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10.09.2009

My Dinner With Andre

Andre Gregory & Wallace Shawn sind zwei befreundete Theaterschaffende aus New York, die Anfang der 1980er etwas sehr cooles gemacht haben. Sie schrieben einen Film, der davon Handelt wie die beiden in einem Restaurant ein philosophisches Zwiegespräch führen. Natürlich spielen sie sich in dem Film selbst.

Wie man sich also denken kann ist My Dinner With Andre (1981) sehr simpel und auch philosophisch. Aber es ist mehr. Der Film ist gut durchdacht und inszeniert das Erlebnis eines realen Gesprächs. Die immergleiche Umgebung des Restaurants wird niemals verlassen und schafft eine statische Basis auf derer man sich ganz den Schilderungen und Gedanken der beiden Freunde hingeben kann. Da der Film nicht auf deutsch veröffentlicht wurde, ist er hier weniger bekannt, wärend er im englischsprachigen Raum schon als eine Art Kuriosum der Filmgeschichte gilt.

Für mich war der Film ein überwältigendes Erlebnis. Er hinterließ das wohlige chaotische Gefühl eines zu sortierenden Gedankenhaufens das ich auch nach realen Gesprächen mit Freunden habe.


14.08.2009

Schlöndorffs "Tod eines Handlungsreisenden"

1949 erhält Arthur Miller den Pulitzer Preis für Theater, und das gerade mal mit 33 Jahren. Das Theaterstück, welches ihm diesen Ruhm bescherte ist das gesellschaftskritische Drama "Death of a Salesman" (Tod eines Handlungsreisenden). Im Jahre 1985 inszeniert der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff eine gleichnamige Fernsehverfilmung des Buchs, die in den Hauptrollen mit Dustin Hoffman und John Malkovich besetzt ist. Das Werk ist bewusst theateresk gehalten und hat daher eine gewisse Starre und Kälte, was einen angenehm sachlichen Rahmen schafft. Der Film handelt von einem alten, noch berufstätigen Mann, den seine Erfolgswünsche gemäß des american way of life schwach, müde und unglücklich machen.

Und wenngleich etwas überstrapaziert, ist der Begriff "Gesellschaftskritik" hier sehr angebracht. Gesellschaftskritik, Gesellschaftskritik und zwar nach alter Manier. Ein Must-Have-Item für die Gesellschaftskritik-Freaks unter uns. Das macht den ansonsten sehr unauffälligen Film sehenswert. Das und die muffig-coole Ollness, die in der folgenden Kostprobe hoffentlich rüberkommt.
(nicht erschrecken, manchmal schaltet YahooVideo Werbung ein.)

17.07.2009

YES

YES ist ein Drama über eine Akademikerin, die aus ihrer erstarrten Ehe
flüchtet und einen Koch mit muslimischen Wurzeln und die Liebe die
zwischen ihnen entsteht. Die Ost-West-Konflikte sind manchmal etwas
plump aufgesetzt, aber der unpolitische Blick auf den Film offenbart
tiefere Inhalte. Das wird dadurch betont, dass die Dialoge fast komplett
in Reimen gesprochen werden. YES ist eine schön inszenierte Hommage an die Existenz.

09.06.2009

HOME



Haben Clemens und ich am Samstag geschaut und für schauenswert befunden, ausgesprochen sogar. Hier gibt's dann auch den ganzen Film zu sehen, völlig kostenlos und in super Qualität.

Die Bilder, die Bilder... Da staunten wir nich schlecht. Vor allem am Anfang dachten wir an Computertricks und fiese Bildmanipulationen, aber Pusteblume, damit hat Yann Arthus-Bertrand eher nichts am Hut. Exquisite Technik und n toller Hubschrauber haben offensichtlich ausgereicht, unsere runtergeklappten Unterkiefer unten zu lassen. Das Ende überzeugt ebenfalls, denn dem teilweise naiven Herumgehampel mit Öko- und Klima- und Katastrophen- Facts geschuldeten Grundpessimismus-Weltuntergangssound wird ein wahres Vorwärts-Outro, eine frohlockende Ode an die Möglichkeiten, die uns bleiben, zu retten was zu retten ist, angefügt.

"It's too late to be a pessimist"

26.05.2009

Snow Cake

Wow, ein wunderbarer Film!

Ein einsamer und vom Leben mitgenommener alter Mann nimmt auf dem Weg zu seinem unbekannten Ziel eine junge Frau mit. Das Auto kollidiert mit einem Truck, das Mädchen stirbt. Er macht sich auf den Weg zu ihrer autistischen Mutter und bleibt schließlich bis Dienstag, dem Tag, an dem der Müll runtergebracht werden muss.

Neben den grandiosen Bildern, den skurillen Ereignissen und der melancholischen, aber keinesfalls depressiven Atmosphäre, kann die schauspielerische Leistung nur als fantastisch beschrieben werden.



Ein mit Nachdruck zu empfehlendes Filmkunstwerk!

05.05.2009

La maison en petits cubes

23.02.2009

Ghosts of Cité Soleil

Ghosts of Cité Soleil ist ein dermaßen verstörender Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004, dass mir beim Anschauen körperlich schlecht geworden ist. Er spielt in Haiti und wirft anhand der Portraits zweier Brüder einen schauerlichen Blick auf das Leben in Port-au-Prince' ärmsten Elendsviertel, dem Slum Cité Soleil, die Sonnenstadt. Ein aufklärerischer Film, der unglaublich differenziert und ohne einen konkreten Standpunkt zu vertreten, ohne eine klare politische Botschaft zu vermitteln, schlichtweg das tut, was man unter "hinschauen und versuchen zu verstehen" von einem guten Dokumentarfilm erwartet.



Hier gibt's noch eine weiterführendere Kritik zum Film und hier einen sehr guten Artikel zu den politischen Rahmenbedingungen Haitis im betreffenden Zeitraum.

23.10.2008

99 francs

Kürzlich habe ich im Kino einen Film gesehen, den ich hier mal kurz vorstellen möchte.



39,90 bietet sowohl inhaltlich als auch filmisch eine Vielzahl von Eckpunkten, die zu einer Kontoverse auch zwischen mir und mir über seinen Sinn und Unsinn geführt haben.

Zunächst mal, der Film ist wohl am besten mit den Attributen chaotisch, bösartig, lustig, tragisch, durchgeknallt, wild, laut, intellektuell, launisch und konfus zu beschreiben. Er ist die Adaption des gleichnamigen Buches von Frédéric Beigbeder und soll sich wohl inhaltlich mit wenigen Ausnahmen an selbiges halten. Es geht also um den Webedesigner Octave Parango und seine fertigen Freunde, um die teuflische Werbbranche, um Drogenexzesse und um Liebe. Gezeigt wird Octaves Weg vom skrupellosen, genialen Arschloch der Werbeindustrie hin zum kaputten Junkee der allen eins auf die Fresse geben will. Was der Film aber nicht ganz schafft oder schaffen will: Besonders die einzelnen Bereiche in Octaves Leben sind zu sehr von einander getrennt (Liebe, geistiger Werdegang, Perspektiven auf die Werbung), als dass sie nahtlos ineinanderübergehen würden und ein stimmiges Gesamtbild ergäben. Die politischen Aussagen können zwar als durchaus gelungen und glaubhaft gelten, für manch einen werden diese eher klischeehaft und kitschig rüberkommen.

Ansonsten muss ich sagen, die rasante Atmosphäre lässt einen sich tief in den Film hineinlegen und durchaus authentische Darsteller machen Spaß. Allerdings wirkt alles wie gesagt ein bisschen unfertig und man könnte meinen, Jan Kounen braucht noch ein, zwei Filme. Lässt man sich aber auf 39,90 ein, macht er nen Haufen Spaß und berührt und verstört. Ein dreckiger Film eben. Mich hat nichmal das nervige Technogeduddel gestört, oder besser, es setzt genau dann gekonnt ein, wenn man sowieso abgetörnt is. Und das schafft der Film fast durchgehend und das verdient ein Lob.

07.10.2008

gestern abend besuchte ich wieder einmal das kino. neben dem genuss des films "berlin calling", der mich mit guten bildern und atmosphärischer musik überzeugte, und den ich für einen angenehmen filmabend nur empfehlen möchte, überraschte mich der trailer für den film "walz with bashir" (http://waltz-with-bashir.pandorafilm.de). dieser film läuft am 6. november an und ich habe ihn, nachdem ich heute ein wenig zum thema gestöbert habe, auf meine persönliche "diesen film möchte ich sehen"-liste gesetzt.
wenn bei dem ein oder anderen jetzt ebenso das interesse am film und seiner thematik geweckt wird, würd ich mich freuen.

03.07.2008

Schmetterling und Taucherglocke

Gestern sah ich im Kino einen Film, der mich, wie seit langer Zeit nicht mehr erlebt, unglaublich begeistern konnte. "Schmetterling und Taucherglocke" ist ein französischer Film des amerikanischen Malers und Regisseurs Julian Schnabel, in dem die (wahre) Geschichte des Journalisten Jean-Domique Bauby erzählt wird. Dieser erleidet im Alter von 43 Jahren einen Schlaganfall und kann fortan nur noch ein Auge bewegen, ist aber geistig vollkommen wach und aufnahmefähig. Mittels einer wahnwitzig langwierigen Methode (Alphabet aufzählen, einmal Blinzeln für Ja, zweimal für Nein) wird es ihm aber möglich, mit der "Außenwelt" zu kommunizieren. Aus dieser Situation heraus schreibt Bauby das Buch "Der Taucheranzug und der Schmetterling", welches gleichzeitig die Basis des Films darstellt.
Besonders bemerkenswert ist die fast schon aufdringlich emotionale Nähe, die der Film zum Zuschauer aufbaut, genauso wie schlichtweg herausragende Szenen und Bilder. In seiner Gesamtheit erarbeitet sich "Schmetterling und Taucherglocke" schließlich eine dermaßen positive und lebensbejahende Perspektive (ohne in irgend einer Weise politische/ethische Antworten zu geben), dass die Rührung am Ende eher Freudentränen als Verzweiflung bedeutet.


Wunderschön sind auch Intro und Abspann des Films. Im Letzteren singt Tom Waits zu im Rückwärtsgang gezeigten Aufnahmen von Gletscherabbrüchen in der Arktis, einen passenderen Ausklang habe ich selten erlebt.

Für mich persönlich auch ein Film mit emotionaler Vorbeladenheit, weil ich während meines Zivis einige Male mit einem zu dieser Zeit schon seit 13 Jahren bis auf die Augen durch einen Schlaganfall vollständig gelähmten Mann in Berührung kam. Auch dieser war geistig vollkommen fit, hatte vor dem Unfall Familie mit Kindern und weilt nun im Reich des Alleinseins nur mit dem eigenen Geist und den diesen durchflutenden Gedanken.

Verweisen möchte ich noch auf zwei tiefer gehende Kritiken (hier + hier) und schließe mit der Empfehlung, sich "Schmetterling und Taucherglocke" auf gar keinen Fall entgehen zu lassen.

06.04.2008

Studio Ghibli

Nachdem ich am Donnerstag mit dem Michau einmal mehr in den Genuss eines Anime-Filmes aus dem Hause Ghibli kommen durfte, hier ein kleines Special.


Das japanische Studio um den Zeichner und Regisseur Hayao Miyazaki wurde 1985 gegründet. Neben Hayao Miyazaki sind heute vor allem Isao Takahata (Mibegründer von Serien wie "Heidi") und Miyazakis Sohn Gorō Miyazaki verantwortlich für den großen Erfolg. So sprengen die Ghibli-Filme regelmäßig japanische Kinokassen und sind auch in Europa überdurchschnittlich erfolgreich. Besonders bewerkenswert ist der stets fantasievolle, an "Heidi"-filme erinnernde, farbenfrohe Stil, es wird weitgehend auf Computeranimationen verzichtet und im Gegensatz zu Disney oder anderen Trickfilmstudios besonders inhaltlich vollkommen Besseres geboten. Die Geschichten bestechen durch unglaubliche Tiefe, sind wohl für Kinder genauso interessant und sehenswert wie für Erwachsene und ihr Anspruch fängt beim Staunen erst an. In fast jedem Film findet sich ein Verweis (bzw. dreht sich die gesamte Geschichte darum) auf den Zusammenhang und die eindeutig und bewusste Vermengung von Gut und Böse, Natur und Mensch, Fantasie und Wirklichkeit. Alles in allem ist es vor allem das zutiefst lebensbejahende Element der Filme, welches fasziniert und in Verbindung mit dem kindlichen Gemüt und der japanischen Perspektive ein Eintauchen und Abgleiten in wahre Wunderwelten ermöglicht.



Eine Auswahl:



Chihiros Reise ins Zauberland (2001):
Mein erster Film des Studios, gleichzeitig derjenige, der mich am nachhaltigsten fesselte und den ich nach wie vor zu einem der besten je von mir gesehenen Filme zähle. Es geht um ein kleines Mädchen, welches von ihren Eltern getrennt sich in einer spektakulär inszenierten Wunderwelt wiederfindet, mit Zauberei und Fabelwesen und Drachen und Hexen und verrückten Kreaturen und 'ner ganzen Menge mehr. Chihiro lernt bei ihrer nicht ganz freiwilligen Arbeit im Wellnesscenter der Hexe Yubada so einiges über eben diese Welt und macht sich anschließend auf den Weg, ihren Freund, den Drachen Haku und außerdem ihre in Schweine verwandelten Eltern zu befreien.
Ein Film voller schöner Bilder und Charaktere, die allen gängigen Klischees eins mit der Pfanne geben und durch Echtheit überzeugen. Absolut sehenswert.



Die letzten Glühwürmchen (1988):
Sicherlich einer der traurigsten Filme dieser Welt. Es geht um den Krieg und nicht weniger. Transportiert wird aber vor allem Liebe und Trauer um das Leben, mit Hass hat Miyazaki sowieso wenig am Hut. Beeindruckt war ich besonders von der großen Offenheit der Bilder, die kein Brett vor dem Kopf wollen. Hinschauen also unbedingt.


Prinzessi Mononoke (1997):
Prinzessin Mononoke behandelt wie kein zweiter Film des Studios den Dualismus von Natur und Technik und geht besonders einfühlsam auf das Streben der Menschen nach Mehr und die durch denselben vergewaltigte Natur (der Wald) ein. Dabei vermeidet der Film klare Positionierungen, die einzige ist ganz im ostasiatischen Wertekontext zu sehen und beschreibt den Zusammenhang von allem. So haben auch der Wald und seine Bewohner ihre schlechten Seiten, während auch jeder noch so dreiste Bösewicht geliebt werden kann. Ein wunderbarer Ökofilm ohne wirklich Öko sein zu müssen.

Das wandelnde Schloss (2004):
Die Geschichte dieses Films dreht sich um eine arme Hutmacherin und einen mystischen Prinzen und ein laufendes Schloss und überhaupt um 'ne ganze Menge Magie und Zauberei. Haupthandlungsstrang ist der Weg der durch einen Fluch um viele Jahre gealterten Hutmacherin ihr Leben zurück zu erlangen, nebenbei erfährt man einiges über den Krieg und die putzigen Nebenfiguren wie die hüpfende Vogelscheuche oder das verhexte Feuer machen den Film unglaublich lebendig (hier gibt's 'ne lesenswerte Kritik).


Mein Nachbar Totoro (1988):
Ein schon fast wahnwitzig putziger Film. Einfach alles, von der ersten bis zur letzten Minute, ist niedlich und vereinnahmt durch Unverbrauchtheit, Charme und Liebe. Ohne Vergleich ist für mich die Darstellung der gezeichneten Freudenemotionen, schon der Anblick des Grinsens vom dicken Totoro oder der Hauptfigur lässt viel Freude in Herz des geneigten Zuschauers. Balsam für die Seele und Humor mal ohne Ironie.


Die Chroniken von Erdsee (2006):
Ein etwas anderer Ghiblifilm. Hier spielt die Handlung vollständig in einer Fantasywelt, die Charaktere sind etwas schärfer getrennt, ein wenig kommt der Eindruck auf, sich in einer moralisch in Gut und Böse (wörtlich) geteilten Welt zu befinden, bis am Ende alles in einem actiongeladenen Endkampf mutiert und mittels ultrakitschigem Ende wieder alle Befürchtungen zerstreut werden. Mehr Fantasy und mehr Handlung, aber keinesfalls weniger sehenswert, einzig das unschuldige Element der anderen Filme fehlt ein bisschen.

Soviel nun ersteinmal zu einem für mich absolut zu empfehlenden Studio, um es mit den Worten Totoros zu sagen:

10.03.2008

Ingmar Bergman

hallo allerseits
ich freu mich hier im blog was schreiben zu können :)


ich möchte mit meinem post an einen, für mich sehr bedeutenden regisseur erinnern, von dem ihr sicher schon alle gehört habt. ingmar bergman ist bekanntlich letztes jahr im juli verstorben (wobei ich es schon ein bisschen unheimlich fand, dass er genau am gleichen tag starb wie michelangelo antonioni, der nicht minder beeindruckende filme gemacht hat...man denke nur an "blow up" und "beruf: reporter").
selten können filme so mitreißen, wie die es von bergman tun. Trotz ihrer cineastischen größe bedient sich berman scheinbar spartanischer kulissen. dank dem kameraman sven nykvist sind seine schwarz-weiß filme zu waren kunstfilmen avanciert. ich denke dabei beispielsweise an "persona" (was ursprünglich eine von Schauspielern verwendete Maske bezeichnet) in dem der schwarz-weiß kontrast eher an das medium fotografie als an film erinnert, ähnlich auch bei "das siebte siegel".


ich erzähl euch da sicher nichts neues aber vor kurzem habe ich "herbstsonate" gesehen und dieser film hat mich so ergriffen, dass ich ihn nur ausdrücklich empfehlen kann. die story ist einfach, eine gefeierte konzertpianistin, die sich ihr halbes leben auf tourneen befunden hat, besucht nach sieben jahren trennung ihrer tochter auf dem land. die tochter(eva) gespielt von liv ullman und die mutter von ingmar bergman gespielt. zu beginn des film bekommt man eine regelrechte wut auf eva, die ihrer weltbewanderten mutter treudumm an den lippen hängt und sich wie ein kleines schulmädchen für ihr bescheidenes dasein zu rechtfertigen scheint. aber schon als sie sich beide an den flügel setzten um von chopin die Prelude Nr. 2a zu interpretierne (so ein wunderbar trauriges stück), bekommt ihr blick eine tiefe, der von viel mehr spricht, als nur bedingungsloser liebe zu ihrer mutter.

im laufe der folgenden gespräche wird sie ihrer mutter vieles unverzeihliche aus ihrer kindheit vorwerfen...die handlung spitzt sich zu einem waren psychodrama zu... da bleibt kein auge trocken, denn was liv ullman in diesen szenen an schauspielerischer leistung zeigt, das war noch nie dagewesen... noch nie habe ich jemanden so leiden sehen und dabei so mitgefühlt. dieser film ist ein tritt in den magen, obwohl er so unprätentiös daher kommt aber er spendet auch trost. denn wir (ich kann es jedenfalls nur hoffen) werden dieses leid (das leid jener, denen das geliebt werden versagt wurde), wie es eva verkörpert, niemals so zerstörerisch empfinden.
das ist ein film der mir noch lange im gedächtniss bleiben wird und den ich nur wärmstens empfehlen kann. übrigens liv ullman spielt auch in vielen anderen bergman-filmen mit, wer also feuer gefangen hat, der sollte auf keinen fall "passion" oder "persona" verpassen (schon alleine wegen Bibi Andersson, einer ebenfalls großartigen schauspielerin). mein erster bergman film war "wilde erdbeeren"- der titel ist leider viel zu süßlich für den inhalt. bergman schafft auch hier ein charakterporträt das uns den spiegel vorhält. nur selten fühlt man sich so verstanden. somit lassen uns seine filme nicht alleine, obwohl sie ausführlich von einsamen menschen erzählen.


eva in herbstsonate:
"Der Mensch muss lernen zu leben. Ich übe es jeden Tag. Das Schlimmste Hinderniss dabei ist, dass ich nicht weiß wer ich bin, ich tappe im Dunkeln. Wenn mich einer liebte wie ich wirklich bin, hätte ich vielleicht endlich den Mut mich selbst anzuschauen".




03.02.2008

Persepolis

Kürzlich sah ich im Kino den Film "Persepolis". Sicherlich hat der ein oder andere schon von ihm gehört. Er handelt vom Erwachsenwerden eines iranischen Mädchens und wird dabei umrahmt von der jüngeren iranischen Geschichte, als da wären Revolution, Bürgerkrieg, Diktatur, Krieg mit dem Irak und Gottesstaat.


Die Handlung schwankt stets zwischen tief traurig und lustig und "einfach nur schön", besonders bemerkenswert ist sicherlich der wunderbare Stil der Zeichnungen/Animationen. Inhaltlich stellt sich Persepolis keinesfalls als Kindermärchen dar, sondern behandelt, wenn auch stark vereinfacht, so doch knallhart und ohne Rücksicht auf Tränen beim Zuschauer das Leben im Iran. Die Perspektive mögen manche als zu prowestlich bezeichnen, was ich aber für Unsinn halte, denn an nicht wenigen Stellen erlebt die Hauptfigur im österreichischen Exil die bittren Kehrseiten unserer Gesellschaft.


Das der Film im Iran und anderen totalitären/autoritären und/oder muslimischen Staaten gezeigt wird, ist jedenfalls kaum zu hoffen. Umso mehr möchte ich diesen Film allen ans Herz legen und ihn hiermit wärmstens empfehlen.

30.10.2007

Brazil



Gestern abend sah ich mit dem Michau zur Feier des Tages zum bereits zweiten Mal den Film "Brazil" von Terry Gilliam. Warum sich jetzt auch noch die Mühe einer Rezensoin machen, wenn es hier bereits eine hervorragende Kritik zu lesen gibt. Es sei nur soviel verraten: Der Film ist außerordentlich sehenswert, besticht sowohl inhaltlich als auch durch schauspielerische Leistungen und das beste sind wohl die unglaublich fantasievoll abgedrehten Filmkulissen. Ein Film zum Lachen und Erschauern und ganz viel Genießen.

19.09.2007

Auf Anfang



"Auf Anfang" ist der Débutfilm des norwegischen Regisseurs Joachim Trier. Darin wird die Geschichte zweier Jungschriftsteller (Phillip und Erik) erzählt, die mit dem heraufbeschwörenden gemeinsamen Einwurf ihrer Débutmanuskripte in den Briefkasten beginnt. Phillip wird zum Literaturstar, dreht durch und verbringt 7 Monate in der Psychatrie. Es heißt er sei verrückt geworden, weil er seine Freundin Kari so sehr liebe. Erik hingegen bekommt das Manuskript zurückgeschickt, erarbeitet sich allerdings mit der Zeit kleine Erfolge wofür er sich scheinbar auch etwas verbiegt. Phillip trifft sich wieder mit Kari, was Ärzte und Freunde nicht verhindern können. Sie wollen sich neu verlieben, wiederholen ihre Reise nach Paris aus den Anfangszeiten ihrer Beziehung, es ist nicht mehr das gleiche. Er will wieder schreiben, aber bekommt nichts besonderes hin.

Von der Briefkastenszene aus startet eine wilde Erzählstruktur, die frei durch die Zeiten springt, allerdings nicht auf Kosten der Nachvollziehbarkeit und ohne absurd zu werden. Die Variationen des Tempos sind mit thematischen Zwischenaufenthalten versehen, die dem Zuschauer primär unwichtige Anekdoten über Randfiguren erzählen und somit stückweise in den nicht uncoolen Mittelklasse-Punk-Freundeskreis und seine Eigenheiten einführen. Der nichtlineare Zeitfluss ermöglicht die vergleichende Gegenüberstellungen von vergangenen und momentanen Szenen, wie sie wohl in den Köpfen der Beteiligten stattfindet, was man manchmal erst daran merkt, dass jemand spricht, ohne seinen Mund zu bewegen.



Die Geschichte zeigt Zusammenhänge zwischen kompromisslosem Schaffenstrieb und Ernüchterung, Erinnerung und Sehnsucht, Liebe und Wahnsinn im Rahmen eines authentischen subkulturellen Freundeskreis in einem Stil, der weder kitschig und berechenbar noch unlogisch oder chaotisch ist. Allerdings auch mit einem Ende, dass manchem unzureichend scheinen wird, aber ganz im Sinne des Filmes ist, da er keinen primären Spannungsbogen hat, um ihn "elegant" abzuschließen.

Bemerkung:
Philipps Krankheit brach aus, als er beim Betrachten eines Kunstwerks halluzinazionsbegleitende Persönlichkeitsveränderungen durchlebte. Das bezeichnen Psychologen als Stendahl-Syndrom. Stendahl war der erste Patient und Schriftsteller, der sein Verrücktwerden in einem Tagebuch festhielt. Im Film wird es allerdings Sten-Egil-Dahl-Syndrom genannt, nach dem zurückgezogenen Underground-Schriftsteller Sten Egil Dahl, der seit dem 12. Lebensjahr das Vorbild der beiden Hauptfiguren ist.

31.07.2007

Hotel Ruanda

Ich habe gerade den Film "Hotel Ruanda" gesehen und bin noch tief bewegt. Mein erster Eindruck ist blankes Entsetzen und tiefe Traurigkeit. Ich denke der Film ist sehr authentisch, sofern das ein Film, in dem es um den Mord von fast 1 Million Menschen geht, sein kann.

Inhalt des Films ist der Völkermord in Ruanda, in dem innerhalb von 100 Tagen fast 1 Million v.a. Tutsis von Hutu Milizen ermordet wurden. Es ist gleichzeitig die Geschichte des (Hutu-) Hotelmanagers Paul Rusesabagina, der 1268 Tutsi- und Hutuflüchtlingen das Leben rettete. Und es ist die Geschichte der UN und eines ihrer schwärzesten Kapitel, als dem Schlachten tatenlos zugesehen wurde.

Ich bin mir keinesfalls sicher, welche Schlüsse ich aus dem schon längst Gewussten, aber doch viel zu selten so nah Dagewesenen ziehen soll. Es geht um politische Grundhaltungen (schließt eine streng pazifistische Grundhaltung Friedensmissionen tatsächlich aus?), aber noch viel mehr um persönliche.

Ich möchte diesen Film mit Nachdruck empfehlen. Nicht blind zu sein heißt nicht nur, zu wissen. Oder anders formuliert: Erst Begreifen führt zur Erkenntnis.

13.07.2007

kinotipp

hallo ihr lieben.
letzte woche waren der clemens und ich seit langer zeit mal wieder im kino. und der film war so gut, dass er auf jeden fall einen eintrag hier wert ist.
wer sich gern in eine gruselig-traumhafte märchenwelt ohne kitsch entführen lassen möchte, die auf wundersame weise mit der realität verschwimmt, und außerdem gefallen an brutalen aber auch recht feierlichen gewaltszenen findet, für den ist der Film -Pans Labyrinth- genau das richtige.
die offizielle homepage des film beschreibt ihn als "phantasievolle, emotional und visuell überwältigende Gothic-Fantasy-Erzählung".
der film hat vieles: skuriele schaurige gestalten, zauberkreide, eine pflanze, die gerne ein mensch sein wollte, aufgeschnittene wangen, schöne frauen und ihre schiksale, witz, schock, blut. also sowohl ein frauenfilm als auch für die männer unter uns sehr zu empfehlen.

schaut euch die seite an, die wird euch verzaubern
www.panslabyrinth-film.de

liebe grüße von der antje