Shake your Style.

02.03.2009

so ein Theater

Mein einziger Vorsatz für das neue Jahr war mehr Kultur. Einen Schritt in diese Richtung habe ich jetzt getan. Das letzte Wochenende war ich in Bautzen und hatte Freitag noch nichts weiter vor. Also kurz in die Zeitung geschaut und dort war eine Pemiere des Steinhaustheaters angekündigt. Das Stück heißt der Selbstmörder und ist von Nikolai Robertowitsch Erdman (1902-1970), einem russischem Autor der für seine Werke 20 Jahre Arbeitslager als Lohn bekam.
Auf gut Glück begab ich mich zum Steinhaus, wohl wissend dass jede Premiere ausverkauft ist. Aber da es das Steinhaus ist wird sich mir schon ein Weg aufzeigen wie ich dennoch in den Saal komme. Es ist mir gelungen. Die gezeigte Komödie spielte in einem russischem Dorf kurz vor der Revolution und wie überall in Russland herrste auch dort Elend und Verzweiflung. Von der Handlung möchte ich euch jetzt nichts weiter verraten, da ich hoffe der ein oder andere wird sich das Stück ansehen. Es ist ausgezeichnet inszeniert und alle Schauspieler überzeugen in ihren Rollen.
Für mich war es der erste Theaterbesuch seit etlichen Jahren und nachher fragte ich mich wieso ich so lange darauf verzichtet habe. Die unmittelbaren Bewegungen bei denen man den Schweiss der Schauspieler sieht, die Echtheit Worte im Raum und das direkte Erleben der Inszenierung vor dem Auge des Publikums, hat in mir die Lust am Theater geweckt. Ein Theaterbesuch lohnt sich.

7 Kommentare:

clem hat gesagt…

ich gehe (leider) sehr selten ins schauspielhaus. ein grund dafür ist wohl, dass die stücke oft mit allerlei geschrei vorgetragen werden.

mein letzter theaterbesuch war eine aufführung des stückes "ob so oder so", aufgeführt von den drei theaterlosen, darunter die christin, die das sehr imposant gespielt hat.

in diesem falle kommt zum erleben des schauspiels noch hinzu, dass man die person auf der bühne kennt. das macht es zwar schwierig das stück neutral auf sich wirken zu lassen, aber auch spannender, denn man versetzt sich in denjenigen hinein und erlebt mit ihm das auf der bühne stehen ein stückweit gemeinsam.

Katja hat gesagt…

Oooh ja, ein Theaterbesuch lohnt(e) sich! Wie gern genoss auch ich die Nähe zu dem Werk. Das Theater erschien mir meist als eine bodenständigere und somit realitätsnähere Alternative zum Film. Die kleinere Kulisse bewirkt doch ein gewisses Händereichen zum Besucher, da gebe ich dir, Micha, vollkommen Recht.
Gern hätte nun auch ich das Theater mit niveauvoller Kultur gleichgesetzt.
Gern hätte ich mein Kindheitshobby des Theaterspielens wieder aufleben lassen.
Doch bei jedem Besuch werde ich aufs Neue enttäuscht, sodass sich die genannten Vorteile verflüchtigen. Nicht nur "Der Diener zweier Herren" wurde sehr enttäuschend im Bautzener Theater dargestellt. Hemmungslos, übertrieben, "nackt mit viel Make-up". Wo bleibt die Kunst des Schauspielens? Ist nur noch die Maske perfektioniert? Auch wenn Liebesszenen zu jenem Stück dazu gehörten, mussten diese nicht so derb dargestellt werden! Während sich Gilbert & ich uns in jener Nachmittagsvorstellung diesbezüglich kopfschüttelnd ansahen, ertönte das Kichern und Gegacker der Teenager und der Rentner... Gleiches spielte sich selbst im Burgtheater in Wien ab. Ist dies nur ein Generationsproblem? Ist es eine falsche Erwartungshaltung, das Theater als eine Insel für das niveauvolle Vergnügen zu verstehen?
Mein Fazit hierzu:
Theater? Ja.
Theater so? Nein!!

georg hat gesagt…

steinhaustheater rules, jawohl. auch wenn der micha l. echt n schräger typ is, mit dem zu arbeiten manchmal oft gar schwierig dünkt. vielleicht grad deshalb 5 sterne + mehr

clem hat gesagt…

um der lobeshymne auf das theater mal einen faden beigeschmack beizumischen:

mich haben schon immer veranstaltungen gestört, bei denen eine "angemessene garderobe" getragen werden soll, weil mir da immer eine gewisse borniertheit den rücken hochgekrabbelt kommt.

zu weihnachten habe ich mir mit meiner familie dieses stück angesehen. die bilder in dem link vermitteln bereits einen guten eindruck von dem bildungsbeitrag den das stück liefert. nun könnte man meinen, dass man im deutsch-sorbischen volxtheater zu weihnachten mit einer erwartungshaltung oberhalb von peter steiners theaterstadl auf sächsisch schlichtweg weltfremd ist. okay. dann eben keine "insel des nieveauvollen vergnügens", da scheinen bautzen und wien um eine gemeinsamkeit reicher.

dass sich aber dennoch, von jung bis alt, der mittelständische bürger aufbrezelt als ob das gerücht umhergehe, der kaiser höchstpersönlich würde heute abend von der terasse höchst aufmerksam die gäste durchs opernglas beäugen.

würg.

clem hat gesagt…

da fällt mir irgendwie gerade noch dieser link ein.

michael matschie hat gesagt…

ach clem, so viel bitterkeit in deinen worten. nun ja, das theater ist keine "insel des nieveauvollen vergnügens", da stimme ich dir zu. der grund ist aber der dass das theater keine insel ist. wie kommt ihr nur darauf dass es so sein sollte? eine hans-wurst-inszenierung ist doch bei dem namen volkstheater zu erwarten. das volk war immer schon ein derber zeitgenosse mit plumpen humor und begrenzten geistigen fähighit, aber das ist doch kein grund sich aufzuregen.

clem hat gesagt…

"dass es so sein sollte" habe ich nicht gesagt, ganz im gegenteil: "mehr zu erwarten wäre weltfremd" habe ich geschrieben, somit wären wir uns doch einig.

grund sich aufzuregen ist für mich nur, dass ich dort gewesen bin, bzw. sein musste.