Shake your Style.

20.03.2009

Königsseer Straße vier

Bei meinem letzten Telefonat mit Clem, habe ich mich mehr oder minder selber dazu verpflichtet bis zum nächsten Gespräch doch bitteschön mal wieder was zu posten.
Und da dies schon ne weile her ist und ich in nächster Zeit gerne wieder ohne das schlechte gewissen uneingelöster versprechen den hörer in die hand zu nehmen gedenke,
nun hier für euch und alle welt meine wohnsituation. vielleicht animiert es ja den ein oder anderen seine vier wände ebenfalls in einem selbstgestricktem kleid aus worten zu präsentieren...


Königsser Straße 4


Ein altes Haus wie viele hier, im ländlichen Idyll.
Mattgrüne und weiße Farbe schmückt die bröckelnde Fassade und robust ragen, vom Dache her, braunlackierte Holzbalken aus dem Gemäuer. Unzählige Balkone und die Bergsilhouette erinnern an Bilder aus Busreise-Katalogen. Ein Auto nach dem anderen durchkreuzt jedoch diese Stimmung, denn die große Straße führt direkt am Haus vorbei.
Betritt man nun dieses Kleinod, dessen Garten begrenzt ist vom eisklaren Gebirgsfluss, übermannt einen rasch die Dunkelheit. Kaum Tageslicht fällt auf das kleine Treppenhaus. Wie eine Zeitreise fühlt sich mit jedem Schritte über die knarzigen Stufen, der Weg hinauf, zum Dachboden an. Scheinbar umweht ein Hauch von Linoleum und dickbestrichnen Geländern die aufmerksame Nase. Irgendwo wird wahrscheinlich gerade gekocht. Oben angekommen, hat sich auch die innere Uhr um ein halbes Jahrhundert zurückgestellt. Der Anblick, welcher sich einem nun bietet gleicht einem geöffneten Geschichtsbuch, gefüllt mit all den Seelen der vielen Frauen, Männer und Kinder, die hier schon ein- und ausgegangen sein mögen. Dies bezeugen zumindest die abgetretenen Dielen aus Kiefernholz und die mannigfach historischen Möbel. Zwei kleine Dachluken tauchen die Situation in fahl-gelbes Licht. Unzählige versteckte Kämmerchen, und in jedem Kämmerchen unzählige Schätze. Meist verstaubt, aber immer alleingelassen. Vornehm strenge Damenkleider, vergilbte Postkarten und das ein oder andere Zeichen früherer Götter und Teufel...
Ich werde mich nun einreihen in die Liste der Menschen, die diesen Ort beseelten und ebenfalls Geschichte hier schreiben, wenn auch wohl nur eine Kurzgeschichte.

2 Kommentare:

gilbert hat gesagt…

Kommentarlos kommentiere ich mal deinen Bericht mit folgendem Link:
http://gerhardschoene.de/
Dort auf CD + MC und in den kurzen Ausschnitt des Liedchens "Unterm Dach" von 1993 reinhören. Passt einfach!

Viel Freude beim Schreiben deiner Kurzgeschichte, Mattes!

georg hat gesagt…

die geschichte trifft den nagel und den kopf. oder besser: die seele des hauses hast du beschrieben, ohne umschweife, wunderbar.