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04.05.2010

Eine philosophische Frage

Es gibt eine StudiVZ-Gruppe mit dem zweideutigem Namen „Der Himmel muss ein bisschen so sein wie Berlin im Frühling“. Der erste Mai ist ein Tag im Frühling und traditionell ein ereignisreicher Tag für Berlin. In Kreuzberg trifft sich die links autonome Szene und wetteifert im Dreikampf Dinge werfen, Barrikaden anzünden und weg rennen mit der örtlichen Polizei in ihrem Dreikampf Leute festnehmen, Barrikaden löschen und Straßen räumen. Diese kollektive Freiluftveranstaltung gewann dieses Jahr die Polizei. Auch die Rechten wollten das Himmlische am Berliner Frühling erleben. Also sind sie mit ihren eigenen Dreikampf dort: antreten, marschieren und Parolen grölen (und nach Hause fahren).

Dabei hat sich nun folgendes abgespielt: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse lies sich auf ein Schauspiel ein dessen öffentliche Wirkung nun für Empörung sorgt. Er beteiligte sich an den Protesten „Berlin gegen Nazis“ durch Sitzblockade auf der Marschroute der rechten Demo. Unter anderem zusammen mit dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wieland und dem Bezirksbürgermeister von Berlin-Pankow, Matthias Köhne (SPD). So musste er letztendlich von den Beamten weggetragen werden, alles unter den hungrigen Augen der Fernsehkameras.

Was nun tun mit einen politischem Würdenträger der sich einen Akt des zivilen Ungehorsam leistet? Man lässt ihn erstmal zu Wort kommen:
Thierse: „Vielleicht erinnern Sie sich: Es gab einen Aufruf, "Nazis blockieren". Ich betone blockieren. Den haben sehr viele unterschrieben, Parteivorstände, der Parteivorsitzende der SPD in Berlin, Michael Müller, der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Walter Momper, der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, die jüdische Gemeinde, viele andere, ich auch, und dann kann ich doch nicht nur auf andere zeigen, sondern ich war da und in dem Moment, wo ich da war, wollte ich auch zeigen, dass ich diese Demonstration ablehne.“
Ein Argument das auf die persönliche Integrität, die moralisch Integrität, hinausläuft. Seltene Worte aus dem Munde eines Politikers, schauen wir genauer hin.
Thierse: „ ... ich habe gegen Antidemokraten demonstriert, weil ich mich verpflichtet fühlte, ein Zeichen zu setzen. [..] Ich habe als Bundestagsvizepräsident die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten wie alle anderen Bürger auch.“
Hier haben wir das Motiv. Ein Zeichen gegen Antidemokraten setzen als staatsbürgerliche Pflicht. Ein liberales und ehrbares Motiv das der alte Mann aufzeigt.

Gegen so viel politische Überzeugungen formiert sich immer Widerspruch. Welche Vorwürfe werden da erhoben? Die meisten drehen sich um den Punkt Rechtsbruch durch einen politischen Würdenträger und damit die Schändung seines Amtes. Die schrillste kommt diesesmal nicht von den Liberalen, die halten sich merkwürdig zurück, sie kommt von der SPD-Abgeordneten Anja Hertel: "Ich habe ein Problem mit Demokraten, die meinen, sich über das Gesetz stellen zu können." Der Parlamentarische Geschäftsführer Stefan Müller (CSU) ist geschickter, aber dennoch plump. Er bedient sich eines rhetorischem Tricks der als Killerphrase an den ersten vier Worten zu erkennen ist: „Grundsätzlich gilt der Satz: Ein Parlamentarier kämpft mit Worten im Parlament und nicht auf der Straße gegen die Polizei.“ Bundesfamilienministerin Kristina „hat noch nie etwas schlaues gesagt“ Schröder macht sich Kraft ihres Amtes Sorgen um die Jugend: „Herr Thierse sollte sich ernsthaft fragen, wem er mit seiner Sitzblockade geschadet hat – den Neonazis oder unserer demokratischen Rechtsordnung. [Sie frage sich,] wie Jugendlichen Demokratie erklärt werden solle, wenn sich selbst ein Bundestagsvizepräsident über das Grundgesetz hinwegsetze.“
Den Preis für die erste Rücktirttsforderung geht an den Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt. Stellt man das Zeichen einer Sitzblockade gegen rechte Aufmärsche dem Zeichen eines Rücktritts wegen einem Protest gegen Rechtsextremismus gegenüber, frage ich mich ob die Empörung gegen Thierse nicht die philosophische Frage überdeckt der sich jeder politische Würdenträger stellen muss, „Hat ein Bundestagsabgeordneter nicht die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten wie andere auch? (Thierse selbst)“ und muss ein Politiker seine Überzeugungen nicht auch öffentlich leben?

Wenn nun ein Berliner Frühling diese Diskussion belebt dann ist dies wahrlich himmlisch, wie es die StudiVZ-Gruppe postuliert.

Quelle Welt Online
Quelle Focus 1
Quelle Focus 2
Quelle DRadio
Quelle Tagesspiegel

31.03.2010

Medien und Kirche

Der öffentliche Umgang mit Pädophilie in der Kirch erscheint in einem eigenartigem Licht. ändy hat es ja schon einmal angesprochen , aus gegebenem Anlas möchte ich noch ein paar Gedanken hinzufügen.
Die Empörung über Kindesmissbrauch und ihre scheinbare Verschleierung innerhalb der katholichen Kirche ist absolut gerechtfertigt und sollte nicht geringer ausfallen. Allredings mischen sich allzu schnell Ressentiments in die Debatte, so dass es nicht mehr um einzelne Personen geht sondern die ganze Institution Kirche an den Pranger gestellt wird. Phrasen wie "die Spitze des Eisbergs" oder "missbrauchsbegünstigende Strukturen" machen die Runde. Und so werden die skandalösen Geschehnisse allzu oft für billige Stimmungmache gegen die Kirche ausgeschlachtet. Dieser Umstand wird unteranderem dadurch begünstigt dass die katholische Kirche mit ihren partiachischen Strukturen keine vernünftige Stratigie im Umgang mit öffentlichem Druck oder negativer Publicity hat. Der deutsche Skandaljournalismus nimmt dies dankend auf, inszeniert sich als grosser Enthüller in einem Wald des Schweigens den es zu durchdringen gilt und es wird Aufklärung seitens der Kirche verlangt. Hier wird nun leider seitens der Medien vergessen das auch ihre Aufgabe eben Aufklärung ist, Aufklärung der Bevölkerung. Es wird aber als erstes auf die Täter geschaut, leider bleibt in der Zeitung dann kein Platz mehr für die Opfer. Was ist zu tun wenn auch ich Opfer bin? Nur die wenigsten Zeitungen geben den richtigen Rat, bei Verdachtsmomenten zur Polizei zu gehen. Stattdessen sind Haarsträubente Thesen über den Zusammenhang von Zölibat und Pädophilie schnell zur Hand und laden die Debatte mit Emotionen auf. Frei nach dem Motto: Wer freiwillig auf Sex verzichtet, kann doch nicht normal sein. Dafür ist Platz genug auf den Kommentarseiten.

Heute morgen las ich diesen Artikel in der Süddeutschen, über Bischof Mixa und die Anschuldigungen wegen körperlicher Gewalt gegen Kinder. Der ganze Artikel hat einen stark antiklerikalen Einschlag, zeigt aber auch die schwache Öffentlichkeitsarbeit innerhalb des Bistums. Die Reaktionen von Mixa könnte kaum dümmer sein, im Vergleich mit der Reaktion jener Nonnen denen der gleiche Vorwurf gemacht wird. Sie versuchen es mit eine Deeskalation und die Medien danken es ihnen. Als Zeitungsleser werde ich niedwieder etwas von den Nonnen lesen, Mixa wird allerdings noch eine Weile in den Schlagzeilen bleiben, nicht weil er prominenter ist, sondern weil er den Medien Futter gibt um weitere Fragen zu stellen. Sein Pech...

Zum Thema Pädophile Prister möchte ich noch auf dieses Interview hinweisen, bei dem ich gerade den letzten Satz für sehr bemerkenswert halte.

22.02.2010

Vorsicht! Betrug!

Betrug ist vermutlich die simpelste Form von Kriminalität. Den Betrüger als Kriminelen gab es wohl schon immer und es wird ihn wohl immer geben. Eine Masche die mir von betrogenen Studenten berichtet wurde ist das "kostenlose" Zeitschriftenabo.
Eine scheinbar erfolgreiche Betrügerbande macht mit der Zeitschriftenmasche zur Zeit in Baden-Württemberg auf sich aufmerksam. Sie hat jetzt sogar den Weg in die Zeitung geschaft. Ihre Masche läuft so ab:
"Die Leute (die Betrüger) − die sich selbst als Mitarbeiter des Deutschen Video Rings vorstellten − hatten gefragt, ob er helfen würde, Jugendliche zu unterstützen. Man (der Betrogene) bekomme acht Wochen lang ein Zeitschriften-Abo seiner Wahl gratis, und am Ende dieser Zeit solle man eine Karte ausfüllen, ob man mit der Zustellung zufrieden war. Mit Einsenden der Karte sei das Abo automatisch gekündigt. Zweck sei es, die Schüler, die als Austräger arbeiten wollen, zu testen, ob sie die Zeitschriften wirklich zustellen." Quelle
Mit der Unterschrift hat man dann ein 12-Monats-Abo am Hals.

Diese Masche ist doch völlig durchsichtig, weswegen ich euch ihre Schwachpunkte zeigen möchte. Was stimmt an dieser Geschichte nicht?
1. Dass ein Mitarbeiter der Deutschen Video Rings ausgerechnet Zeitschriftenabos verteilt scheint mir etwas abwegig zu sein. Diese Leute interessieren sich meiner Erfahrung nach eher dafür ob man DVDs ausleiht oder ob man kostenlose Videostreamangebote im Internet nutzt usw.
2. Der Arbeitgeber der sich der Arbeitsmoral seiner jugendlichen Zusteller nicht sicher ist, könnte doch einfach einige langjährige Abonenten per Brief anschreiben und sie über Probleme bei der Zustellung befragen. Das wäre billiger und zuverlässiger als irgendwelche Leute auf die Straße zu schicken und sie kostenlose Zeitschriften verteilen zu lassen.
3. Zeitschriften werden für gewöhnlich mit der Post zugestellt und nicht wie behauptet von Schülern verteilt. Schüler verteilen eher Lokalblätter mit amtlichen Bekanntmachungen oder Anzeigenblätter oder Werbeprospekte.

07.02.2010

Andi - dem Bösen auf's Maul

Vor ein paar Wochen bin ich auf ein wirklich putziges Comic gestoßen: Andi - Tage wie dieser. Schaut's euch an, eigentlich erübrigt sich jedweder weiterer Kommentar. Doch eines: Wenn gescheiterte Politikwissenschaftsstudenten mit Buntstift und Fineliner Amok laufen, dann kommt wohl sowas bei raus. Auf freundliche Nachfrage von NRW-Innenminister Ingo Wolf (CDU).


Na gut, so viel sei noch gesagt: Ich habe prinzipiell nichts gegen die zum Zwecke politischer Bildung Minderjähriger vereinfachte Darstellung politischer oder gesellschaftlicher Phänomene, aber hier geht's mir doch deutlich zu weit. Das Ganze ist wieder einmal dermaßen realitätsfern, wer soll damit denn erreicht werden? "Eisenheinrich"... Ich fass es nich.

22.01.2010

Haiti

Vor ein paar Tagen habe ich einen sehr guten Kommentar zum Thema Haiti gelesen, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Er fasst all das zusammen, was mir dazu im Kopf rumschwirrt. Auch möchte ich noch einmal auf den hervorragenden Dokumentarfilm 'Ghosts of Cité Soleil' verweisen.

Eine Naturkatastrophe trifft auf eine Dauerkatastrophe. Ist für mich in etwas so, als wenn auf der Intensivstation für unheilbar Kranke das Licht ausgeht. Und nichts anderes ist Haiti, eine verdammte Katastrophe. Eine nicht endende Geschichte des Leides und der Desillusion, eines jener hervorragenden Beispiele einer gescheiterten postkolonialen Gesellschaft. Die ZDF-Spendengala (eine 'Spendengala', man muss sich dieses Wort einmal auf der Zunge zergehen lassen) mit Gottschalk schafft fast 20 Mio. Euro, hahaha. Wenn's den Wohlstandsmuttis mal wieder im Arsch juckt...

Ich selber muss jedenfalls feststellen, dass mich die Folgen des Erdbebens vollkommen kalt lassen (aus dem Grund jenes fortwährenden Desasters dieses Landes und der alltäglichen Tragödie auch ohne Naturkatastrophe) und mich vielmehr diese mit nichts anderem als scheinheilig zu bezeichnende Aufmerksamkeit und Spendenbereitschaft und Anteilnahme (auch hier in Mexiko) furchtbar ankotzt. Weltschmerz bitte nur nach Erdbeben und zu Weihnachten.

04.01.2010

Soziale Netze: Hohe Gefahr trifft niedriges Niveau

Die etablierten sozialen Netzwerke kotzen mich zunehmend an, sodass ich meinem Unmut hier einmal Luft machen möchte.

Um dem Text etwas Struktur zu geben, habe ich meine 5 Problempunkte mit A-E bezeichnet.

A: Niedriger technischer Nutzen

Betrachten wir Facebook. Die Funktionen dieses Dienstes sind im wesentlichen folgende:

1. Kommunikation über Textnachrichten,
2. Kontaktverwaltung,
3. eigene Webpräsenz.

Zunächst mal stellen wir also fest, dass das Internet nicht um etwas fundamental neues bereichert wurde. Vielleicht ist das Raffinierte die Verpackung: Eine Web2.0-Anwendung die dem Benutzer ein soziales Netzwerk simuliert. Die Personen aus dem Leben werden zu Items eines Internetdienstes. Problem: Die Personen aus dem Leben nehmen dies verschieden wahr, verschieden ernst, sind Menschen und teilweise garnicht vertreten. Wie der Mann mit Bart in Michaus Post gesagt hat, geht der Trend in Richtung Partizipation. Die Benutzer müssen an der Stange gehalten werden, ständig irgendetwas zu tun. Allerdings bleibt dieses Tun meist ohne Resultate, denn sie pflegen keine Freundschaften sondern bedienen einen Dienst, d. h. beschäftigen sich selbst auf abstrakte Art.

Betrachtet man die nüchterne Aufzählung der Funktionen 1.-3. so schlussfolgere ich, dass die Personen, die Facebook nutzen, entweder

a) der beschriebenen Illusion unterliegen, oder
b) unsicher im Umgang mit den viel besseren technologischen Alternativen sind (1. Email, 2. Kontaktverwaltung eines Mailprogramms, 3. eigene Internetseite), oder
c) unsicher mit deren Organisation sind (Alles in einem ist „praktischer“), oder
d) Isolation fürchten.

B: Verdrängung dezentraler Alternativen

Punkt d) ist gefährlich und nicht unplausibel. Dienste wie schüler.cc oder schuelervz für Minderjährige sind inzwischen Standard-Kommunikationsplattformen junger Menschen zwischen 13-16, Facebook macht der Emailtechnologie erhebliche Konkurrenz, auch in meinem Freundeskreis gibt es Leute, die deswegen kaum per Email erreichbar sind.

Nochmal im Klartext: Abgesehen davon, dass soziale Netze (A:) in ihrer reinen Funktionalität also recht rückständig sind, liegt ein Kernproblem darin, dass es keine dezentralen Technologien sind (wie Email) sondern ein Dienst. D. h. das ganze Netz hat einen Betreiber der (B:) die Kommunikation auf gewisse Weise monopolisieren möchte. Wenn ich eine Email verschicke, nutze ich auch einen Dienst (z. B. gmx.de) aber ich zwinge niemanden anderen, diesen auch zu benutzen.

Was mich darüberhinaus sehr beschäftigt, sind die datenschutztechnischen Aspekte im Zusammenhang mit sozialen Netzen.

C: Missbrauch nicht personenbezogener Daten durch profiler

Eben dadurch das das entsprechende Netz das ich benutze ein Dienst ist, laufen alle Aktivitäten über die Anwendung (z. B. die Facebook-Seite). Der Betreiber kann meine Aktivitäten registrieren, das ist generell etwas ganz normales, aber im Falle sozialer Netze sollte man dieses Registrieren aufgrund der Intimität der Aktionen eher als Ausspähen bezeichnen.

Wenn wir das Thema Datenschutz und Überwachung anschneiden, laufen wir Gefahr uns in Phrasen oder Verschwörungsparanoia zu verlieren. Da ich es trotzdem nicht auslassen will, möchte ich auf den angenehm lesbaren Artikel „Wie erklär ich's Omi?“ auf den Seiten 08-13 in diesem Heft der Datenschleuder des CCC verweisen. Besonders wichtig ist mir dabei die Gefahr durch profiling (siehe der Unterabschnitt auf Seite 9), also dass auch das Sammeln von Daten „ohne persönlichen Bezug“ in großen Mengen herangezogen wird, um (nicht nur) wirtschaftlich auswertbare Wahrscheinlichkeitsaussagen zu gewinnen. Solche „anonymen“ Daten der Art „Personen die X tun, tun auch Y.“ ermitteln wirtschaftliche Interessengruppen auf dem Sektor des Kaufverhaltens seit Jahren mit irgendwelchen Bonuskarten-Programmen. Auf der Ebene von Facebook & Co. finden wir aber plötzlich immense Quellen für Statistiken mit viel persönlicheren Inhalten. Die Nutzer stimmen dem Verkauf ihrer „anonymen“ Daten zu, die ja sogar bereits digital sind.

D: Missbrauch öffentlicher personenbezogener Daten

In einer Studie wurde 2009 gezeigt, dass Anbieter, die in sozialen Netzen Werbung schalten, die Daten von den dargestellten Profilen abrufen können, teilweise durch Verfolgungsmechanismen, teilweise durch Programmfehler in den sozialen Netzen und teilweise durch direkte Kooperation. Gegenstand waren 12 populäre Netze (u. a. Facebook, Myspace und Twitter).

Manche erinnern sich vielleicht noch an den "Skandal" um den "Datenklau" bei SchülerVZ der darin mündete, dass ein 20jähriger junger Mann sich in Folge eines ungeklärten Erpressungsvorwurfs ihm gegenüber das Leben nahm. Der Täter hat nichts weiter gemacht, als ein Programm geschrieben, dass die SchülerVZ-Seiten automatisch abruft und Informationen speichert. Er ist also nirgends "eingedrungen", sondern hat nur automatisiert erfasst. Er hat das aufgesammelt, was andere im Netz liegen lassen (D). Wahrscheinlich wäre das nichtmal strafrechtlich verfolgt worden.

E: Genereller Datenmissbrauch

Dass aber (E) auch die verborgenen personenbezogenen Daten nicht sicher sind, zeigt der prinzipielle Vorbehalt: Es gibt keinen sicheren Computer und digitale Daten sind praktisch beliebig reproduzierbar. Daraus folgt, dass es das dümmste ist, massenhaft sensible Daten auf einem einzigen Computer zentral und gut sortiert zu speichern. Trotzdem helfen viele fleißig mit. Was erstmal wie das Totschlagargument der Hacker-Ethik klingt, verliert ganz schnell seinen paranoiden Ruch, wenn man sich die realen Vorkommnisse der Vergangenheit ansieht (Beispiele: 1, 2)

Genug geunkt, jetzt interessiert mich Eure Meinung, Ergänzung, Erfahrung, vor allem aber Kritik.

17.10.2009

Der Codex Alimentarius

Da mir das Thema als sehr wichtig erscheint und ich einiges Ergänzendes erwähnen möchte, auch von mir ein Beitrag.

Aber erstmal danke, Mattes, für den Link und die Thematisierung, da ich selber eine solch drastische Darstellung nicht kannte. Außerdem möchte ich hier Clemens vollkommen recht geben, die ganze Veranstaltung wirkt sehr unkontrolliert, was dem Redner völlig freie Bahn lässt auch ohne Beweise und Fakten aber mit Überzeugung zu argumentieren. Ich will an dieser Stelle nicht Greenpeace schlecht machen, aber auch hier, wie anderswo, gibt es eine Zahl an
Vertretern, die eine sehr glaubwürdige und meinungsfeste
Argumentation anbringen um sich und ihre Aktivität optimal darzustellen. Ist ja auch logisch, aber als Beispiel dafür sehe ich eine Diskussionsrunde bei uns, wo sich Hochschulprofessoren und Greenpeace-Vertreter gegenüber standen. Der mit Argumenten und Fakten darstellende Professor wurde einfach von der Redegewandtheit der Organisation überrannt, ohne dass auf seine Argumente gezielt eingegangen wurde. Das schockierte mich/uns doch stark und ließ die Uni schlechter dastehen als bei einer nüchternen Beurteilung der Fragestellung.
Daher bin ich generell sehr skeptisch gegenüber solch selbstbewusst diskutierenden Personen, die auch ohne fundierte Belege ihre Idee verfolgen. Zumal die Annahme des Arztes, die Pharmaindustrie habe die Grundlage des dritten Reiches gebildet, bei deren Hinterfragung stutzen, wenn nicht sogar schmunzeln lassen sollte…

Der Codex Alimentarius existiert schon etwas länger, nämlich seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts und soll als Beschluss der WHO und FAO (nicht der Pharmaindustrie!!!) den weltweiten gleichwertigen Umgang und Handel mit Konsumgütern wie Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmitteln dienen. Geregelt werden sollen so z.B. bestimmte Reinheitsgebote bei der Herstellung, minimale Keimbelastungen in Lebensmitteln oder Qualitätsstandards bei Vitaminpräparaten. Als Ziel gilt also gleiche Qualität und Unbedenklichkeit der Lebensmittel auf der Welt.
Da hat die Pharmaindustrie primär erstmal weniger Anteil, sieht ihre Chance aber darin, in Länder zu expandieren, wo noch keine Zulassung für ein Präparat erfolgt ist bzw. kann dort Absatz machen, wo der bisherige Standard schlechter und eine höhere Qualität und Reinheit möglich ist. Schwankungen in den einzelnen länderspezifischen Produkten sind typischerweise normal und somit Anhaltspunkt für eine Vereinheitlichung analog den derzeit bestmöglichen Methoden, um bestimmten Gefahren aus dem Weg zu gehen. Darunter zählen auch Lebensmittelvergiftungen mit mikrobieller Toxinbelastung wie etwa das Botulinustoxin, welches das bisher stärkste bekannte Gift darstellt und unter Sauerstoffausschluss (anaerob) z.B. in schlecht kontrollierten Fischkonserven auftauchen kann.

In der Grundidee der Vereinheitlichung und auch in mangelnder Aufklärung existieren diverse Befürchtungen und Kritiken. So wird auch gern behauptet, dass Naturprodukte, die von Natur aus mikrobiell belastet sind, mittels Bestrahlung nahezu keimfrei gemacht werden. Da somit auch Vitamine verloren gehen, kann nun auch die Pharmaindustrie einheitliche Ergänzungsmittel produzieren.
Dazu kann ich nur anbringen, Strahlensterilisation ist in Deutschland und vielen anderen Ländern wegen eventueller gesundheitsschädigender Effekte an Lebens- und Arzneimitteln verboten und darf nur bei Medizinprodukten wie OP-Scheren, Verpackungsmaterialien etc. angewandt werden. Außerdem würden niemals alle Vitamine gleichmäßig und in völligem Umfang eliminiert/ gemindert, was eine Vereinheitlichung nicht gerade fördert.
Der Sinn des Codex könnte hier hingegen z.B. sein, optimale Arbeits- und Herstellungsbedingungen einzuführen um durch saubere und hygienische Lebensmittelverwertung die Keimbelastung des Produkts minimal zu halten.

Ein weiterer Punkt der im Video angesprochen wird, ist die angebliche Verhütung der Bevölkerung vor Selbstheilung und Wissen zur Vorsorge von Erkrankungen durch die Pharmaindustrie. Auch eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung, denn schon das einfache Beispiel der Apothekenumschau beweist das Gegenteil. Generell werden immer alternative Heilvorschläge und Präventivmaßnahmen vorgeschlagen um auch die Rolle der Apotheke als Beratungsstelle heraus zu heben. Sowohl Studium als auch Berufsstand (Apothekerkammer) fordern vom Apotheker, wenn möglich, statt eines (für die Pharmaindustrie) gewinnbringenden Arzneimittelverkaufs die alternative Beratung. Im Studium bekam ich beispielsweise gelehrt, dass einige Arzneimittel (z.B. chemisch synthetische Hustenpräparate) keinen optimal wirksamen Effekt zeigen. Aus diesem Grunde sollen Pharmazeuten dem Patienten raten, die Erkältung mit Vitamin C-haltigen Früchten oder efeu- und thymianhaltigen Tees auszukurieren.



Sicher kann die Pharmaindustrie in einzelnen Punkten Kapital schlagen, aber genau wie bei den Lebensmittelherstellern etc. versuchen alle Unternehmen neue Nischen zu besetzen um ihren Umsatz zu steigern. Gerade deshalb sind auch Organisationen, wie im Arzneimittelbereich etwa die EMEA (European Medicines Agency), wichtig um Schranken zu setzen, wobei als Grundlage der Beurteilung stets Studien und wissenschaftlich erfasste Daten aus der Forschung herangezogen werden.

Meiner Meinung nach, welche auch andere Pharmazeuten mit mir teilen, ist der Codex Alimentarius eine wesentliche Basis für die optimale länderübergreifende Lebensmittelversorgung. Hierbei ist es wichtig den Grundgedanken in die richtige Wege zu leiten. Kritik sollte unterstützend und auf Lücken im System hinweisend in einem gesunden Maß erfolgen, aber eine Idee nicht panisch, faktenarm und falsch verurteilen.

11.10.2009

Do you know CODEX ALIMENTARIUS ?

Hier ein Beitrag des Schweizerischen Fernsehens zu diesem wie ich finde äußerst brisanten Thema:

http://www.alpenparlament.tv/index.php?option=com_content&view=article&id=68:codex-alimentarius-dr-gottfried-lange-im-interview-mit-tomas-eckardt&catid=37:liste-der-videoaufzeichnung&Itemid=57

Leider kann ich euch nur diesen Verweis liefern...

17.01.2009

Bologna reloaded

So einiges haben wir in vergangenen posts schon darüber geschrieben (siehe hier + hier + hier). Vielleicht als Stein des Anstoßes, neuerlich das Thema Hochschulreformen, Bologna-Prozess und Bildungspolitik zu diskutieren, oder einfach nur als gute Nachricht mit bitterem, vielleicht aber eher melancholisch heroischem Beigeschmack, mein Verweis, folgenden Artikel unbedingt zu lesen:

http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E55AD24DD2C5E472A84CA69FCBA13D3ED~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ich enthalte mich auch weiterer Kommentare, wenigstens vorerst, verweise aber abschließend darauf, dass Marius Reiser hier noch einmal sehr gut all die Dinge zusammenfasst, die auch mir zum Thema durch den Kopf schwirren. Die stellenweise Polemik sei ihm zumindest meinerseits verziehen.

04.01.2009

Auf Sachsens Pisten ist die Hölle los

Keine drei Tage ist es her, da verunglückte der thüringische Ministerpräsident und, offiziell nur noch ehemalige, Kreationist und poitisches Trampeltier, Dieter Althaus, dermaßen tragisch auf der Schipiste beim Schifahren, dass dabei eine Frau ihr Leben verlor und er selber scheinbar nur knapp davongekommen ist. Dies passiert in Österreich andauernd, 20mal in der letzten Saison. Nich schön, aber gehört offenbar dazu.

Keine zwei Tage ist es her, da beginnen sich die öffentlichen Medien mit Druckerpatronen auf Zeitungspapier und mit Kamera und Satellit und Co promt einen auf die story runter zu holen, schlimmer, sie hören gar nicht mehr auf mit ihrer Masturbationsorgie und dies treibt wie eh und jeh und immer Auswüchse der wunderlichsten Art. Abgesehen vom privaten Unglück und dem unerträglichen Zustand, dass die Beteiligten von einem unersättlichen Schwarm Dreckmaden ausgesaugt werden bis sie nichts mehr hergeben, ich habe selten hautnah soviel mediale Plumpheit erlebt. Nicht nur, dass 'Bild am So' heut groß und breit und als alleinigen Titelkracher die Geschichte zum hundertsten Mal wiederkäute und mit Fotos nicht geizte, nein, 'Mopo am So' setzte einen drauf und schaffte doch tatsächlich dermaßen wahnwitzig gehirnverbrannt den Umkehrschluss zu den erschreckenden Umstände auf Sachsens Schipisten, natürlich hitverdächtig auf Seite 1 platziert. Ich check's nich. Wie geht das, wie kann man mir das antun, so 'nen Scheiß verkaufen zu müssen. Hilfe, das gibt's doch gar nicht, das lesen Leute, Menschen!!! Sowas vollkommen, also absolut hundertprozentig idiotisches, sinnloses, ne, das hatten bisher selbst diese Schundblätter nicht fertiggebracht. Na gut, ganz bestimmt, aber wenn man die Dinger nich liest... Deshalb umso mehr:

Nein Nein Nein, ich sag Nein. Zu diesen Eiterpickeln menschlicher Entwicklung, zu diesen Brandblasen der öffentlichen Kommunikation. Ich hasse euch, scherrt euch zum Teufel, Bild und Mopo und RTL und Stern und das ganz Pack, lasst die Welt in Frieden.

13.12.2008

Auch ein Verriss

Gestern am späten Nachmittag, es war bereits Dunkel, schlenderten wir im Schneematsch und gemütlicher Feierabendstimmung durch die Neustadt. Jennie brauchte Rohlinge, Micha und ich begleiteten sie in den Rossmann. Geblendet durch das gleißende Licht der gefühlten 1000Watt Neonröhren und betäubt durch den Duft eines BigBand Seifenvarietees, taten wir das was jeder normale Mensch in dieser Situation tun würde, wir hielten Ausschau nach Kitsch als auch Träsch. Findig wurden wir am Ständer für Medien in digitaler Form.
Bevor wir zum eigentlichen Höhepunkt gelangten, stellten wir die Anwesenheit einer 4erCD-Box Captain Cook's fest, was mir Gelegenheit erbrachte eine kleine Anekdote zur Anwesenheit Captain Cook's bei der Silberhochzeit meiner Eltern anzubringen (man siehe hier und hier) und den idealen Einstieg für die weitere Expedition bildete.
Es zog nun eine DVD mit schwarzer Hülle, auf der ein Kaminfeuer abgebildet war, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Zu sehen waren Worte wie 'Lounge' und 'Musik' auf dem Cover, sowie die Namen einiger Interpreten, woraus wir schlossen es handle sich um atmosphärisch akustische Untermalung für einen langen Abend am Kamin. Doch das Format einer DVD machte uns stutzig. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis wir den vollen Sinn dessen in unseren Händen erkannten. Für das Auge wurde im Einklang mit dem Hörerlebnis ein Feuer auf den Bildschirm der Heimkinoanlage gezaubert!
Eine Groteske fast, deren Gipfel man erreicht, erinnert man sich daran, dass die DVD ernsthaft zum verkauf angeboten wurde, der abstruse Gedanke dahinter ernst gemeint ist. Man stelle sich die fröstelnde Gemahlin vor, derer letztes Erlebnis mit der Winterkälte ein Klacken des Schlossen gerade in der Vergangenheit liegt, die die Hände über die Schulter streifend zu ihrem Liebling sagt: "Och Schatz, ist mir kalt. Machst du bitte den Kamin an." Er sagt:"Ja, klar." und drückt auf Play. Wow, boom, klatsch, piechou! Zu der perfekten, evtl. romantisch überzeichneten Situation vor dem realen Kamin verhält sich die DVD wohl etwa wie die Welt zu einem Vergnügungspark, oder der Lachsschwarm in der Barentssee zur in Vakuum verpackten Konserve. Immer und überall bereit, und für jede Schandtat zu haben.

Also haltet die Ohren steif Leute!

29.11.2008

animal war

Kommt bloß nicht auf die Idee, hier was rein zu interpretieren, von wegen 'schwarzer block' oder 'nieder mit den Unterdrückern'... (das Kokodil ist immer da)

24.11.2008

Man, war das angenehm heut früh im verschneiten Dresden zur Uni zu fahrn. Ich mag die frisch zugeschneiten Flächen. Alles so Glatt und schaut nach neu aus was einen Aufbruch impliziert. Ein neuer Tag mit neuen Chancsen. Um so schöner waren hinterm Hörsaalzentrum auf der Rasenfläche die zwei Schneemänner die einen am Morgen begrüßt haben. Der Gedanke ob ihn wohl Kinder am gestrigen Sonntag Nachmittag kurz vorm Dunkelwerden gebaut haben um es sich danach bei heißem Kakao in der warmen Stube und einer Märchenplatte gut gehen zu lassen war angenehm zu führen. Hätte auch nichts dagegen, wären es Studenten gewesen, die sich die erste Stunde des Montags sinnvoll gestaltet haben. Den ganzen Tag hat mich der fallende Schnee vor dem Fenster daran erinnert wie ruhig es draußen ausschaut.
Auf meinem Heimweg in der Dunkelheit war die Wiese mittlerweile übersät mit Schneemännern, die mir im diffusen Licht der Stadt die Gedanken des Morgens in Erinnerung riefen. Einer hatte einen Penis angeklebt, 10 Meter weiter stand gar ein Riesenpenis aus Schnee geformt. Die lies mich kurz innehalten, und ich hätte rein hacken können. Was geht denn hier an Dummheit. Eine derartige Manifestation der Beschränktheit bekommt man selten zu Gesicht. Ich hab ja nichts gegen freizügige Sexualität, noch was gegen andere Eisfiguren als Kugelkompositionen, doch das ist der Gipfel individuellen geistigen Versagens. Wie Gehirnamputiert müssen die Typen sein, die das gebaut haben. Zig mal mehr Feingeist erwarte ich von Vorschulkindern. Und ich hätte es tun sollen. Hingehn, und den Penis mit meinen Winterstiefeln dem Erdboden angleichen. Diese Eingebung kam mir auch recht Flott, es wäre noch nicht zu Spät gewesen, diejenigen wenigen Menschen in der Umgebung die mich dabei gesehen hätten würden mich wahrscheinlich auch noch für cool halten, und dennoch, ich entschied mich dagegen mit der Begründung, die Primaten unter uns haben auch ein Recht auf die Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Damit hab ich's mir zu leicht gemacht, denn als es bereits zu Spät war hab ich mich über meine Entscheidung geärgert. Ich hätte die Welt ein Stückchen besser machen können. Meine Meinung nach hat jeder noch so geistig Zurückgebliebene die Möglichkeit eingeräumt zu bekommen ein Dasein zu fristen, bei dem er mit sich selbst zu Frieden sein kann. Doch diese Forderung muss nicht streng erfüllt werden sobald er den Gemütszustand seiner Mitmenschen auf unangenehme Weise beeinflusst. Genau der negative Einfluss fand bei mir statt, und verdammt, hätte ich das Teil doch einfach nur zusammengetreten, um damit dessen Sympathisanten zu zeigen was für eine niedere Existenz sie führen. Dass es Leute gibt, die über sie entscheiden dürfen. Man muss nicht alles tolerieren, dies sage ich entschieden.

21.11.2008

von Schlägen und Vorwürfen

Der Anfang bei diesen Dingen ist immer das Schwierigste. Sie sind viel zu lächerlich um ernst genommen zu werden und viel zu real um sie zu ignorieren. Aber manchmal muss man die Dinge aus der Hand geben damit sie ein Ende finden.

Es beginnt ganz unverhofft und spontan, niemand hatte es geplant und keiner wollte es so weit kommen lassen. Eine Party, es ist schon spät geworden und der Alkohol beeinflusst das Handeln Einzelner doch schon beträchtlich. Noch ist alles friedlich. Das Bier wird knapp, bis es um die letzte Flasche geht. Erst Vorwurfe, dann Verunglimpfungen und auf einmal geht es ganz schnell: Ein Handgemenge, Schläge und tumultartige Szenen. Alle fangen an zu schreien und niemand weiß worum es geht. Resultat: mehrere gekränkte Egos, eine gebrochene Nase und eine Frontlinie zwischen zwei Unverbesserlichen die sich nicht kennen, aber dennoch meine Freunde sind. Der Stolze will die Sache geklärt wissen, denn es geht um Sieg oder Niederlage und drängt mich nächsten Tag zur Klärung beizutragen. Der Unbedachte sieht sich als Opfer und fordert meine Kameradschaft als Freund. Ich lasse mich aber von keinem erpressen und beziehe keine Position, zumal beide eine Schälte für ihr Verhalten verdienen. Also vermittle ich beide Parteien einander und lasse geschehen was sonst eines Tages mit den Worten „Ist das nicht der Typ von damals,…“ in der Mensa oder sonst wo erneut eskalieren würde. Nur dass ich dann unvorbereitet wäre.
Nun könnte der ein oder andere denken, dass ich als Mittler zwischen den Fronten dafür Sorge trage ein friedliche Lösung zu erreichen. Allerdings haben wir es hier nicht mit einer Sache von Recht und Unrecht oder Wahrheit und Lüge zutun. Es ist eine Sache von Zorn und Groll, Ehre und Stolz, Drohung und Vorwürfen. Und dieses Spiel werde ich nicht mitspielen, denn es kennt nur Verlierer, es ist das Spiel des falschen Heldentums. Vermutlich verläuft sich die Sache eh im Sand und man geht sich in Zukunft aus dem Weg. Keiner von beiden wird zum Held, aber ihre Heldengeschichte werden sie trotzdem erzählen. So sind Männer nun einmal.

13.10.2008

Medialer Sonderfall

Für alle, die kein Fernsehen besitzen, hier die gestrige Undankesrede von Marcel Reich-Ranicki beim deutschen Fernsehpreis 2008 im ZDF.

09.08.2008

medialer Sondermüll

Wenn zwei Stereotypen mit komplimentären Lebenswelten aufeinandertreffen, da ist kein Platz für Realität.
Der alte Drachen Alice Schwarzer triff auf auf den modernen Porno-Hip Hop (in Person von King Orgasmus One), dann entsteht doch zwngläufig ein medialer Pranger. Es wird mit Dreck geworfen und das ganze Repartuar von kritisch-naheliegenden Fragen aussgepackt. Ich finde es wirklich unfassbar dass die weiblich-intellektuelle Überlegenheit sich förmlich in ein Vakuum der Frasendrescherei implodiert und sich nur durch männlich-heruntergekomme Spracharmut nicht gänzlich der Lächerlichkeit Preis gibt. Für eine inhaltliche Diskusion und andere Studiogäste bleibt da natürlich kein Platz.


und Teil2


Ist jetzt altersbedingter Starrsinn oder geistige Beschränktheit schlimmer?

05.07.2008

wer ist hier der freak

Ich oute mich! Jeder Mensch hat seine Laster - und jetzt geb ich es zu: ich stehe auf die Golden Girls! Die Serie kommt jeden Tag zum frühen Abend auf ComedyCentral. Es handelt sich hierbei um eine amerikanische Sitcom aus den 80er Jahren. Die Hauptcharaktere sind vier ältere Damen, die in einer Wohngemeinschaft in einem Haus in Miami / Florida zusammen ihren Lebensabend verbringen. Bei den vier Damen handelt es sich um die männergeile Südstaatlerin Blanche Devereaux (Rue McClanahan), um die gutmütige aber total dumme Witwe Rose Nylund (Betty White) aus Sankt Olaf, Minnesota, das stets sarkastische Mannweib Dorothy Zbornak (Beatrice Arthur) aus Brooklyn und dessen rabiate Mutter Sophia Petrillo (Estelle Getty), eine gebürtige Sizilianerin, die ihre Mitbewohnerinnen stets mit viel Ironie, Zynismus und Lebenserfahrung bedient.

Die Serie eignet sich perfekt zum entspannen und hat aufgrund der irren 80er-Jahre-Outfits und Hairstylings, der Musik, der total überzeichneten Charaktere, der Pappmasché-Kulissen und ner ganzen Handvoll Running Gacks einen enormen Suchtfaktor. Man muss sie einfach nur gern haben und insgeheim wünscht man sich irgendwann einmal ein ebenso skuriles, spannendes und herzliches Rentnerdasein.

Leider gibt youtube in Sachen Golden Girls aufgrund der mangelnden Aktualität und geringer Bildqualität nicht so viel her, deswegen hier nur ein Bild:


... und der Titelsong:



... und dazu die wirklich ernstgemeinte Empfehlung, mal einzuschalten wenn es wieder heißt "thank you for being a friend.."

25.05.2008

DVB-äktschn

Es ist schon etwas länger her, aber einst sollte ich mal von den DresdnerVerkehrsBetriebe'n abgezogen werden, weil ich mich in der Bahn unorthodox verhalten hab. Daraufhin verfasste ich dieses nette schreiben um meinen Kopf aus der schlinge zu ziehen, wobei das schreiben dazu animieren soll weiteren amüsanten Behördenärgerschrifftverkehr zu posten.

Stellungnahme,

bezüglich des mir zur last gelegten Vergehens der Verunreinigung einer Bahn.

Zum Sachverhalt: Am 13.7.06 um 20.13 Uhr fuhr ich mit der Bahnlinie 13 Richtung Prohlis ab der Haltestelle Sachsenalle. Friedfertig setzte ich mich in der fast leeren Bahn in eine vierer Sitzplatzgruppe und stützte mein Bein im angewinkelten Zustand an dem mir gegenüberliegenden Sitzplatz an der Sitzplatzkante ab. Nach der Haltestelle Dürerstraße gab sich mir eine Person als Kontrolleur zu erkennen und verlangte nach dem Hinweis meinen Fuß von der Sitzkante zu nehmen ohne weitere Erläuterung meinen Personalausweis. Ohne weiter darüber nachzudenken weshalb diese Person ohne Begründung nach meinen Personalausweis fragt, händigte ich ihm diesen aus, als Anerkennung seiner Autorität und in dem Glauben, dass es sich um die Feststellung der Gültigkeit meines Fahrscheines handelt. Der Kontrolleur aber wiederum zückte seine Gürteltasche und speicherte meine Personalien im inliegenden Gerät ab. Erst nach Nachfrage erklärte er mir, dass er mir ein Reinigungsentgelt ausstelle. Erst nach wiederum weiterem Nachfragen meinerseits erklärte er mir, dass er sich auf den abgestützten Fuß bezieht.
Die Forderung des Reinigungsentgeltes dies bezüglich prangere ich an, denn ein Reinigungsentgelt setzt nach § 4 Abs. 8 ihrer Beförderungsbedingungen eine Verunreinigung voraus, welche in dem Fall aber nicht vorhanden war. An diesem Abend schien die Sonne und meine Schuhe waren trocken ohne Matsch, Kaugummi oder Hundekot an der Sohle. Ich könnte also maximal etwas Straßenstaub an dem Sitz hinterlassen haben, was für mich objektiv betrachtet keine Verunreinigung darstellt, denn wenn ich mich auf einen Bordstein oder gar eine Sitzbank an der Straßenbahnhaltestelle setzte und danach in die Bahn, befindet sich effektiv die gleiche Menge Staub auf dem Sitz wie beim Abstützen meines Fußes. Des Weiteren war allgemein keine Verunreinigung zu erkennen, in der Form, dass ich eine sichtbare Spur am Sitz hinterlassen habe. Es ist also zu bezweifeln, ob ihr Reinigungspersonal überhaupt erkennt, dass dieser Sitz besonders zu behandeln ist, was das Ausstellen eines Reinigungsentgelts erst begründet. Ich bitte sie deshalb nach betracht dieser Darlegung von dem mir auferlegten Reinigungsentgelt abzusehen, andernfalls bin ich zunächst nicht bereit dieses zu begleichen, bis sie mir den Beweis der Verunreinigung des Sitzes und der gesonderten Reinigung dieses erbracht haben.
Abgesehen von dieser Stellungnahme, möchte ich diesen Brief auch zur Kritik an der Praktik ihrer (ihres) Kontrolleure (-s) nutzen, aber nicht weil ich irgendwelche Rachegelüste hege, sondern im allgemeinen Interesse von uns Fahrgästen. Wie bereits erwähnt, habe ich erst nach mehrmaligem Nachfragen erfahren was mir zur last gelegt wird. Ich wurde zunächst überhaupt nicht darüber aufgeklärt, dass ich ein Vergehen begangen haben soll, und dass mir ein Bußgeld auferlegt wird. Vielmehr hat sich ihr Kontrolleur auf eine, meiner Meinung nach, hinterlistige Art und Weise meinen Ausweis erschlichen und begann dann in meinem Unwissen mir dieses Strafgeld auszustellen. Das er diese Unwissenheit von mir ausgenutzt hat um an meinen Ausweis zu gelangen, zeigt doch wie ungerechtfertigt diese Strafe ist, denn wüsste ich, dass er die Absicht hat mir ein Reinigungsentgelt auszustellen, hätte ich mir dies zunächst begründen lassen bevor ich ihm meinen Ausweis aushändige in Anerkennung dieses Vergehens. Zur Begründung meiner Untat hätte ich dann auch noch die Möglichkeit gehabt mir die Meinung eines unbeteiligten Dritten einzuholen, im Extremfall die Meinung der Polizei. Dieser Möglichkeit wurde ich durch das Vorgehen ihres Kontrolleurs beraubt, auch aus Kalkül ihres Kontrolleurs im Bewusstsein, dass er mir den Beweis der Verunreinigung nicht erbringen kann. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, in der Form, dass man mich eben erst nach Nachfragen meinerseits über das mir zu last gelegte Vergehen informierte und mir gesagt wurde, dass ich mich bei Aberkennung des Reinigungsentgeltes meinerseits an die DVB Zentrale wenden muss da meine Daten bereits abgespeichert seien und es zu diesem Zeitpunkt zu Spät sei um dies zu ändern. Mir wurde also überhaupt keine Möglichkeit gegeben mich dies bezüglich äußern zu können und meine Unschuld belegen zu können, obwohl sie mir ja eigentlich meine Schuld nachweisen sollten. Meine Gutmütigkeit und Kooperation wurde hier schamlos ausgenutzt. Meine einzige Möglichkeit angemessen reagieren zu können hätte darin bestanden zunächst einmal nachzufragen, weshalb dieser Kontrolleur meinen Personalausweis verlangt, wobei ich wiederum gegen ihre Beförderungsbedingungen nach $ 4, Abs. 1 „Anweisungen des Betriebspersonals ist zu folgen“ verstoßen hätte, wenn ich ihm meinen Ausweis verweigert hätte. Dennoch werde ich in Zukunft ihren Kontrolleuren kritischer gegenüber treten, wobei sie sich nicht Beschweren sollten wenn ich dadurch die Arbeit dieser Behindere, da ich sonst fürchten muss jeglicher mir zustehender Rechte beraubt zu werden, denn „Bevor ein Verwaltungsakt erlassen wird, der in Rechte eines Beteiligten eingreift, ist diesem Gelegenheit zu geben, sich zu den für die Entscheidung erheblichen Tatsachen zu äußern“, nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz § 28 Abs. 1. Diese Gelegenheit wurde mir nicht gegeben.
Meine Kritik richtet sich nicht nur auf die Einschränkung meiner Freiheit durch die ungerechtfertigte Einschränkung meiner Rechte, sondern auch gegen die Willkür die der Kontrolleur ihrer Gesellschaft an den Tag gelegt hat, denn abschließend bemerkte er noch: „Du hast doch gesehen, dass ich hier Sitze, weshalb hast du dann noch den Fuß an den Sitz gestützt?“, nachdem ich ihn danach gefragt habe worin er die Schwere der Tat sehe um mir gleich ein Reinigungsentgelt aufzuerlegen, wobei ich mich für den Wortlaut der Aussage nicht verbürgen kann, für den Inhalt aber schon. Mal davon abgesehen, dass es der Absicht eines Kontrolleurs widerspricht unmittelbar nach Einsteigen des Fahrgastes durch ihn erkannt zu werden, denn worin würde sonst der Sinn liegen eine umfangreiche Maskerade durch den Kontrolleur zu betreiben, als dass er nicht erkannt werden möchte um den Überraschungsmoment des Schwarzfahrers ausnutzen zu können, hat die Begründung ihres Kontrolleurs doch nichts mit der mir unterstellten Verunreinigung zu tun. Hingegen scheint es mir doch so, dass diese Person das Aufstützen meines Fußes als persönlichen Angriff seiner Persönlichkeit durch Provokation deutete, und durch Missbrauch seiner Macht sein Ego stärken wollte. Er hat diese mögliche Verunreinigung durch mich also nicht objektiv beurteilt, sondern handelte aus persönlicher Motivation, um mir zu zeigen, dass er das Sagen hat, als Vergeltungsmaßnahme der durch ihn fehlgedeuteten Provokation. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies ihrer Firmenphilosophie entspricht, wenn ein Kontrolleur aus dem Antrieb des Aufpolierens seines Selbstbewusstseins seiner Arbeit nachgeht. Vielmehr glaube ich, besteht die Aufgabe eines Kontrolleurs doch darin, den ungestörten Fahrbetrieb der Bahnen zu gewährleisten, wobei ihr Kontrolleur in meinem Fall scheinbar absolut nicht aus diesem Bewegrund heraus gehandelt hat. Ich glaube auch nicht, dass ihrer Firmenphilosophie entspricht, wenn dem Fahrgast ungerechtfertigt Bußgelder ausgestellt werden, da durch Bearbeitung dieser doch nur weitere Kosten entstehen, was den Fahrpreis in die Höhe treibt, und dem zu unrecht Bestraften nur Unannehmlichkeiten entstehen, wodurch ihr Betrieb einen Imageverlust erleidet. Deshalb bitte ich sie diese Punkte in Zukunft bei der Ausübung der Tätigkeit ihrer Kontrolleure zu berücksichtigen.

Hochachtungsvoll,

Äendú.

Antwort:

Prüfung von Reinigungsentgeld

Sehr geehrter Herr Mirtschink,

vielen Dank für Ihr ausführliches Schreiben. Darin schildern Sie uns ihre Verärgerung über eine im Auftrag unseres Unternehmens durchgeführte Fahrausweisprüfung. Im Folgenden unsere Erläuterungen:

Bei der durchgeführten Prüfung stellte der Fahrausweisprüfer fest, dass Sie einen Fuß auf dem Polstersitz platziert hatten. Da im Sinne der Beförderungsbedingungen der VVO bei Verunreinigungen von Fahrzeugen ein pauschalisiertes Reinigungsentgeld von 25,00€ erhoben wird, übergab ihnen der Mitarbeiter den Forderungsbeleg.

Bitte haben Sie Verständniss, dass wir im Interesse aller Fahrgäste diese Beförderungsbedingungen durchsetzten. Ihnen würde es sicher auch nicht gefallen, wenn Sie in unseren Verkehrsmitteln beschmutzte Sitze vorfinden würden. Es müsste doch möglich sein, die Füße auf dem Boden des Verkehrsmittels zu belassen.

Allerdings erwarten Sie zurecht freundliche und umfassende Informationen der Prüfpersonale. Aus Ihrer Schilderung geht hervor, dass der Fahrausweisprüfer Sie nicht angemessen informierte und Sie sich von ihm überrumpelt fühlten. Vielen Dank, dass Sie uns darüber informiert haben. Wir sind sehr daran interessiert, dass auch in unseren Serviceeinrichtungen der Anspruch nach einem kundenorientierten Service, den wir uns als modernes Dienstleistungsunternehmen stellen, umgesetzt wird.

Ihr Schreiben haben wir zur Auswertung und Kenntnisnahme an die Dienstleistungsfirma, welche in unserem Auftrag Kontrollen durchführt, weitergeleitet.

Wir setzten Sie davon in Kenntnis, dass als Einzelfallentscheid in diesem Fall kein Reinigungsentgeld erhoben wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dresdner Verkehrsbetriebe AG




Jieaaaaacha!!!

Und noch a'Schmankerl mit dem pädagogisch sehr wertvollem drittem "Lieber Video" der Erziehungsaktion "Lieber in Bahn und Bus". Sowas von vertrottelt. Für gehaltvolle Recherchen empfiehlt sich das DVB-Magazin , wobei der Comic der Ausgabe das absolute Highlight ist.