen (und nicht die Polen) überall in Chemnitz zu sehen. Diese weißen federleichten Schwebeteilchen trägt der Wind weit über die Stadt. Mitunter wirkt es als fallen Schneeflocken mitten im Sommer von Himmel. Am windschattigen Orten sammelt sich dieses verfluchte Zeug zu ganzen Teppichen, einer geschlossenen Schneedecke nicht unähnlich. Auf dem Heimweg liefen wir an genau so einem Ort vorbei. Früher als Kind hatte ich immer unheimlichen Spaß daran dieses Zeug zur Zündschnüren zusammen zu kehren und mit Hilfe von Streichhölzern oder Feuerzeug etwas zu kokeln. Das war ein Gaudie damals. Heute kann das ganz schnell zu brenzligen – im doppelten Sinne des Wortes – Situationen führen. Ohne nachzudenken nahm ich mein Feuerzeug zur Hand um wollte, dieses tolle Gefühl in Erinnerung, ein paar Pollen verbrennen. Rassant gewann das Feuer an Fahrt, dem Bordstein folgend fraß es einige Meter Pollen auf bis es sich ein paar Garagen nähernd außer Kontrolle gerieb. Aus der kleinen Kokelei entstand schnell ein Flächenbrand von einen Quadratmetern, den wir zu zweit nicht Herr wurden. Ratz patz verschwand das Feuer im Unterholz einer Forsythie. Wild trampelt konnten niemand den gefräßigen Flammen folgen. Panik kroch meine Rücken hoch. Das trockene Laub im Unterholz brannte schon als ich meine Machtlosigkeit einsah. Also Handy gezückt und die Feuerwehr gerufen.
„Straßenname?“ - „ähhhh Rudolfstraße“ - „Hausnummer?“ - „Keine Ahnung, hier brennt es. Ich glaube die Nummer zwei.“ Nur war es nicht die Zwei und die Straße ist mit derart vielen (Achtung, genau lesen) Pollern unterbrochen, dass die Feuerwehr dann am falschen Ende der Straße landete. Nach geschätzen zwanzig Minuten kam sie dann an, zwei Helden wie sie im Buche stehen. Einer schien etwas betrunken – wohl dem Deutschlandspiel geschuldet -, der andere am Steuer. Ganz professionell haben sich um das gekümmert was noch dampfte und qualmte, ganz so als ob sie den ganzen Tag nichts anderes tun.
Während der Wartezeit haben angrenzende Nachbarn vom Feuer Kenntnis genommen. Von ihren Balkons haben sie geschimpft und geflucht: Dieser Gestank und der Rauch... Ich habe mich höflich entschuldigt, habe gesagt dass die Feuerwehr alarmiert und unterwegs ist. Meinem Einfall sie sollten mit einem Eimer Wasser herunterkommen ist nur eine alte Dame nachgekommen. Im Nachhinein betrachtet wirklich erbärmlich und irgendwie typisch deutsch.
Jedenfalls hat mich jene alte Dame noch dafür gelobt dass ich nicht weggerannt bin und ich habe ihr für ihren Einsatz gedankt. Die Feuerwehr ist nach getaner Arbeit kommentarlos von Dannen gezogen und wir sind noch pünktlich zum Anstoß Spanien gegen Paraguay bei Ralf angekommen. Ich habe meine Lektion gelernt, auch wenn sie ohne Konsequenzen bleibt. Niemand ist zu schaden gekommen und die Forsythie wird wohl noch im nächsten Jahr blühen.




















Seit geraumer Zeit wasche ich meine Wäsche im Waschsalon. Meist gehe ich freitags am späten Nachmittag, oder samstags Vormittags vor elf, da kostet eine Maschine nur 1,90 statt 2,40. Es ist nie viel los. Die herrschende Gelassenheit zeugt von der Alltäglichkeit dieser Prozedur. Besonderheiten gibt es nicht, Unterschiede der anwesenden Personen sind maximal vom gelesenen Buch abzuleiten, doch selbst die sind marginal. Jeder könnte jeder sein. Ob man nun dasitzt, grübelt, den Blick auf die rotierende Trommel gerichtet, sich unterhält, Lebenserfahrung berichtet bekommt, einer Beschäftigung nachgeht, oder den wirbelnden Kleidungsstücken im Trockner zuschaut. Alle Personen könnten gegeneinander ausgetauscht werden, man würde keine Veränderung feststellen. Was einen sonst auszeichnet, wird vor der Tür gelassen. Hier dreht es sich nur um eines, die Aufrechterhaltung des Grundlegensten, das bei jedem gleich ausschaut. Der modernen Menschen wird unter anderem über sein Auftreten bestimmt. Ein Neandertaler grunzt, wir machen uns chic. Es ist doch stets das gleiche, nur die Ausdrucksform verändert sich, über Jahrtausende hinweg. In ähnlicher Blöße, wie man das blanke Entsetzten sieht, wenn es einen durchfährt, oder man es mit der nackten Angst zu tun hat, offenbart sich dieser Sachverhalt beim Einführen der Münze in den Automat. Es ist schon eigenartig das unsere Zeit solche Orte noch zulässt. Ungeschönt, ohne jeden Versuch der Leugnung, wo doch sonst alles so facettenreich ist.