Shake your Style.

05.11.2008

Dresden-Valencia

Vor nun schon einer ziemlichen Weile sind Bosćij und ich nach Spanien geträmpt. Habe mir während der Tour einige Notizen gemacht, aus denen ich hier die Fahrt ins Blaue zu rekonstruieren versuchen möchte.

Unsere Route:


Eigentlich sind Landkarten ja eher etwas Ödes, doch diese ist mit ner Menge Abenteuer angereichert.

Tag 1

Los geht's bei Bosćij um 11.30 Uhr vor der Haustür. Die Vorraussetzungen denkbar ungünstig, denn Boscij hat am Abend davor bis um 6 in der Groovestation aufgelegt, wo auch ich zu Gange war, mit entsprechend einhergehendem Alkoholpegel. Bedauerlicherweise ist dies der Fitness sowie Wellness nicht grad zuträglich, doch Bosćij ist Fit, ich auch. Des Weiteren scheint mir der Samstag, dessen Nachmittag wir mittlerweile heute haben, nicht als optimalster Tag zum Bewältigen großer Strecken per Daumen. Weitere Verzögerungen schleichen sich ein, zurückgehend auf die bei Boscij nächtigenden Mato und Ala und Freundin, mit denen man auch noch etwas rumgehangen hat, den vergangenen Abend auswertend und spekulierend über den vorstehenden Trip. Wir stehen letzten Endes um Eins an der Shell-Tankstelle mit unserem ersten A4-Blatt. Darauf ein C und zugehöriger Pfeil, was soviel heißen soll, dass wir in Richtung Chemnitz bitten mitgenommen zu werden. Wir sind hier nicht die Einzigen, denn ein Gleichgesinnter versucht bereits über zwei Stunden nach Erfurt zu kommen, was mit unserer Richtung Übereinstimmt. Dem flauen Gefühl im Magen, welches sich an dem den Abend folgenden Tag einstellt, an dem man nicht mehr nur von Alkoholgenuss reden kann, gesellt sich ein leicht Mulmiges, das zu verbleiben aber nicht all zu lange Zeit hat, denn nur zwei grüne Wellen später sitzen wir dann zu dritt in der Kombiausführung eines weißen Opel Vectra aus den frühen 90ern, dessen Fahrer zu seinen Eltern nach Chemnitz zum Mittagessen unterwegs ist. Schnell stellt sich heraus, der ehemalige Steinmetz kennt Bosćijs Onkel und Bürgermeister der Gemeinde Nebelschütz, bei dem er einige Wochen zuvor im Steinbruch Skulpturen gehauen hat. Dies lässt sogleich eine angenehme familiäre Atmosphäre entstehen, wodurch sich das bloße mitgenommen werden zum Reisen entwickelt. Auch ist jetzt klar, dass wir heute Nacht nicht mehr in Dresden schlafen werden.Entlassen werden wir an einer Raststätte kurz vor Chemnitz, da es sich an Raststätten besonders angenehm Trampen lässt, plant man weite Strecken zurückzulegen. Der Erfurter ist nach 5 Minuten weck, wir aber haben so unsere Probleme, obwohl wir die Leute direkt aber charmant anreden. Kurzerhand beschließen wir diese Gegend zur Einöde zu erklären. Über eine Stunde vergeht, bis uns eine Polin fragt ob dies die richtige Richtung nach München sei. Bejahend, weisen wir sie zusätzlich darauf hin, dass unser Reiseziel das gleiche sei, und fragen ob sie uns denn mitnehme. Nach anfänglichen Zögern erklärt sie sich bereit, da sie ja zum ersten mal in Deutschland ist, die Sitten des Landes nicht kennt, also die Gefahren nicht einzuschätzen wieß, und außerdem eine Frau mit zwei fremden Männern, naja.
Wieder mit einem Opel, nun aber der Mantaära zuzuordnen, geht’s auf die Autobahn hinauf. Es wird von ihr eine Zigarette nach der anderen geraucht, was sich nervositätsbewältigende Maßnahme herausstellt, nachdem sie nach der Dritten lauthals aufatmend ihre wiedergefundene Ruhe verkündet, wobei sich die Ruhe auch in ihrem Fahrstil niederschlägt, was mich als Beifahrer ebenfalls aufatmen lässt. Leider hat sie aus Nervosität bei Auffahren auf die Autobahn aus dem 4ten Gang versehentlich zurück in den Dritten geschallten, was bei 6000 Umdrehungen eine Maximalgeschwindigkeit von 110 km/h ausmacht. Als ich ihr ihren Fehler klar zu machen versuche und dabei auf die Gangschaltung zeige, meint sie nur „Ja,ja Radio“ und schaltet es ein. Ich ahne, dass es mit der Verständigung beim fortschreiten unserer Reise nicht gerade besser werden wird, und belasse es dabei. Solange der Drehzahlmesser immer noch im grünen Bereich ist, und auch die Temperatur des Kühlwassers nicht beängstigen hoch ansteigt gibt es wenig Grund zur Unruhe. Außerdem lässt sich bei geringem Tempo die Landschaft besser genießen.
Kurz nach Nürnberg trennen sich dann unsere Wege, da sie irgendwo zwischen Nürnberg und München abfahren muss. Bosćij und ich beschließen uns zunächst eine Fertigsuppe reinzupfeifen bevor es weitergeht. Rein Zufällig treffen wir dann auf der Raststätte Fränky, ein anderen Tramper unterwegs in die Alpen, was zu einem gemütlicher Plausch über Welterfahrung und Terrinenphilosophie führt. Zwischen sich auf Achse Befindlichen und unentwegt beobachtend von der Toilettenfrau ergibt sich ein ganz besonderes Flair das so nur auf Raststätten beheimatet sein kann. Zum ersten mal empfinde ich eine von vielen herausragenden, wenn aich nicht überaschenden Besonderheit des Trampens: Lässt man sich an einer Raststätte aussetzten weiß man nicht was als nächstes Passieren wird. Weder bei wem man im Auto sitzt, ob man überhaupt mitgenommen wird, was sich an der Raststätte ereignen wird, wie lang man wartet und man weiß nicht wo man am Abend sein wird, geschweige den wo man die Nacht über schlafen wird. Diese vielen Fragezeichen verleihen der Sache den Reiz.
Als erstes begibt sich dann Fränky auf den Weg. Nachdem wir zuvor noch darüber geredet haben, wie geil es ist in fetten Karren mitgenommen zu werden, lädt ihn sogleich ein Bonze mit nem Mercedes-SLK-Cabrio auf. Fränky tut uns seine Freude noch mit nem nach oben gerichtetem Daumen kund, und schon saust er davon. Der erste den wir dann Fragen ist ein geschäftsmäßig aussehender Audi-A5ler, der ziemlich lässig einwilligt. Mich auf die Rückbank niederlassend wird meine Auffassung über das Reisen mit gehobener Klasse bestätigt. Einen kurzen Moment später befinden wir uns schon mit 240 km/h spitze, und etwa 180 Durchschnitt, in Richtung München. Schnell wird klar, wir haben es mit einem ausgemachten Raser zu tun, was ich aber eher angenehm als beängstigend finde und allemal ein Erlebnis wert. Auf der dritten Spur wird mit Lichthupe aggressiv dicht aufgefahren sobald sich ein deutlich langsameres Gefährt erdreistet ebenfalls diese Spur zu nutzten und uns zum Abbremsen zwingt. Er meint, früher habe er ja auch rechts überholt, bis er dann Ärger mit der Polizei hatte, was zu einem viermonatigem Fahrverbot führte. Ich glaube für ihn muss es sich wohl gleich einem Junkie mit ohne Schuss angefühlt haben, was seine erzieherische Wirkung anscheinend nicht verfehlt hat. Gespickt wird die Fahrt überdies mit technischen Details zum Auto, Erläuterungen zu seiner Tätigkeit als Skulpturenhändler und seinen früheren Tramperfahrungen. So hat er mal bei einem Schiff angeheuert, was ihm einen zwei monatigen Aufenthalt in Kuba ermöglichte. Für einen Westdeutschen zu seiner Zeit eigentlich eine Unmöglichkeit.
Im Gegensatz zu den meisten darauf folgenden Tagen ist uns heute bereits relativ früh klar wo wir nächtigen, und zwar in München bei Matti, einer von bosćijs Freunden, bei dem heute auch eine WG-Feier stattfindet. Bingo! Die andere Möglichkeit wäre die Nacht über nach Italien zu Trampen, denn was gibt es schon in Deutschland zu sehn. Aber wir haben ja noch Zeit. Nachdem unserer Fahrer gefragt hat wohin wir in München wollen, erklärt er sich bereit uns direkt dorthin zu bringen, was wohl mit seiner Vorliebe fürs Fahren zu tun hat. In der Stadt vergisst er dann auch seine „Rechts nicht überholen“-Maxime, und legt einen Geschwindigkeitsschnitt auf den Asphalt, der zu den oberen Top 100 aller Schnitte in München gehören sollte.
So ging also unser erster Tag auf der Straße zu Ende und wir bewegten uns wieder im häuslichen Milieu. Doch die Erlebnisse die mit dieser sehr individuellen Art des Reisens einhergehen, wollten nicht aufhören. Auf der Party, allein am Tisch sitzend mit Bosćij und unsere Soljanka löffelnd schneit Andreas um die Ecke, total begeistert von unserem Vorhaben. Es stellt sich heraus, dass er selbst einer vom Schlage wie wir es sind und noch extremer ist. Auf der Basis lässt sich leicht Freundschaft schließen. Im Winter arbeitet er in den Alpen beim Skiverleih, doch im Sommer ist er offen für jegliche Unternehmungen. So kam er am gleichen Tage aus den Alpen nach München, wo er einen Viertausender bestiegen hat, berichtete uns mit seiner 40zig Jährigen Lebenserfahrung von zig weiteren alpinen Abenteuern, Tandemflügen im Paraglider, Reisen durch ganz Europa, und, und, und. Was für mich das beeindruckende an diesem Fakt ist, ist dass sich hier zum ersten mal eine ganze, wenn auch kleine Parallelgesellschaft offenbart, in der die Menschen die meiste Zeit ihres Lebens mit Abenteuern zubringen, oder diese zumindest ihren wertvollsten Lebensinhalt bilden. Hätte ich's mir nicht Live und Authentisch berichten lassen, ich hätte nicht geglaubt, dass dies möglich ist sowohl von der Lebenseinstellung als auch von den Rahmenbedingungen. Das einzige was er an dieser Lebensweise zu bemängeln hatte war das ausbleiben einer Partnerin, denn beides kann man nicht unter einen Hut bringen. Wir tranken noch einige Biere gemeinsam, philosophierten noch über dieses und jenes recht angenehm und begaben uns schließlich in freudiger Erwartung an die nächsten Tage ins Bett. Als Crème de la Crème unserer Unterhaltung kann man diese Aussage von Andreas wiedergeben, auf die Feststellung hin, es seinen oft Geschäftsmänner die einen mitnehmen: „Die Unternehmer von heute waren auch früher Unternehmer, nur anderer Art.“

Tag 2

Noch leicht verkatert, dennoch ausgeruht, brechen wir gegen 11 zur Raststätte Vaterstetten bei München auf um aussichtsreich weiter zu trampen. Mit den öffentlichen Verkehrsmittel lassen wir uns in die Peripherie befördern um nach 2 km zu Fuß das erste Etappenziel zu erreichen. Das letzte Stück des Marsches mit Kraxse führt uns durch unwegsamen Wald, da Raststätten meist in der Einöde liegen, und wir befinden uns wieder auf unserem Trip, was sich sauberst anfühlt.
Angekommen fragen wir zugleich die ersten Leute ob in Richtung Italien unterwegs, doch empfängt uns, vielleicht nur gefühlt, Feindseligkeit. Größtenteils befinden sich hier Rentner oder Rentnerähnliche die sich kurz vor Österreich ihre Autobahnvignette kauften um Sonntags evtl. wandern zu gehen. Wahrscheinlich stören wir Lumpen ihre Vorstellung von Heimatidyll und werden deshalb als Fremdkörper behandelt. Das Wetter ist auch nicht schön.
Jedenfalls finden wir ein junges Pärchen, Andreas und Claudia, die uns angenehm bis Innsbrück bringen können. Andreas war selbst bereits auf Weltreise, was der Unterhaltung zuträgt. Wir essen Schocki, obwohl nicht in der Schweiz, bekommen nebenbei den Sieg des jüngsten Siegers der Formel 1-Geschichte im Radio mit, und sind fluxs an der Raststätte Europabrücke kurz vorm Brenner, bei einem Wetter welches man anders als Pisse nicht bezeichnen kann. Nach kurzem Plausch mit den scheibenputzenden Tankstellen-Boys sitzen wir gnädige 15 min später bei einem jungen Österreicher im schwarzen Seat Richtung Verona. Berichte über Südafrika und seine Heimatstadt Barcelona folgen. Gelernt habe ich von ihm das Wort „Geschmeidig“ was Synonym zu „Cool“ gebraucht werden kann, aber einen Hauch von Dorftrottel an sich hat und mich leicht schmunzeln lässt sobald ich's höre.
Kurz vor Verona werden wir entlassen. Unsere erste Tat auf italienischen Boden besteht darin einen Kaffee zu trinken, der hier an der Raststätte nicht etwa instand aufgegossen wird, sonder frisch gebrüht unserem Gaumen schmeichelt.
Das weiterkommen nach Mailand will hier so recht nicht gelingen, und so begeben wir uns nach einer Stunde vergebenen Wartens zu Fuß zur nahe gelegenen Mautstelle. Denn in Italien muss für das Fahren auf dem Highway Geld berappt werden, weshalb die Autos an der Auffahrt kurz anhalten und somit eine ideale Möglichkeit zum Einsteigen bieten. Doch auch hier haben wir kein Glück obwohl Mailand groß auf der Richtungstafel prangt. Später, also nach einem Bürger und 2 DAB-Dosenbier, werden wir von einem Trucker aufgeklärt, dass die Annahme, dass, wenn Mailand in eine Richtung ausgewiesen ist, auch in diese Richtung nach Mailand gefahren wird, falsch ist, denn die meisten verlassen an dieser Mautstelle die Autobahn um eine Abkürzung zur nächsten Autobahn zu nehmen, was eine halbe Stunde Fahrzeit erspart. So wechseln wir Kurzerhand die Straßenseite was nach 10 Minuten belohnt wird. Wir sehen, es ist tatsächlich schwieriger sich in anderen Ländern zurecht zu finden.
Der Führer des Fahrzeugs berichtet über Erlebnisse in China und den Nord-Süd-Konflikt Italiens. Fürsorglich bemüht er sich sogar für uns Adressen von Hostels in Mailand zu finden. Die Fürsorglichkeit steigert sich sogar soweit, dass er uns Nachts extra nach Mailand hinein bringt, um uns ein angenehmes weiterkommen in der Stadt zu ermöglichen. So sind wir nun um 00:16 Uhr am Tagesziel, was uns besonders freut, da Andreas am Tag zuvor mit uns und seiner Erfahrung über den Erfolg dieser Unternehmung gewettet hat und wir recht behalten haben.
Als letzte Tat des Tages wartet noch die Schlafplatzsuche auf uns, wofür wir uns in den von Moussolini pompös errichteten Bahnhof begeben wo wir bei der Polizei auf Oscar stoßen, der nach Zettel und Stift fragt um sich auf kosten seiner ankommenden Freunden einen Spaß zu erlauben. Uns bezieht er gleich mit ein damit wir für ihn die Situation des Abholens durch eine unbekannte Person inszenieren, was bei der Freundin wohl für einige Fragezeichen sorgen sollte. Der Spaß geht voll auf, denn die Freundin ignoriert Bosćij mit dem Zettel in der Hand vollkommen, selbst beim direkten Nachfragen nach der Übereinstimmung des Name auf dem Zettel mit dem ihren. Dies sorgt für eine lockere Atmosphäre in der kleinen Gruppe, und so beschließt Oscar uns mit seinem Wagen zum nächsten Hostel in der Stadt zu bringen. Ein angenehmer letzter Erfolg des Tages der so unerwartet wie nett war.

Tag 3

Nachdem wir um 10 ausgecheckt haben, stehen wir gen 12 auf der Autobahnauffahrt Richtung Genova. Mit Hummeln im Hintern beschließen wie eine erfolglose halbe Stunde später zur nächstgelegenen Raststätte zu laufen, wobei sich der Laufweg verkürzt, da wir von nem netten langlodschen Italiener mittleren Alters aufgegabelt werden. Weiter als zur nächsten Raststätte kann er uns aber nicht bringen. Unsere Vermutung, dass kurz hinter Mailand wenig Leute rasten bestätigt sich. Dies beschert uns 2 Stunden vergeblichen Wartens. Dabei stellt sich Wein als exzellentes Mittel gegen Trübseligkeit heraus. Mit flachem Humor geht’s dann mit dem Bus wieder zurück zur bereits besuchten Auffahrt. Nur stehen wir nun an einer anderen zur Auffahrt führenden Straße. Etwas komisch ist es schon nach nahezu 3 Stunden immernoch am fast gleichen Punkt zu sein. Glückliche schnelle 10 min vergehn bis sich Danilo als Wohltäter erweist. Dieser ist auf dem Heimweg nach San Remo, kommend vom bereits erwähnten F1-Grand-Prix in Monza wo er als Guard der Rennwagen zu Gange war. Vorgestern noch im Radio davon gehört, jetzt einem Augenzeugen begegnend, wie klein die Welt doch ist.
Trotz der Frustration am frühen Tag verspricht sich ein positives Ende, denn San Remo liegt genau an der Grenze zur Südküste Frankreichs, unserem erklärten Etappenziel. Gut gelaunt also auf die anstehenden 250km mit akustischer Begleitung durch Gigi D'Agustino. Hier bahnt sich eine Konstante für die nächsten Tage an, denn die Sonne kommt erstmalig in voller Pracht zum Vorschein. Auch erblicken wir das Mittelmeer. Ein Gefühl von Urlaub macht sich breit. Der erwartete Temperaturanstieg bleibt nicht aus, was uns, nachdem wir ausgesetzt wurden, dazu veranlasst in San Remo die langen Hosen auf kurz zu ändern. Nur zur Sonnencreme wird noch nicht gegriffen.
Richtung Frankreich werden wir von einem Engländer aufgelesen, der uns seiner Auskunft nach in das schönste Dörfchen der Südküste bringt, Villefranche, kurz vor Nica. Der von Berufswegen mit Yachten Handelnde zeigt uns Monaco, Häuser von gut Betuchten wie Bill Gates, die Quenn Mary. Wir erahnen den Reichtum der Gegend und sehen dessen Schönheit, die heut Nacht durch unsere Anwesenheit gesteigert werden wird. Auf der Suche nach Verpflegung wird uns der Reichtum der Gegend an den Preisen offenbar. Zwei Obdachlose, Cyril und Jaque wie sich heraustellen wird, erscheinen uns als perfekte Touristeninformation für Leute die billiges Essen suchen. Promt werden wir an eine Pizzeria verweisen. Genährt geht es gegen Neune auf Schlafplatzsuche. Dabei treffen wir in einer gut für die Nacht geeigneten Ecke die zwei Informanten von vorhin an ihrem Zelt. Sie bieten uns nen Joint an, und überreden uns damit zu bleiben.
Obwohl wir freundlich aufgenommen werden beschleicht uns Unbehagen, da beide gerade in hygienischer Hinsicht dem Ruf ihrer Sippe alle Ehre bereiten. Zudem stellt sich Cyril nach einigen körperlichen Annäherungsversuchen als Anhänger des wärmeren Gemütes heraus. Aus Angst vor nächtlichen übergriffen sexueller Art beschließen wir nicht an diesem Ort zu nächtigen. Es bleibt uns nichts anderes übrig trotz Müdigkeit Richtung Nizza weiter zu ziehen, vielleicht finden wir ja auf dem Weg dorthin ein ruhiges Plätzchen. Der nicht ganz ernst gemeinte ausgestreckte Daumen an der Hauptstraße, zumal mit wenig Zuversicht einhergehend, führt unerwarteterweise zu einem „Lift“ zum Hauptbahnhof Nizzas. Doch das Problem der Nacht bleibt. Wir fragen daher einen Bahnhofswärter nach nem Campingplatz o.ä. Der erteilt uns, verdutzt über den für ihn ungewöhnlichen Bestimmungsort, Auskunft, mit der sich anschließenden Frage, weshalb wir nicht am Strand schlafen. Scheinbar gehört die Nacht am Meer in Nizza für Kurzentschlossene zur Normalität. So nun auch für uns. Damit neigt sich nach kurzem Stadtrundgang bei Nacht ein anstrengender Tag an der Küste des Meeres seinem versöhnlichen Ende entgegen.

Tag 4

Durch sanftes klopfen des Meeresrauschens an die Zeltplane werden wir in der Frühe geweckt. Der erste Griff geht zur Badehose. Urlaub ist nun nicht mehr nur Gefühl sondern Sinnlich. Start in den Tag an der Côte d'Azur. Zwei Kaffee schnell herbei geholt, auf dem Campingkocher brodelt Wasser fürs Frühstück, Nudeln. Zur mittäglichen Stund wechseln wir in den Strom der Straße, weiter entlang der Südküste, ohne festes Ziel, Hauptsache Meer. Dass wir die Dimension Nizzas unterschätzt haben wird uns nach längerem Fußmarsch mit ersten Blasen an den Füßen klar, doch an der vorgesehenen Stelle angelangt kommen wir schnell weg. Zuerst nur auf die Autobahn bis zur nächsten Mautstelle, bis nach Aix-en-Provence, kurz vor Marseille, wobei Das uns eine Übernachtung allemal wert scheint. In Aix-en-Provence treffen wir auch auf zwei Franzosen die „avec la pouce“ nach Barcelona wollen. Das erste große Ziel ist demnach nicht mehr weit. Wir aber fahren zunächst mit einem Olympique Marseille Fan, der das heutige Champions League Spiel besuchen möchte, in dieses. Jetzt selbstverständlich, führt uns unser Weg ans Meer, an dem wir heute zeitig genug sind um den Sonnenuntergang zu beobachten. Wahrscheinlich wirken zwei Typen auf einer Decke sitzend am Meer einfach zu schwul, denn ein Kerl lädt uns die Nacht über zu sich nach hause ein, dem wir aber höflich zu verstehen geben, dass der Anschein manchmal trügt. Hoffentlich werden derartige Annäherungsversuche nicht auch noch zu Konstante. Begleitet durch Fangesang aus dem Fußballstadion, der bis ans Meer dringt, schlummern wir ein.

Tag 5

Immernoch am Meer, stellen wir fest, dass das Wasser in Marseille deutlich kälter als in Nizza ist. Zum kalt sein bleibt aber nicht viel Zeit, denn von Oben wird nachgeholfen. Der vorerst ruhige Platz den wir zum Baden und für unser Frühstück ausgewählt haben, wird zunehmend durch Rentner bevölkert, die den Tag auf uns ähnliche Weise beginnen. Bald sind wir von diesen umzingelt, und schnell spricht sich herum wer wir sind. Wohlwollend werden wir in das Kollektiv aufgenommen, Zustimmung signalisierend durch den Daumen zum Grund unseres Aufenthalts.
Mit einer Laune, die man sich besser auf Reisen fern der Heimat nicht vorstellen kann, geht’s quer durch Marseille an den Autobahnzubringer. Cool ist, dass man sich auf Plätzen mit vielen Einheimischen aufhaltend zum Bestandteil des Alltags der Stadt wird, und ihn somit miterlebt, incl. der Stimmungen der Menschen.
Feinster Jazz befördert uns zuallererst in das Dörfchen Saint-Cannat, das dermaßen schön ist , dass durch seinen Charme selbst jeglicher Wartezeit ihr Schrecken genommen wird. Aus dieser atemberaubenden Schönheit entführt werden wir von Judas und Zion. Zion ist ein 2-Jähriges quirliges Mädchen, Judas ihr Vater. Zion drückt ihre Freude über den unerwarteten Besuch durch Rudern mit Armen und Beinen aus. Fast zu schnell, um es zu verstehn, fragt sie immer wieder im niedlichsten Kleinkind-Französisch „Vous allez en Nice.“ Liebend gern würde ich mit ihr nach Nizza fahren. Sie unterhält uns die gesamte Zeit über alleine. Die ehrliche Zuneigung des ungetrübten Herzens beschert mir nach dem schönsten Dörfchen der Reise den schönsten Aufenthalt auf vier Rädern.
In Salomon, jetzt wieder an der Autobahn, siedeln wir vom strahlenden Kinderlächeln in die nachmittägliche Sonne über. Alles ist einfach Perfekt, Wetter, Umland, Stimmung. Wannja und Sebastian, Studenten aus Toulouse, laden uns auf dem Weg dahin bis Narbone auf. Die Fahrt entwickelt sich zur Sightseeing-Tour durch Südfrankreich mit persönlichem Fremdenführer. Wohl kaum lernt man anders als durchs Trampen Land und Mentalität auf durchreise vollständiger kennen.
Das letzte Stück des Tages bis kurz vor Perpignon an der spanischen Grenze nimmt uns eine, sich auf der Heimfahrt befindende, in der AIDS-Beratung arbeitende, Frau mit, die durch ihre nette zuvorkommende verständnisvolle Art besticht. Aufgrund der Übung in Praxi, reicht mein Französisch mittlerweile für einen netten Plausch. In ihrem Heimatdorf und unserem Nachtlager zeigt sie uns noch den Supermarkt und Campingplatz wo unser Tag dann auch aüßerst schwärmerisch zu Ende geht.

Tag 6

Heute werden wir Barcelona erreichen! Daher frohen Mutes zu Fuß auf zur Autobahn, mit 3 Flaschen Wein weniger im Gepäck, dafür im Kopf. Obwohl an der Autobahn angelangt, sind wir noch lange nicht an einer Auffahrt, aber am Zubringer zu dieser, wo wir's zunächst mal probieren. Irgendwann realisieren wir, dass wir uns vor Langeweile mit irgendwelchem Baumsamen gegenseitig bewerfen, was uns vor Augen führt, wenn es schon so weit kommen kann, dass es hier zwecklos ist zu warten. So ziehen wir eine Stunde später weiter über ein ausgetrocknetes Flussbett und Weinplantage direkt zur Auffahrt, an der wir dann nochmals zwei Stunden verharren, die Zeit erschlagend vor Informationstafeln mit Landkarten der Region. Kurz nachdem das mailänder Mittel gegen Frustration Anwendung gefunden hat, bittet uns ein Trucker in seiner Kabine.
Die Stimmung hebt sich, nicht nur, weil sich das Mailänder in seiner Wirkung bestätigt, sondern weil dem Trip auf den Straßen Europas die Krone aufgesetzt wird, denn im Allgemeinen gilt es als schwer möglich zu zweit im LKW mit zu fahren, da man sich zu Dritt im Führerhaus am Rande der Legalität bewegt. Doch sind die Impressionen on the Road im Truck einzigartig. Mir wird ein Platz auf dem Bett im Hinteren des jetzt Wohnzimmers auf Rädern angeboten. Mit breitem Grinsen lasse ich mich gemächlich auf das Sofa nieder, streife zudem, dem feschen jungen Spanier links nebst mir gleich, meine Schuhe von den Versen. Kaum auf der Autobahn reicht uns unser Gönner einen Joint, worüber ich mir, nach vierteljähriger gezwungener Abstinenz, fast Löcher in den Bauch freue. Entspannt an der Grenze zum Nirwana mit angebrochener Flasche Rosé in Gesellschaft, werden die letzten 219 km nach Barcelona in Angriff genommen. Wahrscheinlich zu entspannt stellen wir nach nem guten Stückchen fest, dass wir in die falsche Richtung fahren. 40 Kilometer und ne halbe Stunde später bietet sich uns nochmals der Blick auf unsere Ausgangsposition, jetzt auf der richtigen Seite der Führerstands. Überhaupt wird dem Auge phänomenales dargeboten. Aus dem 16:9-Panoramafenster ergötzt man sich aus adlergleicher Perspektive an dem Geschehen auf der Autobahn und der Landschaft die Spanien entgegen strebt. Ich erinnere an meine bequeme Sitzposition der mein seelischer Zustand einher geht. Untermalen wird das ganze mit Flamenco-Soul von Pitingo, der angesichts der Gesamtsituation das akustische Ausrufezeichen dieser 2 Wochen setzt. Alles ist mal wieder perfekt.


Später machen wir dann noch ne 45 minütige Pause wegen den Fahrzeiten, werden Zeuge von ewig währenden Überholmanövern mit Haaresbreite Platz zwischen den LKW's beim Ein- und Ausscheren, hören den kolosalen Pfeifkünsten des Fahrers zu, die er sich wohl in den zahlreichen einsamen Stunden angeeignet hat, lernen die Physik des 40 Tonnen Sattelschleppers beim bewältigen von Anhöhen mit 70 km/h kennen, sehen den Sonnenuntergang. An der Grenze muss ich mich noch kurz hinterm Sitz verstecken um unentdeckt zu bleiben.
Vor den Toren Barcelonas findet dieses Teilstück von vielen dann sein Ende. Mittlerweile hat Flori angerufen, den wir eigentlich erst in Valencia zu treffen erwarteten, der aber auch in Barcelona ist. So haben wir ein konkretes Ziel für den Abend, müssen nur noch in die Stadt hinein, in die wir von zwei Kletterern mitgenommen werden. Aber nicht kraxeselnt in Seilschaft, sonder im schwarzen VW-Bus.
Barcelona ist erreicht nach sechs Tägiger Odyssee. Das Trampen hört hier auf, denn nach Valencia fahren wir wegen schlechten Wetters mit dem Bus, 2000 km haben wir allein mit dem Daumen hinter uns gelassen, ein gutes Stück von Europa gesehn, im Gepäck sind die Konservendosen aufgebraucht, im Ersatz ne Menge neuer Eindrücke und Erfahrungen eingelagert. Mehr als die Hälfte der eingeplanten Zeit stehen noch vor uns, in der wir uns im fantastischen Barcelona und bezauberndem Valencia aufhalten werden im Strudel weiterer überwältigender Ereignisse. Von denen sei an dieser Stelle nur in komprimierter Form berichtet, denn bereits jetzt ist der Artikel sage und schreibe ganze 7 A4 Seiten lang. Etwas viel evtl., auch für euch, die es lesen, doch jede Zeile ist es wert, weil besonders. Dabei ist alles absolut ungeschönt, ehrlich und authentisch berichtet, und trotzdem noch überwältigend, deshalb berichtenswert und so besonders für mich. Des Weiteren erweitert es die Schönheit etwas Erlebten, wenn man Leute hat mit denen man es Teilen kann.

And it proceeds

In Barcelona haben wir Flori, Domme, Tom und Weitere getroffen, Babsi, ne Freundin von Florian kennengelernt, die wir alle auch die folgenden Tage oft gesehen haben, bspw. am Campingplatz am Meer, wo wir einen ganzen Tag gefaulenzt haben.


Nebst Campingplatz schliefen wir 2 Nächte direkt am Meer in Barcelona, wo wir das zweite mal überfallen wurden, also nich zum zweiten Mal, sondern in der zweiten von den zwei Nächten, und haben auch sonst die Facetten der Kleinkriminalität Barcelonas erlebt. Um mehr als einen Gürtel der an der Schnalle bereits gerostet hat, zwei Euro in Kleingeld und ein Feuerzeug wurden wir aber nicht erleichtert. Den größten finanziellen Verlust konnte die Gruppe um Domme verbuchen, die wegen Urinierens in der Öffentlichkeit 75€ abdrücken mussten, jetzt an die Polizei.



Wir haben uns ein Designmuseum angesehen, bei dem, dort ankommend, wir feststellten, dass es erst gebaut werden wird;
haben im Stadtpark rumgehang, mit der Erkenntnis, dass wer Denken kann klar im Vorteil ist, weil er sich für ne Zeit lang auch mal selbst unterhalten kann;(Die Katzte!)
waren im Park Guell;
und haben ein Foto von der Sagrada Familia gemacht;
das Flair zahlreicher Cafés durch unsere Anwesenheit bereichert, Bocadillo gegessen,
Kinderfest mit Puppentheater gesehen, und, und, und.




In Valencia schliefen wir bei Flori, der uns in das alltägliche spanische Leben einführte, mit Siesta, Tortilla, Schimpfwörtern und viel spanischem Bier.
Wir sahen, dass sich die Spanier beim Aus- und Einparken bei Stoßstangenkontakt nicht so haben, wurden über Dealermodalitäten in Valencia unterrichtet, mit verstecktem Dope in Gullies, sahen Sehenswürdigkeiten im geläufigem Sinne;
und persönliche Highlights;
sowie den Größenwahnsinn Valencias;

und eine Plakatausstellung mit Plakaten zu alten Filmen.

Überhaupt gingen wir besonders Abends viel aus, auf größere Plätze, da sich das allabendliche Beisamensein da zelebriert, und hingen Straßenvolk ab, sahen Hunde sich gegenseitig die Genitalien lecken.
Ein Obdachloser zeigte mir noch ein Buch von Quino.


Und so weiter, bis wir dann irgendwann ins herbstliche Deutschland zurück flogen. Wir schliefen noch eine Nacht in Frankfurt Hahn im Flughafen nebst Colaautomaten, um am nächsten Tag mit Franky und Carli zurück nach Dresden zu fahren, von den wir noch aus Valencia wussten, dass sie an diesem Tag aus Bercelona zurückfliegen.

---Ende---

101 Intros

Und hier mal wieder eins dieser Youtube-Postings. Natürlich wie immer ohne viel Text. Außer dass der Name zum Ding von hinten wie von vorne Osymyso ist und neben ihm Cassetteboy wie ein bemitleidenswertes Würstchen wirkt.



04.11.2008

Obama Reggae

Obwohl ich ja sonst spärlichen Posts mit nur Youtube-Video sehr kritisch gegenüber stehe, kann ich es nicht lassen das Gleiche zu tun, aber zumindest um einige Zeilen angereichert zur beruhigung meines Gewissens. Die Freude über die Gesamtsituation überstrahlt die Bedenken. Hoffentlich hält die Freude durch nen Sieg Obamas an. Ist dies der Fall, sollte man sich eigentlich eine amerikanische Fahne an den tragbaren Kassettenrecorder, auf dem dieser Song in Endlosschleife spielt, hängen. Eine spannende Wahlnacht wünsch ich mit diesem Kenianer.

Why why why why why why oyyy why whyyyy not

Well, this is not about class,
nor color, race, nor creed.
Make no mistake it’s the changes
well all the people dem need
Then I’m a shout out…

Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy
Dem said
Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy


Now you can hear it in the morning (Obama!),
And you can hear it in the evening (Obama!),
Black man and white man shouting (Obama!),
Dem hear the groove and them is moving (Obama!).
And you can hear them saying…

Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy
Dem said
Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy


The man let down his hat
And noone can’t stop that
Well some of dem are just smart
And some ah take back dem chant
And some of dem who was racist
jumping and dancing in the street
in a shout of…

Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy
Dem said
Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy


It is not Hillary Clinton (Obama!)
and it is not John McCain (Obama!)
It is not Chuck Norris (Obama!),
And I know it’s not John Wayne (Obama!),
It is not the one Rambo (Obama!),
And it is not the Terminator (Obama!),
But a new trendsetter (Obama!),
The mountain of the whole America
and dem shout out…

Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy
Dem said
Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy


African-American rise…
and keep your eyes on the prize (Obama!),
Cause now none of them realize,
the black man is in their eyes. (Obama!)

Well it’s no joke it’s a fact,
we’re gonna paint the white house black (Obama!),
And I can’t believe it’s true
black gonna run the red, white and blue…
Dem a shout out…

Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy
Dem said
Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy


Me callin’ all of the Indians (Obama!),
who live up on the reservation (Obama!),
the Japanese and all the China-men (Obama!),
the Hindu and all the Mexicans (Obama!),
Arabs and Jews and Palestinians (Obama!),
a time ’till we chime up as one,
and shout out…

Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy
Shout
Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy


‘Cause this is not about class (Obama!),
nor color, race, nor creed (Obama!),
but it’s about the changes (Obama!),
what the Americans need (Obama!).

So, whether you come from California (Obama!),
Or you live in Nort’ Dakota (Obama!)
You could have come from Texas (Obama!),
Or you’re living ina Florida
how all ya join this alliance (Obama!)
Now let me hear you stand and shout,
Just shout out…

Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy
Shout
Barack Obama, Barack Obama, Barack Obama
Ooyy ooyy

23.10.2008

99 francs

Kürzlich habe ich im Kino einen Film gesehen, den ich hier mal kurz vorstellen möchte.



39,90 bietet sowohl inhaltlich als auch filmisch eine Vielzahl von Eckpunkten, die zu einer Kontoverse auch zwischen mir und mir über seinen Sinn und Unsinn geführt haben.

Zunächst mal, der Film ist wohl am besten mit den Attributen chaotisch, bösartig, lustig, tragisch, durchgeknallt, wild, laut, intellektuell, launisch und konfus zu beschreiben. Er ist die Adaption des gleichnamigen Buches von Frédéric Beigbeder und soll sich wohl inhaltlich mit wenigen Ausnahmen an selbiges halten. Es geht also um den Webedesigner Octave Parango und seine fertigen Freunde, um die teuflische Werbbranche, um Drogenexzesse und um Liebe. Gezeigt wird Octaves Weg vom skrupellosen, genialen Arschloch der Werbeindustrie hin zum kaputten Junkee der allen eins auf die Fresse geben will. Was der Film aber nicht ganz schafft oder schaffen will: Besonders die einzelnen Bereiche in Octaves Leben sind zu sehr von einander getrennt (Liebe, geistiger Werdegang, Perspektiven auf die Werbung), als dass sie nahtlos ineinanderübergehen würden und ein stimmiges Gesamtbild ergäben. Die politischen Aussagen können zwar als durchaus gelungen und glaubhaft gelten, für manch einen werden diese eher klischeehaft und kitschig rüberkommen.

Ansonsten muss ich sagen, die rasante Atmosphäre lässt einen sich tief in den Film hineinlegen und durchaus authentische Darsteller machen Spaß. Allerdings wirkt alles wie gesagt ein bisschen unfertig und man könnte meinen, Jan Kounen braucht noch ein, zwei Filme. Lässt man sich aber auf 39,90 ein, macht er nen Haufen Spaß und berührt und verstört. Ein dreckiger Film eben. Mich hat nichmal das nervige Technogeduddel gestört, oder besser, es setzt genau dann gekonnt ein, wenn man sowieso abgetörnt is. Und das schafft der Film fast durchgehend und das verdient ein Lob.

22.10.2008

Bright Eyes

Nennt es Kitsch - ich find's wahrlich schön. Und schließlich muss ich endlich mal mein ewiges Rockerimage loeswerden. Wird auch Zeit.



Und da die Bright Eyes so 'ne tolle Band sind, gleich noch eins.

Gregor Böckermann und das Glück des Kämpfers

Es gibt Menschen, die geben 'nen Scheiß und tun was getan werden muss. Gregor Böckermann ist so jemand. Der exkommunizierte ehemalige katholische Pfarrer ist seit 18 Jahren jeden Donnerstag vor'm Hauptgebäude der Deutschen Bank in Frankfurt am Start. Um zu demonstrieren für 'ne bessre Welt. Und den christlichen Sozialismus, was auch immer das sein soll.


"Wen beten wir denn eigentlich an? Das Geld" Und weiter: "Es gilt: Christen können keine Kapitalisten sein" Nun ja, Max Weber wär da vermutlich anderer Meinung. Und zum Thema Finanzkrise: "Jetzt sind wir überzeugt davon, dass wir noch zu unseren Lebzeiten den Kapitalismus überwinden werden. Die Bankenkrise lässt uns hoffen"

Ich bewundere Menschen wie ihn zutiefst. Ich wär auch gern Aktionist. Doch irgendwie ist mir ein bisschen dieses schöne Weltbild mit den klar gezeichneten Konturen und dem herrlich einfachen Wertemustern verloren gegangen. Denn das braucht es wohl. Sonst müsste sich Gregor nähmlich fragen, was das ganze soll, warum er hier steht und nicht woanders und wie denn bitteschön der christliche Sozialismus aussehen soll.

Trotzdem Danke für die Slumhütte vor den Fenstern des Bankenungetüms und danke für gelebten Protest.

Jon Lajoie - Everyday Normal Guy



i'm just a regular everyday normal guy
nothing special about me motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
when i go to the clubs i wait in line motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
i got $ 600 in the bank motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
and my sexual performance is a average

i work in customer service for a phone company
i make 12 bucks an hour but thats all i need
i live in a small apartment on a quiet street
i don't go out too much i like to watch tv
i can't afford a car i use public transportation
i don't mind i read till i reach my destination
sometimes a newspaper sometimes a book
the amount of money i save this shit is off the hook
and i'm not very good with the women
i'm a pretty shy person and i'm average looking
last time i had sex was in 2003
and i'm ashamed to ommit but it wasn't free

i'm just a regular everyday normal guy
i get nervous in social situations motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
i get constipaded once a month motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
and i make pretty good spaghetti sauce motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
and i get scared when i go see the dentist

i'm the Pauly Shore of everyday life
easily forgettable and i'm not very liked
i have an "According to Jim" personality
i'm as entertaining as a fucking STD

if you wanna mess with me i think you probably can
because i'm not confident and i'm weak for a man
i'll just roll up in a ball while you kick me in the back, ya
honestly i probably won't fight back
and i don't have many friends that would back me up
my friend Steve would but he doesn't look very tough

if you rarely get laid put your hands up
if you're not well paid put your hands up
if you got a pet cat put your hands up
and if you got a bad back put your hands up

i hurt my back two summers ago moving a fridge and ever since then it's just not the same.
you know it..it gets pretty sore

i'm just a regular everyday normal guy
my parents are really nice people motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
i'm somewhat afraid of heights motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
i like the show "Greys Anatomy" motherfucka
i'm just a regular everyday normal guy
and i'm pretty good at making paper planes

19.10.2008

Crystal Castles und das Bloghypephänomen ...

... habe ich unlängst am eigenen Körper erfahren. Das erste und bisher einzige Album dieser Atarisounds verwertenden, zweiköpfigen Elektropunkformation hat es mir vor einem halben Jahr sehr angetan, nach monatelangem exzessiven Zugemüteführens würde ich die LP jedem ans Herz legen wollen der auch MichaŁs Part im Baroquemiks mochte! Aber nein!, ganz so einfach ist es nicht, am 24 September trampte ich nun voller Erwartungen ins „Maria“ am Ostbahnhof nach Berlin. Ich gebe zu, schon bei „Maria“ hätte man stutzig werden müssen, schließlich war der Club schon in meiner Pupertät auf dem einzigen in meiner Heimat zu empfangendem Radiosender Fritz (neben dem PSR) als Indiepupenladen verschrieen. Treu dem Motto „Indie ist tot“ trotzte ich meiner Erfahrung und bestellte mir für 15€ mutig eine Karte bei Eventim. Was sollte schon schief gehen?

ok spass beiseite, hier eine kleine perle;

Ich stand nun also in einer Berliner Großraumschlachterei umgeben von 400 strinbandtragenden Röhrenjeans, die den einen modisch kleideten und den anderen weniger, es triefte nach pubertären Schweiß (dem Rauchverbot wurde grenzenlos gehuldigt) und eine leichte Art der Verachtung machte sie in meinem Schädel breit. Das Konzert ging gut nach vorn wie man es sich nicht anders wünschen wurde, doch klang es völlig übersteuert, der ramschige Filterhousesound betäubte mein Innenohr wie es Alexander Markus nicht besser könnte. Kein einziger Song besaß noch etwas von der Wiedererkennbarkeit und Eingängikeit, die ich doch so mochte, Alice Glass schrie um ihr Leben um wenigstens noch dem ein oder anderen Song ein bischen davon eizuhauchen, ihre Mühe war grenzelos doch ohne jede Wirkung, traurig stopfte ich nasse Tempos in meinen äußeren Gehörgang , denn noch nie habe ich ein so schlechtes Konzert gesehen. Nach 35 Minuten war alles durchgestanden, 35 entspricht auch der Länge der ersten, und ihr erinnert euch, der einzigen LP. Ich vermute mal, man wollte das ganze Indiepublikum vergraulen, was mit maßloser Begeisterung reagierte. Ohne Zugabe ging es für mich direkt vor die Tür um eine zu Rauchen und das erlebte mit einem großen Schluck Schnaps zu vergessen.

Was habe ich also gelernt: Du sollst nicht ins „Maria“ gehen, schau dir deine Lieblingsbands nicht live an und wahrscheinlich ist Indie wirklich tot oder heißt jetzt „New New Rave“?

don't belive the hype, it's a sequel!


17.10.2008

Was ist ist, was nicht ist ist möglich!

Einstürzende Neubauten - ein Name wie eine Abrissbirne.
Und in diesem Sinne ist die Band in den vergangenen 2 Jahrzehnten
auch publik geworden. Auf die harte Tour - mit Kettensägen, diversen Metall-
gegenständen, Vorschlaghämmern, fremdartig anmutenden Wortwundern und extravaganten Outfits, hat sie sich in die Herzen geneigter Zuhörerschaft gedroschen. Blixer Bargeld, Philosophieprofessor, Alki, Poet und Kopf der Vereinigung schrieb dazu so oder so ähnlich:

" Eine Gitarre ist ein völlig ausdrucksloses Instrument, weil man damit nicht mal einen Nagel in die Wand schlagen kann."

Die Zeiten sind jedoch vorbei, man wird ja auch älter, heute wird mit Anzug und auch Gitarre aufgetreten, wobei die Wurzeln nicht zu überhören sind. Wer Interesse an Zeitzeugnissen aus wilderen Perioden hat, dem empfehle ich, doch noch ein wenig im youtube-archiv oder auf der Internetseite zu blättern.
Bei diesem Video ist nebenher auch ein bisschen auf die singende Schar seiner Stundenten zu achten...





Nun eigentlich ja eher in die elektropunk-newwave-schiene einzuordnen,
bedient sich die Band in diesem Falle (innerhalb eines Projektes
mit Meret Becker) ruhigerer Töne. Ein wunderbares Liebeslied...





Guten Tag mal wieder,
Mattes.

Reisende Gedanken

Ich brauche die Menschen,
mir liegt viel am Freund.
Ich sehn' mich nach Liebe,
manchmal platzt die Einsamkeit.

Allein sein kann schön sein,
mit mir heute nicht.
Zweifelt der Wille,
unerschöpfliche Quelle.

Tau.

Reisende Gedanken
tauchen ein gleich Delphinen.
Ein Saite erklingt,
schon einmal gehört,
nur wo?

Fahrtwind im Gesicht.
Ohrenbetäubend.
Atemberaubend!
Schön - mehr nicht.

Ich wird zum Wort.
Ankommen.
Ein stetiges Klopfen,
bleiben kann ich nicht.

Leben lernen.

16.10.2008

Rock ^ Roll

Es muss auch mal den dritten Youtube-Beitrag in Folge geben dürfen, denn dieses Video erinnert uns an den ewigen Altrocker Georg. Der Mief von Bier, Kippe und Schweißloden ist dein!

Liebe Grüße von Antje & Clemens

13.10.2008

Medialer Sonderfall

Für alle, die kein Fernsehen besitzen, hier die gestrige Undankesrede von Marcel Reich-Ranicki beim deutschen Fernsehpreis 2008 im ZDF.

09.10.2008

manchmal ist die Wahrheit so einfach und sie trägt einen Bart...

denken ist cool

Da ich ja jetzt schon eine Weile im exclusiven Club von

Baroqueoverkill bin, weis ich das viele andere Clubmitglieder den philosophischen Themen sehr wohlwollend begegnen (nicht wahr ändy). deshalb von mir für euch eine kleine Zusammenstellung von Seiten mit Philosophie zum hören und sehen.


Das philosophische Quartett: der Klassiker unter den philosophischen Fernsehsendungen. Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski laden sich stets zwei Gäste ein und diskutieren üder irgendetwas. Das Format präsentiert leichte Kost und ist für Einsteiger und gegen Langeweile zu empfelen. In der ZDFmediathek muss der Namen der Sendung eingetragen werden und man erhält eine letzten Sendungen als Podcast zum Ansehen. Es erscheinen aller zwei Monate ein neue Sendung. Ans Herzlegen möchte ich euch die Sendung mit Otto Schily (über Sicherheit und Freiheit), welche als Musterbeispiel für verbale Katz-und-Maus-Spiele gelten darf.


Scobel (ehem. Delta): Ein weiteres Fernsehformat mit Gerd Scobel, den ich für den besten Fernsehmoderator Deutschlands halte. In der Sendung verschwimmen die Grenzen von philosophischer Diskusion und Wissensvermitlung und dabei wird oft sehrweit ausgeholt. Ein riesiges Archiv lässt eine auch immer etwas neues entdecken. Allerdings sollte man bei Fachbegriffen und Fremdwortern etwas Stehvermögen beweisen. Die Sendung wird einmal die Woche auf 3sat ausgestrahlt und ist dann recht zügig im Netz.


Die Philosophische Audiothek:

Eine Art Onlinebibliothek mit Vorträgen, Radiomitschnitten, Vorlesungen und Seminaren aus den Uni Wien. Mit unter gibt es sehr wertvolle Perlen und jede Menge Anregungen, allerdings ist das Niveau selbst mir oftmals zu hoch und sehr universitär. Doch sind mit Günther Friesinger und Herbert Hrachovec zwei sehr gute Redner vertreten denen ich gerne zuhöre auch wenn ich nur die Hälte verstehe.

Das sollte erstmal reichen. Viel Spass beim hören und sehen.

08.10.2008

Für den Notfall

Vielleicht ist es ein bisschen Paranoia aber ich möchte euch diese sehr umfangreiche Seite nicht vorenthalten...man beachte vor allem den Shop mit dem umfangreichen Waffenangebot (Armbrust etc...) nun das ist sehr übertrieben aber Informationen auf dieser Seite erscheinen beängstigent reel


http://www.krisenvorsorge.com/85/Startseite.html

07.10.2008

gestern abend besuchte ich wieder einmal das kino. neben dem genuss des films "berlin calling", der mich mit guten bildern und atmosphärischer musik überzeugte, und den ich für einen angenehmen filmabend nur empfehlen möchte, überraschte mich der trailer für den film "walz with bashir" (http://waltz-with-bashir.pandorafilm.de). dieser film läuft am 6. november an und ich habe ihn, nachdem ich heute ein wenig zum thema gestöbert habe, auf meine persönliche "diesen film möchte ich sehen"-liste gesetzt.
wenn bei dem ein oder anderen jetzt ebenso das interesse am film und seiner thematik geweckt wird, würd ich mich freuen.

Do the German Clap

Neulich bekam ich dieses Video gezeigt. Es handelt sich um "The Clap" Von Lexy K-Paul & Das Bo in einer filmischen Neubearbeitung von Pundo3000, welche den sozialkritischen Aspekt stärker herausarbeitet. Ein Thema das mich schon lange beängstigt.



Es sei darauf hingewiesen dass es völlig außer Frage steht, dass die Interpreten nicht gerade als moralische Instanzen geachtet werden sollten. Mir geht es lediglich um das Video und seine Aussage, völlig aus dem Kontext gerissen.

Malt euer Geld an!

Für alle die sich nie so richtig mit Geld anfreunden konnten: Mir hat es geholfen, die Dinger anzumalen.
Mit Edding 8400 CD/DVD-Marker dürften die kleinen locker 4 Transfers überleben. (Sobald sie eine Bank erreichen, werden die sowieso ausgetauscht.)

Und man kann beim Bezahlen auch Glück verschenken. Die Bäckerin hat sich neulich wie verrückt gefreut, als sie vom Kleingeldteller angegrinst wurde.
Wenn jemand Lust hat, eigene Kreationen vorzustellen, würde ich mich über eine Email freuen. Sobald ich es mit Scheinen probiert habe, melde ich mich wieder.

06.10.2008

Lyrische Stilmittel im Alltag: Die Mitte-gegen-rechts-Alliteration




Dienstag den 30. schenkte schließlich Stephan mir meinen modischen Bautzen-Bleibt-Bunt-Button. Während wir zur Wohnung wanderten, witzelten wir, ob alliterative Aussprüche auf Ansteckern anspruchsvolle Ausdruckskunst ausmachen. Freilich versetzte uns die Frage ob Ortschaften ohne ordinäre Anfansbuchstaben auch akzeptable Alliterationen wie "Bautzen bleibt bunt" bewerkstelligt bekämen in gar grüblerische Geisteslagen!

Daraufhin drängte die Durchführung des Versuchs, viele verschiedene freiheitlich-bürgerliche mit beliebigen Buchstaben beginnende Bekenntnisse für Kleinstadtkundgebungen zu kreieren:

Aschersleben achtet alle
Böblingen baut Brücken
Cottbus conta Camouflage
Dessau disst deutschtümelnde Demagogen
Elsterwerda echt exotisch
Flöha fordert Vielfalt
Grimma gegen Glatzen
Heppenheimer Hand in Hand
Ilmenau - Islam inside
Jodeln und jiddeln in Jeßnitz
Kamenz kontra kahle Köpfe
Löffingen liegt leicht links
Mehr Menschlichkeit in Mittweida
Nein zu Neonazis in Niesky
Orient und Okzident in Ottendorf-Okrilla
Püttlingen proklamiert Potpourri
Quo vadis Quakenbrück?
Rüsselsheim rügt Rechtsextremismus
Schmöllner schelten Springerstiefel
Taucha trotzt totalitären Theorien
Ulmer unterbinden Unterdrückung
Vetschauer verachten vereint vorurteilsbehaftete Volksverhetzung
Wir wollen ein weltoffenes Wilthen!
Xanten = xenophil
Zwenkau zeigt Zivilcourage

mit lieben Grüßen von Antje & Clemens

03.10.2008

Rechtsdrehender Joghurt und Contergan®

Schon bei der Werbespot-Aussage „Mit rechtsdrehenden Joghurtkulturen“ kommt es vielen Leuten recht komisch vor. Ich selbst konnte mir bis zum Zeitpunkt, als uns die Spiegelbildlichkeit als Aspekt der Lebensgrundlage in biologischen Systemen klar gemacht wurde, nicht so recht vorstellen.
Dabei geht es um räumliche Ausrichtungen, die man am einfachsten anhand eines Beispiels erklärt. Ausgehend von einem Punkt begeben sich 4 verschiedene Gegenstände in die voneinander am weitesten entfernten Ecken (also eine Tetraeder).
Wird nun von diesem räumlichen Gebilde ein Spiegelbild erzeugt, so lassen sich die beiden Formen durch ausschließliches Drehen nicht zur Übereinstimmung bringen.



Sicherlich gibt es noch zahlreiche andere Kombinationsmöglichkeiten um so einen Zustand zu erzeugen, jedoch stellt der beschriebene Sachverhalt die Situation von kleinsten biologischen Systemen dar. Einfach gesagt, könnt ihr z.B. nie eure Hände (mal sinnbildlich als Bild und Spiegelbild) zur Deckung bringen.
Diese, wie ich denke, für euch sicher gut nachvollziehbare Grundlage überträgt sich nun auf zahlreiche chemische Substanzen, die, wenn sie die genannten Kriterien erfüllen, als „chiral“ gelten. Chiralität, welche Stoffe völlig gleicher Zusammensetzung in Enantiomere einteilen kann, dient hier als Maß zur Beschreibung der räumlichen Ausrichtung organischer Körper.
So beschreibt zum Beispiel der Begriff Milchsäure nur die Zusammensetzung, gibt aber keine Auskunft über die Gestalt im Raum. Erst die im Folgenden dargestellte Schreibweise definiert die Substanz eindeutig:


(dabei steht das einzelne H jeweils in Richtung des Betrachters)

Im Falle unseres Joghurts geht es also nicht um die Bakterienkultur, sondern um ihr Produkt Milchsäure. So bilden diese speziellen Mikroorganismen im Gegensatz zu denen im üblichen Joghurt, wo etwa gleiche Teile an +/- Milchsäure enthalten sind, mehr rechtsdrehende (+).

Was bringt das nun?
Im dargestellten Fall ist die Bedeutung von eher untergeordneter Wichtigkeit. Der Mensch als Verbraucher kann nur die (+) Milchsäure verarbeiten, weil notwendige Mechanismen im Körper ebenfalls chiral sind. Der andere Teil des Wirkstoffs wird unverändert innerhalb des Darms abtransportiert und besitzt, allerdings erst in größeren Mengen (viel Sauerkraut z. B.), einen durchfallerzeugenden Effekt. Diese zwar unangenehme, aber nicht unbedingt ungesunde Eigenschaft ist nur eine Möglichkeit des Körpers mit dem „Fremdstoff“ umzugehen. Aus meiner Sicht tut man sich nichts Besseres beim Genießen eines vielleicht als modern geltenden Joghurts. Man unterbindet damit eher einen Durchfall und gerade der ist wichtig um auch mal eine natürliche innere Reinigung und Abwehr vor Krankheitserregern zu ermöglichen.

Allerdings wird dabei ein Thema angeschnitten, das heutzutage eine große Bedeutung hat. Sicherlich kennen einige von euch den Fall Contergan®, welcher mit als schwerwiegendster Arzneimittelunfall galt und gilt. Damals, also Anfang der 60er Jahre, kannte noch niemand die Bedeutung von links- und rechtsdrehenden Verbindungen und die in Tests erkannte, gute Wirksamkeit als Schlafmittel brachte neue Hoffnung in der Medizin, die bis dato nur riskantere Arzneimittel kannte. Auch während der täglichen Anwendung blieb die Wirksamkeit, Verträglichkeit und auch Unbedenklichkeit des Patienten gewährleistet.
Bis zu dem Zeitpunkt als man den embryotoxischen (=teratogenen) Effekt bei Schwangeren bemerkte, der, wie man heute weiß, nur vom S(-) - Enantiomer herrührt.



R(+) - Enantiomer : S(-) - Enantiomer


Damals produzierte man nur das Gemisch, wie es bis dahin auch nur üblich war. Selbst die heute noch weit verbreitete Meinung, man hätte selektiv arbeiten müssen und nur das R(+) – Enantiomer synthetisieren sollen, ist zwar logisch, aber ebenso fatal. Der menschliche Organismus ist ja nicht einfach gestrickt und oft zeigen Arzneimittel unvorhersehbare Wirkungen. So erkannte man hier, dass bei reiner Gabe des R(+) – Contergans® ohne große Verzögerung die S(-) – Konfiguration entstand und der Körper sich demzufolge ganz eigenständig vergiftet hätte.
Auch wenn heut zu Tage große Bemühungen über links- und rechtsdrehende Verbindungen durchgeführt werden und oftmals versucht wird diese zu umgehen, ist es wichtig den Stand der Wissenschaft nie zu überschätzen, was an solch typischen Beispielen deutlich wird.

Damit noch nicht genug: Contergan® (Wirkstoff: Thalidomid), nun mittlerweile lang vom Markt verschwunden, wurde auf seine embryotoxische Eigenschaft eindringlich untersucht. Eine Hemmung der Gefäßentwicklung wird für die extreme Nebenwirkung verantwortlich gemacht und dient heute als grundlegender Ansatz zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen. Auch wenn dabei die Teratogenität bei Schwangeren erhalten bleibt, steigt die Präsenz des Arzneimittels wieder an. Neuer Name (Revlimid®), neues Anwendungsgebiet und vor allem der ausdrückliche Hinweis auf die Gefahr, geben diesem Stoff eine 2. Chance. Als Ausdruck von Ehrgeiz und auch ein bisschen Wiedergutmachung?!?
Wie auch immer, vorsichtiger ist man mit Sicherheit und die eventuelle Erfolgsgeschichte des „neuen“ Contergans® wird medizinisch gesehen nicht einfacher oder schwieriger ablaufen, als wie bei jedem anderen Arzneimittel.